Die Stupa, die einem den Kopf verdreht

Kennt man eine, kennt man alle? Von wegen! Stupas haben allgemein eine besondere Wirkung – als wenn sie jeden schlagartig beruhigen und glücklich machen. Aber die Boudha Stupa hat mir völlig den Kopf verdreht.

Bodnath, Boudha, Boudnath, Bauddhanāth – so viele Namen und Schreibweisen gibt es für diesen einen, einzigartigen Ort.

Die Stupa in Boudha passt in keine Schublade. Einen Katzensprung außerhalb der Innenstadt gelegen, kann es zu den Hauptverkehrszeiten oft bis zu einer Stunde dauern, bis sich das kleine Taxi von Thamel aus bis nach Boudha durchgekämpft hat. Manchmal frage ich mich, ob es nicht schneller wäre, einfach zu laufen. Munter hupen auch hier die Autos um die Wette und die Luft ist genauso voller Staub, wie an fast allen anderen Orten in Nepals Hauptstadt.

In diese blauen Augen muss man sich doch verlieben?

Wenn man sich gerade noch seinen Weg durch den überfüllten Bürgersteig gekämpft hat, steht man schlagartig mit einem Schritt in einer anderen Welt, sobald man den Eingang hinter sich gelassen hat. Durch den großen Torbogen hat man die flatternden Gebetsfähnchen schon gesehen und die riesigen, allsehenden Augen haben einen bereits im Blick. Eine Mischung aus Behütung und kritischer Beäugung liegt darin. Während bei meinem letzten Besuch noch die Schäden des Erdbebens an dem UNESCO-Welterbe beseitigt wurden, strahlt sie nun in ihrer ganzen Pracht. Gänsehaut macht sich breit und ich habe einen Kloß im Hals. Es ist so wunderschön, das Gefühl unbeschreiblich.

Die Gebetsfahnen wehen um die Wette, Gebetsmühlen werden im Uhrzeigersinn gedreht und befördern ihre guten Wünsche in die Luft. Pilger laufen im Uhrzeigersinn immer und immer wieder über den gepflasterten Weg, summen ein Mantra, beten ihre Gebetsketten auf und ab, bei denen pflanzliche Samen an einer langen Schnur aufgeknüpft sind. Tibeterinnen mit ihrer typischen Kleidung und den bunten gewebten Stoffschürzen laufen neben Touristen aus aller Welt. Da sitzt eine Mutter auf dem Boden und säugt ihr Baby, einige Meter weiter schlürft ein älterer Herr seinen Milchtee, Jugendliche strahlen in die Kamera und schießen Selfies. So viele Gegensätze, die aber zusammen ein Ganzes ergeben. Shop reiht sich an Shop – Kaschmir, Messinggegenstände, Ketten, Thangkas, weite Pluderhosen und Postkarten. Unzählige Cafés bieten einen wahnsinnig tollen Blick auf die wehenden Fähnchen der Stupa und die Massen an Menschen, die sich um das heilige Bauwerk herumbewegen. Om mai padme hum klingt das Mantra, was von tiefen und entspannenden Mönchsstimmen gesungen wird durch die Lautsprecher der CD-Läden. Eine ganz schön mysthische Atmosphäre, besonders, wenn das Licht langsam orange wird und die Sonne sich verabschiedet. Wie ein Aquarellbild mit allen möglichen Rottönen sieht der Himmel weit hinter den quadratischen Häusern aus. Die Uhren ticken irgendwie anders, in dieser kleinen Boudha-Welt. Man verliert sich in seinen Gedanken, wenn man eine Zeit lang einfach aus einem kleinen Fensterchen mit einem Kaffee in der Hand auf das Geschehen blickt.

Hier und da qualmen kleine Pakete von Räucherstäbchen, so dass sich der Geruch in den Haaren und der Kleidung festsetzt. In einem riesigen Kessel schwelt ein kleines Feuerchen, auf das immer wieder neue Kräuter aus Bechern von den Betenden gekippt werden, so dass mehr und mehr Qualm aufsteigt. Öllampen flackern im Wind. Straßenhunde warten schon ganz gespannt auf ihrem Platz, an dem sie jeden Tag sitzen, bis eine ältere Dame ihnen ihr erwartetes Fressen in kleinen Plastiktütchen bringt.

Ein Grüppchen junger Mönche läuft vor mit. Recht leise aber wohl sehr eindrucksvoll raunzt einer der jugendlichen Mönche einen Namen. Perplex bleibt ein kleiner stehen, der seine bordeauxroten Tücher fast verloren hätte. Schnell wird er wieder eingepackt, bis es dann weiter im Uhrzeigersinn um das riesige heilige Bauwerk geht. Orangene Blüten hängen als Ketten aufgeknüpft vor den Hauseingängen und kleinen Buddhafiguren, um das Innerste zu beschützen.

In den Seitenstraßen findet das normale Leben statt. Gemüse- Stoff und Kleidungshändler prägen hier das Bild, was aber nicht heisst, dass es hier weniger wuselig zugeht.

Jeden Tag könnte ich zum Sonnenaufgang herkommen und erst nach Sonnenuntergang wieder nach Hause ziehen – mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen und einem warmen Gefühl im Herzen.

Hast du die Stupa von Boudha schon einmal besucht? Wie war dein Eindruck? Erzähle mir gerne in den Kommentaren davon!

 

 


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Anna

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