Chiang Mai. Meine Herzensstadt.

Wenn ich die Augen schließe und mich zurück nach Chiang Mai träume, kommt Sehnsucht auf. Sehnsucht nach dir, meine Herzensstadt. Nach deinen Märkten, wundervollen Tempeln mit ihren böse guckenden Wächtern, süß eingerichteten Geisterhäuschen, im Wind wehenden Lanna-Flaggen, liebevollen Menschen und unvergesslichen Momenten, die ich mit dir erleben durfte.
In Gedanken lasse ich die schönsten Momente Revue passieren. Morgens bin ich durch die versteckten Gassen deines Lebensmittelmarktes geschlendert. Weit und breit war kein anderer Tourist zu sehen. Ein bisschen wie die thailändische Metro. Nur wird hier alles in riesigen Markthallen und am Straßenrand vom Pick-Up aus verkauft. Die Verkäufer haben auf der Ladefläche ihre Hängematten gespannt und lassen sich von Ventilatoren anpusten. Mütter füttern ihre Kinder, zwei andere Frauen tauschen den neuesten Klatsch und Tratsch aus. In den Hallen ist es ruhiger als draußen auf der Straße. Hier quetschen sich Roller durch die Menschenmassen. Es wird gehupt. Männer mit Lastenkarren eilen vorbei. Ich verweile ein bisschen mit meiner eisgekühlten Kokosnuss bei den beiden lieben Verkäufern, die mir verzweifelt die thailändischen Zahlen beibringen wollen – natürlich vergeblich.

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Weiter geht es durch die Altstadt. An jeder Ecke strahlt mir einer deiner wunderschönen Tempel hinter den weißgetünchten Mauern entgegen. Gold soweit das Auge reicht, wunderschön verziert. Innen sowie außen. Die Sonne scheint auf die Chedis und verleiht ihnen noch mehr Glanz, als wenn sie gerade frisch poliert worden wären. Wenn es nicht so blöd aussehen würde, stünde ich vor jedem deiner Tempel mit offenem Mund. Vielleicht mache ich es auch und merke es gar nicht.

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Vor einem der Tempel steht ein Hinweisschild für den „Monk-Chat“. Aber hier hätte ich wohl früher sein müssen – Sprechzeit war heute nur bis 17.00 Uhr. Aber wir sind in Chiang Mai. Natürlich kann man sich noch zu den beiden jungen Mönchen setzen und mit ihnen über Gott und die Welt quatschen. Zu Beginn stellen wir unsere erste Gemeinsamkeit fest: Es ist der erste Monk-Chat für uns alle – auch für die beiden Mönche aus Myanmar. Wir quatschen über Schnee, Skifahren und Sport, lachen gemeinsam. Ja klar haben die beiden auch schon einmal Schnee gesehen – im Fernseher! Ich bin begeistert von dem Programm. Mönche, die an der buddhistischen Universität in Chiang Mai studieren, können sich an den Nachmittagen freiwillig dazu bereit erklären an diesem Programm teilzunehmen um ihre Sprachkenntnisse aufzupolieren und mit den Touristen über kulturelle Dinge und alles Mögliche auszutauschen.

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Weiter geht es zum Wat Chedi Luang. Er ist anders als die bisherigen Tempel. Goldglitzer ist hier nicht. Dafür spiegelt es sich so schön in den Pfützen. Momentan ist Regenzeit, aber bisher hatte ich Glück und der Wettergott hat es bis auf ein paar Schauer gut mit mir gemeint. Das Chedi ist noch größer als alle anderen vorher. Unvorstellbar, wie es einmal ausgesehen haben muss, als es noch ganz war. Ich schreibe meine guten Wünsche für meine Familie und Freunde auf die gelbe Schärpe, die hinterher um den Bauch des Chedis gewickelt wird.

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Am späten Nachmittag geht es zu einem deiner Wochenend-Straßenmärkte. Aber ich muss gestehen, dass ich mich, bis auf die Essensstände, nicht ganz mit ihm anfreunden kann. Es sind zu viele Menschen. Zu stressig. Zu oft wird man angerempelt und es latscht einem jemand auf seine Zehen. Das ist nicht mein Chiang Mai. Ich versuche in irgendeiner Seitenstraße ein Tuk Tuk zu finden, was mich zum Nachtmarkt bringt. Die Rückbank ist schon besetzt – ich bekomme den Notsitz neben dem Fahrer – auf dem Motor. „Sitzheizung“ lacht er bei knapp 38 Grad und fährt mit seinem Disko-Tuk Tuk los. Elektromusik dröhnt durch die Straßen, der Fahrtwind weht mir meine klebrigen verschwitzten Haare aus dem Gesicht. Wir reden so viel es trotz des knatternden Lärms des Motors, der Musik und dem restlichen Verkehr möglich ist. Wir lachen viel. Und da sind wir angekommen.

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Zugegeben, dein Nachtmarkt ist auch nicht stressfreier als deine Straßenmärkte, aber er ist so riesig, dass man den ganzen Menschen irgendwie zeitweise aus dem Weg gehen kann. Ok, die nervige Werbung in Dauerschleife durch die riesigen Lautsprecher für das Thai-Boxing-Stadium kann ich bis zum Ende nicht ausblenden. Dafür gibt es Smoothies von der süßesten Smoothieverkäuferin, die ich je gesehen habe. Alleine dafür lohnt es sich, jeden Abend hier her zu kommen. Und für den schlitzohrigen Schuhverkäufer, der einen wahnsinnig witzigen Humor hat und eben die tollsten Schuhe der Stadt herstellt. Aus dem bunt bestickten Stoff der Bergvölker aus dem Norden Thailands.

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Zum Hostel zurück geht es zu Fuß. In deinen Straßen fühle mich auch nachts sicher. Auf dem Weg kaufe ich mir noch mein Frühstück – ein Kilo Mangostin. Leider hält das nicht bis zum nächsten Tag- ich futter es noch auf dem Heimweg auf.
Ich möchte zurück zu dir. Auf der Stelle. Chiang Mai, seit dem ich mich von dir verabschieden musste, denke ich jeden Tag an dich. Du bist wie ein guter Freund, den man gerade gefunden hat und viel zu schnell verlassen muss – aber ihn so schnell wie möglich wiedersehen möchte.

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Anna

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