Gedanken zu meinen ersten Reisen mit Zöliakie

Über meine Reiseanfänge und den Sprung ins kalte Wasser

In der letzten Zeit komme ich immer wieder ins Grübeln, wenn ich über meine Reisen nachdenke. Über meine Reisen mit Zöliakie. Ich frage mich, ob ich ein wenig verrückt oder leichtsinnig bin, so manche Länder zu besuchen, in denen Zöliakie ein absolutes Fremdwort ist. Trotzdem lasse ich mich immer und immer wieder auf dieses kleine Abenteuer ein. Lange Zeit habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht anders sein könnte, als andere Betroffene, die wegen ihrer Krankheit nicht einfach so ihre Koffer packen und die Welt erkunden.

Ich freue mich immer, wenn ich von euch Nachrichten bekomme und mir jemand berichtet, dass er sich durch meine Tipps und Geschichten getraut hat, endlich auch einmal die eigenen vier Wände zu verlassen. Oft lese ich zwischen den Zeilen, dass vor allen Dingen riesiger Respekt und auch in gewissem Maße ein bisschen Angst immer wieder bei der Reiseplanung in die Quere kommen. Manch einer traut sich diesen Sprung ins kalte Wasser aus seinem gewohnten Umfeld heraus einfach noch nicht zu. Manchmal ist es eine ganz schöne Hürde, die überwunden werden muss, wenn man zum ersten Mal die eigene gewohnte und sichere Komfortzone verlassen möchte.

Gerade diese Nachrichten machen mich im Hinblick auf meine eigenen Reisen so nachdenklich. Bei mir fehlt einfach diese „Überwindungsphase“ in meiner glutenfreien Reise-Biographie.

Danke Mexiko für diesen tollen Einstieg in meine glutenfreien Reisen!

Seit acht Jahren ist die Zöliakie nun mein ständiger Reisebegleiter. Wie das oft mit jemandem ist, mit dem man die verschiedensten Ecken der Welt erkundet hat und immer noch gemeinsam wegfährt: Ab und zu gibt es Meinungsverschiedenheiten. Wenn man mal richtig aneinandergerät, schwört man sich gegenseitig, nie wieder zusammen zu verreisen. Am nächsten Tag sitzt man aber meist schon wieder gemeinsam am Tisch, um die nächste Reise zu planen. Wie heißt es so schön? Auf Reisen merkt man erst einmal, ob man zusammenpasst? Was soll ich sagen: Wir verreisen immer noch gerne gemeinsam und haben dieses ständige Fernweh in uns. Meine Zöliakie und ich.

Verschiedene Typen

Je mehr ich darüber nachdenke, glaube ich, dass es einfach zwei Typen gibt, was das glutenfreie Reisethema angeht.

Typ A: Springt einfach ins kalte Wasser und vertraut denkt noch nicht einmal darüber nach, dass etwas schief gehen könnte. Wirkliche Ängste, dass etwas mit dem glutenfreien Essen nicht klappen kann oder es manchmal nichts Glutenfreies gibt, sind ihm fremd. Er hat doch einen kleinen Vorrat an glutenfreiem Brot, Nudeln und Snacks für zwischendurch im Gepäck! Und wenn das nicht reicht, bekommt man überall Reis, Kartoffeln oder tolles Obst und Gemüse! So zieht Typ A los und vertraut einfach darauf, dass alles so wird, wie es soll.

San Cristóbal de las Casas in Mexiko hat seinen ganz eigenen Charme!

Und dann ist da Typ B: Typ B ist sehr bedacht und plant alles genauestens bis ins kleinste Detail. Typ B zieht es erst in die (glutenfreie) weite Welt hinaus, wenn es ein wasserdichtes „Es kann eigentlich gar nichts schief gegen“-Paket gibt. Er spielt mehrmals alle Szenarien durch, wie es ist, wenn alles in die Hose geht. Die Ängste und schlimmen Befürchtungen haben ihn einfach im Griff. Und dann ist da auch noch dieser riesige Schweinehund, der frech grinst und ihm ins Gewissen redet, dass es zu Hause doch eh viel sicherer als an fremden Orten ist.

Heute muss ich manchmal schmunzeln, wenn ich an meine erste Reise mit Zöliakie denke. Ich muss zugeben, dass ich damals sehr blauäugig an die ganze Sache herangegangen bin. Ich war wohl ein typischer Typ A. Ganz ehrlich habe ich noch nicht einmal daran gedacht, dass etwas schiefgehen könnte. Wenn ich heute über meine damalige Unbekümmertheit nachdenke, bin ich ganz schön froh. Ich bin froh, dass mein innerer Schweinehund gerade wohl selbst auf Reisen war und mir gar nicht erst ins Gewissen reden konnte. Für mich war es nie eine Option, nach der Diagnose zu Hause zu bleiben. Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich nun überhaupt noch verreisen werde. Bei mir war es eher ein „Wie“ und nicht ein „Ob“.

Meine erste weite Reise nach der Diagnose ging nach Mexiko. Einen Tag nach Weihnachten ging es los. Drei Wochen lang mit dem Rucksack, einem kleinen Vorrat an glutenfreiem Brot und ein paar Nudeln, keinen Spanischkenntnissen außer „Hola! ¿Qué tal?“ und meinem neuen Begleiter, der Zöliakie!

Der unmittelbare Start hätte wahrscheinlich nicht mieser sein können: Im Flugzeug habe ich netterweise mit einem Mann die Sitze getauscht, damit er nicht stundenlang von seiner Frau getrennt sein musste. Anstatt auf meinem geliebten Gangplatz habe ich dann auf einem ätzenden Sitz in der Mitte die Zeit totgeschlagen! Aber damit nicht genug, hat der freundliche Herr sich auch mein glutenfreies Special Meal schmecken lassen. Für einen perfekten glutenfreien Reiseeinstieg waren das nun wirklich nicht die besten Voraussetzungen! Ich muss zugeben, dass ich tierisch genervt und vor allen Dingen traurig – und hungrig war. Aber ich habe auch schnell eingesehen, dass es unterwegs genauso wie im „normalen“ Leben sein kann: Manchmal gehen Dinge einfach schief!

Aber genau diese Malheure haben mir im Laufe der Zeit dabei geholfen, bei den nächsten Reisen auf solche Fälle besser vorbereitet zu sein. Heute baue ich einfach nicht mehr komplett auf den reibungslosen Service von Fluggesellschaften und dem Mitdenken anderer Fluggäste und packe mir zur Vorsicht einen guten Vorrat an Snacks ins Handgepäck.

Sehr ihr? Auch bei mir hat auf meinen anfänglichen Reisen nicht immer alles geklappt und nein, das tut es auch heute manchmal noch nicht! Aber keine Angst, auch wenn der Start wirklich etwas holprig war, ist der Rest der ersten Reise wundervoll geworden! Mit all den Maisprodukten, Reis und Bohnen war Mexiko für mich als Zöliakie-Reiseanfänger wohl das perfekte Einstiegsland.

Würde ich zur heutigen Zeit mit meinem jetzigen Wissensstand noch einmal mit dem (glutenfreien) Reisen beginnen, wäre ich wahrscheinlich ein Typ B wie aus dem Bilderbuche! Erst heute habe ich das ganze Wissen, was mich vielleicht bei der Planung der ersten Reise so besorgen würde, dass ich die Pläne direkt wieder an den Nagel hängen würde. Erst heute würde ich mir Fragen stellen, auf die ich damals nie gekommen wäre. Natürlich wusste ich damals, was ich essen darf und was nicht. Ich war mir dessen bewusst, dass sich auch keine kleinen Spürchen von Gluten im Essen verstecken dürfen. Aber damals habe ich mir z.B. keine Gedanken gemacht, wie das Maismehl wohl gemahlen wurde, dass in den Tortillas verarbeitet wurde. Heute würde ich mir erst einmal die Frage stellen, ob in der gleichen Mühle nicht auch Getreide verarbeitet, oder in der Küche sonst irgendwo anders Mehl verarbeitet wird. So weit habe ich damals schlichtweg gar nicht gedacht. Ich war beruhigt, als ich mehrmals bestätigt bekommen habe, dass es reine Maistortillas- oder Nachos sind, die da vor mir liegen!

Die ganzen Reisen und auch mein „normaler“ Alltag mit Zöliakie waren und sind immer noch ein Lernprozess. Von Anfang an haben mir mein gesunder Menschenverstand und Bachgefühl geholfen, meine Entscheidungen hinsichtlich des Essens zu treffen. Auch heute noch sind sie meine größten und oft einzigen Hilfen, mit denen ich meine Reisen, aber genauso meinen Alltag meistere.

Welcher Reisetyp bin ich?

Ein Teil dieses Lernprozesses war es auch, dass ich herausgefunden habe, was für ein Reisetyp ich eigentlich bin. Wahrscheinlich war das meine wichtigste Einsicht, um mir auch heute noch die Freude an den ganzen Reisen zu erhalten. Während ich damals ohne Zöliakie auch gerne Hotels gebucht habe, in denen man sich schon morgens gedankenlos beim Frühstück den Bauch mit allen möglichen glutenhaltigen Leckereien vollschlagen konnte und sich das vom Mittagessen bis hin zum Abendessen immer wiederholt hat, haben sich meine Angewohnheiten geändert.

Solche Ausblicke lasse ich mir von meiner Zöliakie nicht nehmen!

Nach und nach habe ich herausgefunden, dass es für mich der bequemste und auch sicherste Weg ist, wenn ich mich auf Reisen genauso versorge, wie zu Hause auch. Da kommt es mir natürlich gelegen, dass ich es auch im Urlaub liebe, für mich selbst zu kochen. So weiß ich genau, wie etwas verarbeitet wird und was in den Topf wandert. Es ändert sich ja nur der Ort, an dem ich koche – nicht das wie. Außer, dass vor dem Küchenfenster vielleicht das Meer in der Sonne glitzert und die Wellen rauschen.

Und wenn es mich in der Ferne dann doch einmal in ein Hotel oder Restaurant zieht, verhalte ich mich dort genauso wie in der Heimat. Wenn es möglich ist, versuche ich durch Fragen all meine Sorgen bezüglich der Zubereitung und Verarbeitung zu beseitigen. Zur Sicherheit habe ich auch hier mein glutenfreies Brot bei, das zur Not in einer Pfanne (natürlich nicht im Toaster!) angeröstet werden kann. Ich spreche mit dem Koch, zeige ihm meine mitgebrachte „Bitte an den Koch“, versuche noch einmal deutlich zu erklären, was auf keinen Fall auf meinem Teller landen darf. Wenn dann immer noch Sorgen übrigbleiben, rühre ich das Essen nicht an und suche mit lieber einen anderen Platz – oder krame im allerschlimmsten Notfall meine mitgebrachte Notration aus.

Generell kann ich sagen, dass ich unterwegs sehr genügsam geworden bin, was die Auswahl an Essen angeht. Aber natürlich freue ich mich auch wie ein Schneekönig, wenn es irgendwo in der Ferne ein spezielles glutenfreies Café oder Restaurant gibt oder nur jemanden, der wahnsinnig bemüht ist, etwas Glutenfreies zu zaubern. Ich sehe mich heute noch in Chiang Mai/ Thailand in einem Café vor der glutenfreien Kuchenauswahl stehen! Wie ein kleines Kind im Bonbonladen! Das sind Momente, die einem ein Strahlen ins Gesicht zaubern!

Aber habt keine Sorge. Selbst wennn man eher zur Kategorie Typ B gehört, aber einen dennoch das Reisefieber gepackt hat, ist es das Wichtigste, dass man sich selbst damit auskennt, was man essen darf und was eben auch nicht. Wenn man da ganz auf seinen Verstand und sein Bauchgefühl hört, im Auge hat, wie das Essen zubereitet wird und einfach an sich und seine Reisewünsche glaubt, dann kann man in meinen Augen die ganze Welt bereisen!

Ich bin froh, dass mich damals mein innerer Schweinehund nicht vor meiner ersten Reise mit Ängsten belastet hat. Ich bin froh darüber, dass ich einfach mir nichts, dir nichts ins kalte Wasser gesprungen bin und auch nach kleinen Patzern nie aufgegeben habe. Nur so konnte ich im Laufe der Jahre viel über mich und das Reisen mit meiner Zöliakie lernen.

Durch das Reisen habe ich vor allen Dingen eins gelernt: Hör nur auf eine Person! Auf dich selbst!

Wie stehst du zum Reisen mit Zöliakie? Bist du nach deiner Diagnose auch einfach losgezogen und hast dir keine großen Gedanken darübergemacht, was alles schiefgehen kann? Oder haderst du noch mit dir und traust dich noch nicht so recht, die eigenen vier Wände zu verlassen? Schreib mir gerne in den Kommentaren davon!

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Anna

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