Glutenfrei auf Mahé, Seychellen: Teil 3

Tour durch den Süden mit Lunch im Restaurant Chez Plume*

Nachdem wir letzte Woche die kleinste Hauptstadt der Welt erkundet und beim Mittagessen dem Rauschen des Indischen Ozeans zugehört haben, geht es heute durch den südlichen Teil Mahés, der Hauptinsel der Seychellen.

Wir starten morgens wieder von Victoria aus und machen uns auf den Weg gen Süden entlang der Küstenstraße. Natürlich könnt ihr euch auch einen anderen Startpunkt aussuchen – ich nehme nur Victoria, damit man sich auf der Karte besser orientieren und unseren Weg verfolgen kann.

La Misere Viewpoint

Für den Ausblick lohnt sich der Abstecher zum La Misere Viewpoint!

Noch bevor wir auf der Höhe des Flughafens sind, lohnt es sich, einen kleinen Abstecher zum La Misere Viewpoint zu machen. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf Eden Island und die Nachbarinseln Mahés. Oft wartet hier auch ein Obsthändler auf Kundschaft, der sein Angebot wie einen kleinen Altar aufgebaut und geschmückt hat! Wer mag, kann sich hier mit Wegzehrung eindecken, oder den Tag mit einer frischen Kokosnuss starten! Wir fahren aber nicht auf der Straße ins Inselinnere weiter, sondern drehen und machen uns weiter auf den Weg an der Küste entlang in Richtung Süden.

Nach einiger Zeit lassen wir den Flughafen im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und folgen dem Straßenverlauf. Lasst euch von den tollen Ausblicken zwischendurch nicht verleiten, zu lange in der Gegend herumzugucken. Leitplanken werden auf den Seychellen meist für völlig überbewertet erachtet – auch dann, wenn die Fahrt ohne Vorwarnung direkt im Meer enden würde! Also verlasst euch lieber auf das Schwärmen eures Beifahrers und haltet die oft ganz schön enge Straße im Auge!

Jardin du Roi

In Anse Royale geht es von der Küstenstraße aus etwas ins Landesinnere auf die Les Cannelles Road. Nach einigen Minuten geht es nach einer Bushaltestelle links ab. Ich habe mich hier fast zwei Mal verfahren, weil das Schild so unscheinbar ist. Nach einem kleinen Kiosk müssen wir wieder rechts ab – es wird immer steiler und steiler, bis man sich fragt, ob man hier überhaupt noch richtig ist. Die Straße verengt sich irgendwann auf eine schmale Fahrbahn. Ab da hoffe ich nur noch, dass mir kein Auto entgegenkommt! Wenn man vom Teufel spricht! Aber ganz liebt setzt er zurück und lässt mich durch. Ganz oben angekommen, haben sich die ganzen Schweißperlen, die bei der Fahrt auf der Stirn standen sich gelohnt! Unser zweiter Stopp heute ist der Jardin Du Roi.

Der Jardin du Roi gehört zu einem kleinen Anwesen, das seit über 150 Jahren im Familienbesitz ist. Die ältere Dame wohnt hier seit ihren Kindertagen und öffnet tagsüber ihre Gartenpforte, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Pflanzenwelt der Seychellen kennenzulernen. Mehrere Rundwege stehen zur Auswahl, die man erkunden kann. Am Eingang bekommt man einen Plan mit den eingezeichneten Wegen – von einer mehrstündigen Wanderung bis zu einer kleinen Tour, kann man hier je nach Geschmack mehr oder weniger Zeit verbringen. Ganz besonders mag ich den kleinen Rundweg mit den Gewürzen, Heil- und Nutzpflanzen. Sternfrüchte, Ananas, Zitronengras und allerhand andere Gewächse gegen die verschiedensten Wehwehchen und Krankheiten wachsen hier. Obwohl die riesigen Coco de Mer Kokosnüsse, die fast schon als Wahrzeichen der Seychellen gelten, eigentlich nur auf Praslin wachsen, findet man einige der riesigen Palmen auch hier im Jardin du Roi. Die Früchte erinnern an einen ganz schön knackigen Frauenpopo! Auch das kleine Museum, das im Spitzboden über dem Shop liegt, hat es mir angetan. Sehr liebevoll gestaltet wird hier die Flora und Fauna der Inseln erklärt! Besonders für Kinder lohnt sich ein Besuch, da alles so schön anschaulich und in liebevoller Handarbeit gestaltet präsentiert wird!

Bevor es weitergeht, lohnt es sich, nach dem Rundgang noch bei einem Getränk auf der Terrasse des Restaurants zu verschnaufen. Der Ausblick ist atemberaubend! Mir hat es hier besser gefallen, als im Botanischen Garten in Victoria!

Auch, wenn hier leckere Salate auf der Karte stehen, fahren wir zum Mittagessen noch ein Stückchen weiter an die Westküste bis nach Anse Boileau.

Zeit fürs Mittagessen

Ein Besuch in der Auberge d’Anse Boileau & Restaurant Chez Plume

Die Auberge d’Anse Boileau ist gar nicht zu übersehen!

So langsam gibt mir mein Magen zu verstehen, dass das Frühstück schon ganz schön lange her ist! Es wird Zeit fürs Mittagessen. Heute sind wir im Restaurant Chez Plume zu Gast. Natürlich fahre ich erst einmal in die falsche Richtung und muss mich erkundigen, wo ich nun eigentlich lang muss. Aber der ältere Herr, der an der Bushaltestelle steht, kennt unser Ziel gut und erklärt den Weg! Ich bin ein bisschen stolz, dass mich mein Schulfranzösisch heute doch noch zum Mittagessen bringt. Keine Angst, eigentlich ist die kleine Auberge kinderleicht zu finden, da sie direkt an der Küstenstraße liegt – das Problem ist nur, wenn man in die entgegengesetzte Richtung unterwegs ist.

Hier in Anse Boileau geht es sehr entspannt und ursprünglicher zu, als an anderen Orten der Insel. Durch eine schmale Küstenstraße getrennt, liegt die kleine Auberge am wunderschönen Strand von Anse Boileau. Fischerbote warten auf die nächste Ausfahrt. Um die Mittagszeit hat sich das Meer zurückgezogen und hat einen ganz schön breiten Strand hinterlassen. Auch, wenn ich liebend gerne hier sitzen und auf die weit entfernten Wellen gucken würde, treibt mich mein Hunger aber in das süße kleine Gartenrestaurant.

Das Hotel

Durch das schmiedeeiserne Tor geht es in den kleinen Garten. Die Auberge d’Anse Boileau hat neun Zimmer, die alle schön ruhig im Garten liegen. Sitzgelegenheiten, eine Hängematte und Sonnenschirme laden zum Verweilen ein. Orchideen blühen und kleine bunte Vögel fliegen von hier nach da in der kleinen grünen Oase.

Herzlich wird man von den Servicekräften empfangen. Ich bin heute mit Michael, dem Besitzer verabredet, der das kleine Hotel mit Restaurant vor einiger Zeit übernommen hat. Jahrelang ist er selbst als Gast mit seiner Frau und Familie hier zu Besuch gewesen, bis sich die Chance ergeben hat, es zu kaufen.

Das Essensangebot

Hier kann man auch entspannt am Nachmittag einen Kaffee trinken!

Seit einiger Zeit wird im Restaurant Chez Plume neben dem Dinner auch ein Lunch angeboten. Michael wollte nach einiger Zeit die Gäste nicht mehr wegschicken müssen, die mittags spontan vorbeigekommen sind und gerne eine Kleinigkeit gegessen hätten. Immer musste er sie auf das Dinner vertrösten – so wird nun seit einiger Zeit auch ein kleines Mittagsmenü angeboten. In der Mittagszeit kümmert sich Koch Terrence um die Gäste; Henry übernimmt die Schicht zum Abendessen. Beide lieben ihren Beruf – Henry ist ein Urgestein, der sich nicht von seiner Küche trennen kann.

Das merke ich spätestens, als ich Terrence in der Küche besuche und mit ihm die Speisekarte durchgehe und ihm meine Krankheit erkläre. Mit ganz viel Interesse für mein besonderes Anliegen finden wir zusammen eine Möglichkeit, was ich ohne Probleme von der Karte essen kann. Ich entscheide mich für einen Oktopussalat – natürlich frage ich mehrmals nach, ob wirklich keine anderen Zutaten in den Topf wandern, als er aufgezählt hat. Nein, nein, da kann ich sicher sein! Oft gehe ich dann immer noch mit einem mulmigen Gefühl aus der Küche und hoffe, dass alles gut geht. Aber hier bin ich wirklich beruhigt und freue mich einfach auf mein Essen.  In der Zwischenzeit, während Terrence in der Küche wirbelt, habe ich Zeit mich weiter mit Michael zu unterhalten. Er ist super interessiert und offen, was das Thema Zöliakie angeht. Ich erzähle ihm viel von der Autoimmunkrankheit und insbesondere alle Feinheiten, auf die es in der Küche und Bewirtung von Gästen mit Zöliakie oder Glutensensitivität ankommt. Mir macht es so viel Spaß, zu sehen, mit wie viel Interesse und Engagement er sich diesem bisher fast unbekannten Thema widmet. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit, gemeinsam eine Lösung zu finden, so dass sich auch Gäste mit Zöliakie oder anderen Allergien und Unverträglichkeiten hier willkommen und gut aufgehoben fühlen.

Momentan wird nach und nach das Hotel modernisiert. In den kommenden Wochen wird auch noch eine komplett neue Küche einziehen.

Nachdem ich mit Michael alles durchgegangen bin, worauf bei der Zubereitung geachtet werden muss, ist schnell klar, dass es auch eine eigene „glutenfreie Ecke“ in der neuen Küche geben wird. Der Plan sieht so aus, dass hier dann komplett glutenfreie Küchenutensilien, ein eigener Toaster und alles, was zur Zubereitung von glutenfreien Speisen gehört, neu angeschafft wird. Wenn die Sachen nicht in Gebrauch sind, kommen sie in eine Kiste, so dass keine Spuren von möglichen glutenhaltigen Lebensmitteln darankommen. Ich kann es gar nicht glauben und bin wirklich glücklich, dass die Ideen so dankbar aufgenommen werden.

Und hier kommt auch meine Bitte an euch: Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr Michael und seinem Team eine Chance gebt. Das ganze „glutenfreie Projekt“ steckt noch in den Kinderschuhen, aber wenn man offen ist, mit Michael und seinen Angestellten zu reden und nach der besten Möglichkeit zu suchen, kann daraus etwas ganz ganz Tolles werden! Sucht bei eurer Bestellung immer das Gespräch und geht gemeinsam durch, wie euer Gericht zubereitet wird und werden darf. So könnt ihr mit einem beruhigten Gefühl essen und auch den Köchen Terrence und Henry tut ihr einen Gefallen, wenn ihr mit ihnen zusammen nach einer Lösung sucht und genau erklärt, was ihr essen dürft und was eben auch nicht!

Wenn wir ehrlich sind, würden wir es uns doch genauso wünschen, wenn wir ein Restaurant hätten, oder? Ich fände es auch toll, wenn meine Gäste, die eine Allergie oder Autoimmunerkrankung haben, von der ich zuvor noch nicht so viel gehört habe, mir genau erklären, was sie essen dürfen, damit ich sie mit meinen Gerichten glücklich machen und ihre Wünsche in der Küche umsetzen kann. Und genauso ist es hier im Chez Plume! Alle sind wirklich sehr interessiert und bemüht, Neues zu lernen und das auch direkt umzusetzen. Ich finde das wunderbar! Man kann einfach nicht davon ausgehen, dass sich überall auf der Welt die Menschen und Köche perfekt mit glutenfreiem Essen auskennen – da sollte man doch diejenigen mit seinem Wissen unterstützen, die interessiert sind, auch uns Zöliakiebetroffenen jeden Wunsch von den Augen abzulesen!

Man kann immer mit den Köchen reden und sich genau erklären lassen, wie die Gerichte und mit welchen Zutaten sie zubereitet werden, damit man selbst auch beruhigt ist. Um die Mittagszeit ist meist weniger los, als zum Abendessen. So hat Terrence auch genügend Zeit, genau zu erklären, wie er die einzelnen Gerichte zubereitet und was er für Zutaten und Lebensmittel er verarbeitet.

Wenn ihr einige Nächte hier bleibt, fragt ihr euch bestimmt, wie das mit dem Frühstück klappt. Natürlich könnt ihr euer eigenes Brot mitbringen und morgens in der Pfanne (und demnächst dann hoffentlich im eigenen glutenfreien Toaster) antoasten lassen. Ich lege euch aber wirklich ans Herz, euch vorher mit Michael per Mail in Verbindung zu setzen und genau zu besprechen, was ihr gerne zum Frühstück (und vielleicht auch zu den anderen Mahlzeiten) hättet – so könnt ihr gemeinsam gucken, was ihr mögt und was nicht und was er vielleicht auch auf den Seychellen an speziell glutenfreien Lebensmitteln besorgen kann. So kann er bestmöglich auf eure Wünsche eingehen und dementsprechend vorbereiten, so dass ihr auch hoffentlich glücklich gemacht werdet.

Der Perfekte Abschluss ist ein leckerer Espresso zum Nachtisch, damit die Augen auf unserer weiteren Tour nicht zufallen.


Auberge Chez PlumeWest Coast Road – Anse Boileau – Seychellen – Mail: reservations@hibiscus.sc

Öffnungszeiten des Restaurants:

Lunch: Di – So ab 12.00 Uhr

Dinner: Mo – Sa ab 19.30 Uhr


Zurück geht es an der Westküste entlang noch etwas in Nördlicher Richtung, bis es dann auf der Sans Soucis Road zur Teefabrik geht.

Spaziergang durch Mangroven

Über Holzstege kann man hier durch die Mangroven laufen.

Wenn ihr noch genügend Zeit habt, könnt ihr auf dem Weg zur Teeplantage einen kurzen Stopp in Barbarons am AVANI Hotel einlegen. Hier gibt es einen kleinen hölzernen Weg, der direkt von der Straße aus in die Mangroven führt. Erwartet nicht zu viel, aber für ein paar Minütchen kann man sich hier ganz schön die Beine vertreten! Eine Hinweistafel liefert einige Informationen zu den Pflanzen und tierischen Bewohnern des Feuchtgebietes. Unzähligen Krebse sind hier zu Hause, die schnell in ihren Löchern verschwinden, wenn sie jemanden kommen sehen. Hier und da platscht es – ich hoffe immer, dass es nicht der Autoschlüssel oder mein Handy ist! Wieder im Auto geht es weiter zur Teefabrik.

Teefabrik

Nach zahlreichen Kurven, die wie Nadelöhre in den Bergen liegen, sieht man die ersten Teefelder, die sich an die Hänge schmiegen. Wolken wie Zuckerwattebäuschchen ziehen hier wie kleine Gespenster über die Teesträucher und Wälder. Auf den Straßen fühlt es sich hier manchmal so an, dass es einen nicht wundern würde, wenn Tarzan an einer Liane hängend über die Straße schwingen würde. Nach einigen Kurven auf der Serpentinenstraße liegt dann die Teefabrik in den Wolken. Neben der kleinen Fabrik, die man besuchen kann, gibt es hier auch einen Shop, in dem man verschiedene Teesorten kaufen kann. Der Ausblick ist toll – das Grün, in dem man steht und die verschiedenen Blautöne des Meeres im Tal.

Der Platz ist wirklich wundervoll, aber ich muss zugeben, dass mich die Teefabrik und die Plantagen leider nicht so aus den Socken hauen, nachdem ich schon andere auf Sri Lanka, Thailand, Kenia und Mauritius gesehen habe. Der Glanz der alten Tage ist hier irgendwie verflogen. Man kann die Produktion ansehen und zuschauen, wie der pulverisierte Tee in Teebeutel gefüllt und dann verpackt wird.

Im Shop decke ich mich noch für Tee für zu Hause ein – vor allen Dingen mit Lemongrasstea, der hier ganz typisch ist.

Es wird Zeit wieder zurück zu fahren. Wir folgen der Straße wieder in Richtung Ostküste und beenden unsere Tagestour wieder dort, wo sie begonnen hat: In Victoria.

 

*Offenlegung

Ich wurde vom Restaurant Chez Plume zum Mittagessen einegladen, damit ich euch hier davon berichten kann und mich mit Michael, dem Besitzer, über Zöliakie auszutauschen. Meine Meinung bliebt davon völlig unberührt – ich würde euch kein Restaurant vorstellen, dem ich nicht zutrauen würde, dass es für Menschen mit Zöliakie geeignet ist. Natürlich kann ich für etwaige Fehler in der Küche keine Garantie übernehmen, jedoch können diese bestmöglich ausgeschlossen werden, wenn man das Gespräch sucht und genau erklärt, was man essen darf und was nicht! Ich finde es unterstützenswert, wenn sich jemand solche Mühe gibt und auch seine Gäste mit Allergien und Autoimmunkrankheiten so umsorgen und glücklich machen möchte!

 

Wart ihr schon einmal auf den Seychellen? Was habt ihr für Erfahrungen mit glutenfreiem Essen gemacht? Erzählt mir gerne eure Geschichte in den Kommentaren! Ich freue mich!

Eure Anna


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Anna

    COMMENTS (2)

    • Anna

      ()

      Liebe Sita,
      vielen lieben Dank für das Lob! Da freue ich mich sehr drüber! Ja, der Urlaub war wirklich schön und hat gut getan. Auf Mahé kann man ganz schön tolle Ecken erkunden, was ich vorher niemals gedacht hätte. Eigentlich denkt man ja nur an Strand, wenn man „Seychellen“ hört – dass es auch so grün ist, soll man gar nicht meinen.

      Viele liebe Grüße
      Anna

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