Nach 10 Jahren ging es endlich wieder nach Istanbul. Ich mag die Stadt – wie so viele Städte, die nach dem ersten Besuch direkt einen Platz in meinem Herzen gefunden haben. Im Gegensatz zu damals war bei diesem Besuch etwas anders – nun musste ich mich auf die Suche nach glutenfreiem Essen machen. Gar nicht so einfach in einer Stadt, in der einen überall, in jedem Schaufenster die ganzen wunderschön aussehenden Backwaren, Döner und türkischen Pizzen anstrahlen. Baklava mit Pistazie oder Mandel oder Walnuss oder oder oder… Als wenn die kleinen süßen Stückchen einen verspotten würden: „Wie, du kannst mich nicht essen? Wie schade! Eigentlich bin ich wahnsinnig lecker! So saftig und süß.“ Ich bleibe oft vor den Auslagen stehen. Obwohl oder gerade weil ich das alles nicht essen kann. Ich versuche mir irgendwann einzureden, dass das alles nur kleine Kunstwerke sind und eigentlich gar nicht essbar oder sie bestimmt fürchterlich schmecken – der Versuch scheitert spätestens, wenn ich die Menschen im angrenzenden Café genüsslich kauen sehe.

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Aber um ehrlich zu sein, ist es mit ein bisschen Mühe gar nicht so aussichtslos, doch etwas von den ganzen vor Zucker triefenden oder interessant orientalisch gewürzten Leckereien abzubekommen.
Fangen wir mit dem Frühstück an. Meine wichtigste Mahlzeit am Tag, wofür ich immer eher aufstehe – egal, wie früh ich los muss. Vielleicht fühle ich mich in der Türkei deswegen auch so wohl – hier bin ich mit den meisten Leuten einer Meinung. Die Auswahl an allen möglichen Dingen, die am Buffet oder auch bei einem kleinen Frühstück im Café auf einen warten, bringen mich zum Strahlen. Oliven, Käse, Gurke, Tomate, Salate, Trockenfrüchte und und und…
Wie gut, dass ich den Zusicherungen von Hotels nicht immer glaube und zur Sicherheit ein Paket Brot im Koffer habe, auch wenn sie mir versprechen extra etwas ohne Gluten für mich zu machen. Nach einem Monat in Thailand bin ich froh, dass ich anstatt des gekochten Reises, der morgens für mich bereit steht, doch noch mein Brot dabei habe.
Meine Laktoseintoleranz verdränge ich beim Frühstück durch Laktasepulver, da ich dem leckeren türkischen Käse nicht wiederstehen kann. Bestreut mit Kreuzkümmel und Sesam – ein Traum. Als „Frühstücks-Nachtisch“ noch eine Schnitte mit Rosenmarmelade oder Honig – da vergesse ich sogar danach zu fragen, ob der Aufschnitt glutenfrei ist. Es gibt so viele andere leckere Sachen, so dass er mir eher nebensächlich erscheint. Aber ganz vollständig ist jede Mahlzeit erst mit dem typischen Ҫay und Kahve, dem türkischen Tee und Mokka. Danach bin ich für einen Sightseeing-Tag gewappnet.

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Es gibt viele interessante und lustige Dinge auf Istanbuls Straßen zu entdecken. Zum Bespiel die Eisverkäufer, bei denen fast keine Kugel Eis ohne die dazugehörige Show verkauft wird. Man kann sich sicher sein, dass man sein Eis nicht so schnell bekommt. Zack, da hatte man das Hörnchen gerade in der Hand, fehlt die Kugel, die der Verkäufer wieder weggezaubert hat. Aber genau das ist das Problem für mich: So manche Eiskugel, die vorher schon einmal während dieser Vorführung in einem Eishörnchen war, landet kurz wieder in dem Eisbehälter – Hallo Gluten! Es bringt also nichts, sich ein Eis im Becher zu bestellen, da zumindest Spuren des Glutens bestimmt schon im Eis auf einen lauern. Es ist trotzdem nett, einfach zuzusehen, wenn ein anderer verbittert versucht seine Eiskugel zu bekommen.

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Dafür gibt es für uns an jeder Ecke frisch gepressten Granatapfel- und Orangensaft, geröstete Maronen und gegrillte Maiskolben. Auf den Märkten bekommt man überall frisches Obst und Gemüse und leckere eingelegte Dinge. Grüne Oliven, schwarze Oliven, Gewürzgurken und Paprika.

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Aber so ganz ohne Baklava gegessen zu haben, ist man nicht wirklich in der Türkei gewesen.

Da habe ich bereits vorher zu Hause eher durch Zufall herausgefunden, dass eine Bäckerei nicht nur eine wahnsinnige Auswahl an glutenhaltigen Sachen, sondern auch zwei Sorten von glutenfreiem Baklava anbietet. Also geht es am Sonntagmorgen vor dem Besuch des Galataturmes am Hafen von Karaköy vorbei zu Güllüoğlu. Auf die Frage an den Kassierer, ob wirklich glutenfreie Sachen angeboten werden bekam ich ein „selbstverständlich“ als Antwort. Aber mein Problem: Ich bin äußerst entscheidungsunfreudig und kann nicht sagen, ob ich lieber Baklava mit Pistazie oder Walnuss haben mag. Mein hilfloser Blick verhilft mir dazu, dass mich die Bedienung erst einmal zu sich ruft und mich probieren lässt! Ungläubig frage ich noch „Sie sind sich sicher? Wirklich glutenfrei?“ Und schon beiße ich hinein. Eine krosse Schicht Blätterteig und dann die von Zuckerwasser und Honig getränkten Schichten von Teig und Pistazien. Die Finger kleben, es tropft. Ich bin im Baklavaparadies. Es wird erst an der Kasse bezahlt und dann bekommt man gegen seinen Kassenbon an der Theke seine ausgesuchten Sachen verpackt. Die Bedienung ist großzügig und legt mir noch Extrastückchen in mein Paketchen. Meine Augen strahlen. Ich nehme es an mich, als wenn es ein kleiner Schatz wäre, den ich gefunden habe und der jetzt nur mir gehört. Ich nehme mir vor, ihn bis zu Hause in Deutschland nicht anzurühren und zu bewachen. Aber auch der Versuch scheitert – das Paket überlebt natürlich noch nicht einmal den Tag.

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Wenn die Sonne langsam untergeht, werden die Kellner auf den Straßen aktiv. Ruhig durch die Gassen zu schlendern fällt dann immer schwerer. Das primäre Ziel, ein Restaurant mit glutenfreiem Essen zu finden und die aufgestellten Speisekarten durchzugucken, rückt da eher in den Hintergrund und stellt die innere Gelassenheit etwas auf die Probe. Keiner lässt einen Versuch aus, potentiellen Gästen das Angebot seines Restaurants schmackhaft zu machen – sehr charmant natürlich. So dauert die Restaurantauswahl etwas länger – ich kann trotz meines Hungers nicht einfach griesgrämig weitergehen und habe das Gefühl, mich bei jedem Kellner persönlich zu entschuldigen, warum wir nicht gerade in seinem Lokal essen möchten oder wir erst einmal gerne weitergucken würden. So verquatscht man sich schnell.

Besonders im touristischen Bereich um die großen Moscheen in Sultanahmed wird man auch im Hinblick auf glutenfreies Essen fündig. Zur Sicherheit hatte ich die „Bitte an den Koch“ auf Türkisch dabei. Aber selbst ohne die genaue Beschreibung wusste man in vielen Restaurants Bescheid. Laut den Kellnern wird wohl immer mehr danach gefragt und daher sind sie ein wenig darauf eingestellt. Es gab Hühnchen vom Grillspieß mit Gemüse und Butterreis (Achtung Laktose).

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Auch die Fischstände am Fuße der Galatabrücke sehen verlockend aus. Der Blick im Dunkeln von der Brücke aus ist malerisch mit den Moscheen im Hintergrund. Besonders am Abend herrscht hier Hochbetrieb – aber was Fischbrötchen nun mal an sich haben: Brötchen. Nachdem ich das Treiben etwas beobachtet hatte, war es mir zu heikel, zu fragen, ob es möglich wäre, nur den gegrillten Fisch ohne Brötchen zu bekommen. Die Brote lagen verdächtig nah an den Grillrosten und die Grillzangen sind wahrscheinlich nicht nur einmal mit den Brötchen in Berührung gekommen. Pech für die Fischverkäufer – Glück für den Maronenmann, dem ich noch ein Tütchen mit frisch gegrillten Maronen abkaufe.

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Anna

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