Ein glutenfreier Kurztrip nach Portugal

 

Wie ich in meinen Tipps für eine glutenfreie Reiseplanung beschrieben habe, suche ich immer schon vor einer Reise nach Restaurants oder Bäckereien, die ein spezielles glutenfreies Angebot auf ihrer Speisekarte haben, das ich probieren kann. In Porto ist dieser Plan vorher nicht so ganz aufgegangen. Entweder habe ich nicht genügend gesucht, oder es gibt einfach kein spezielles glutenfreies Restaurant, das man mit seiner Zöliakie besucht haben sollte. Im Kopf schwirrte mir nur herum, dass McDonalds auch in Portugal glutenfreie Burger im Angebot hat. Mit genügend Vorrat, für den Fall, dass ich nichts Glutenfreies  finden sollte, ging es also los.

Ich kann schon direkt zu Beginn sagen, dass ich fast meinen ganzen Hamstervorrat wieder mit nach Hause gebracht habe. Das Brot ist noch eingeschweißt und die Kekse liegen unangebrochen wieder im Küchenschrank. Auch wenn das typische Gebäck wie die kleinen Puddingteilchen Pastéis de Nata, die Spezialität Francesinha und andere Sachen nichts für uns sind, müssen wir keine Angst haben, dass wir gar nichts abbekommen. Alleine von dem Obst, das selbst in den kleinen Tante Emma Läden verkauft wird, könnten wir tagelang satt werden. Von Zitrusfrüchten bis hin zu Mispeln finden wir hier alles, was in der Region angebaut wird.

Ich muss sagen, dass ich mich in Porto sehr gut aufgehoben gefühlt habe. Zur Sicherheit habe ich mir bei Celiactravel die Bitte an den Koch auf Portugiesisch ausgedruckt und immer in der Tasche getragen. Das war auch wirklich hilfreich – wenn es auf dem Markt eigentlich nur noch mit Händen und Füßen bei der Kommunikation weiter ging, konnte man sich gut damit weiter helfen.

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Beim Einchecken im Hotel wurde ich gefragt, ob ich morgens nicht frühstücken wolle, da ich das bei der Buchung nicht angegeben hatte. Ich erklärte, dass ich allergisch sei und mein eigenes Brot bei habe und keine Umstände machen wolle. Ich merke in letzter Zeit immer mehr, dass es mir oft zu anstrengend ist, immer zu wiederholen und zu erklären, was ich alles nicht essen darf. So wähle ich dann meist den einfacheren Weg und nehme mir etwas mit, das ich besonders bei so kurzen Städtetrips morgens schnell essen kann. Aber mit der Reaktion hatte ich nicht gerechnet- sofort wurde die Dame gefragt, die für den Service zuständig ist, ob nicht noch glutenfreie Frühstückssachen da seien. So saß ich dann doch am nächsten Morgen in dem süßen Frühstücksraum mit frisch aufgebackenen Croissants, Gebäck und Cornflakes. Es wurde sich so oft entschuldigt, dass sie keine größere glutenfreie Auswahl hätten – am Morgen darauf gab es dann noch Brötchen dazu. Zur Sicherheit wurde mir auch noch die Verpackung gezeigt, so dass ich noch einmal nachsehen konnte, dass auch keine Laktose enthalten war.

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So ging es dann gut gestärkt zur Stadterkundung mit einer Free Walking Tour, die ich vorher online gebucht hatte. Knapp vier Stunden ging es auf- und abwärts durch die kleinen Gässchen mit wunderschönen Häusern vorbei an den meisten Highlights, die man sich auf jeden Fall bei einem Besuch in Porto angesehen haben sollte. Es lohnt sich wirklich bequeme Schuhe anzuziehen – der Muskelkater ist aber dennoch garantiert! Auch Eugenia, unser Guide, wusste was Gluten ist und konnte immer schon sagen „I’m so sorry, Anna. This is nothing for you“. Obwohl ich immer gerne landestypisches Essen probieren mag, muss ich ehrlich sagen, dass ich gar nicht traurig war, um den Genuss einer Franceshina herum gekommen zu sein – dicke Scheiben Weißbrot, Fleisch und wahlweise noch Schinken, in Soße schwimmend, dick überbacken und mit einem Spiegelei belegt wäre mir dann doch zu speziell gewesen. Manchmal kann man auch froh sein, seine Zöliakie als Ausrede zu haben!

Ein Highlight der Tour war auch ein Besuch der McDonalds Filiale. Von außen eher unscheinbar wäre ich alleine wahrscheinlich eher daran vorbei gelaufen – keine riesige Leuchtreklame, wie man es sonst gewöhnt ist. Im ehemaligen Imperial Café wird immer noch eine nostalgische Atmosphäre ausgestrahlt. Kristallkronenleuchter hängen von der Decke und versetzen einen zusammen mit den verspiegelten Wänden und bunten Motiv-Glasfenstern in alte Zeiten. Während für manch einen die Architektur schon ein Highlight ist, haben Menschen mit Zöliakie doppeltes Glück: Eine bezauberndes Bauwerk und dazu noch glutenfreie Burger!

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Auch in den anderen Restaurants, die ich besucht habe und bei denen von außen Nichts sichtbar in Richtung „gluten free“ oder “sem gluten“ stand, kannte man sich sofort aus. Von meinen beiden Hamburgern noch gut gesättigt ging es in ein Tapasrestaurant, das vorher auf der Stadtrundführung empfohlen wurde.  Ich war mal wieder einfach zu faul nachzufragen, ob ich überhaupt etwas essen kann, so dass ich eigentlich nur etwas trinken wollte, um den ganzen Erklärungen erneut aus dem Weg zu gehen. So bestellte ich nur eine hausgemachte Limonade und erwähnte beiläufig,  dass ich gegen Gluten allergisch sei. Kurz darauf hatte ich eine glutenfreie Speisekarte vor mir liegen, in der markiert war, was glutenfrei, was glutenhaltig war und was als glutenfreie Variante hergestellt werden konnte. Bei so viel Mühe kann man natürlich nicht Nein sagen, so dass die beiden Hamburger noch Gesellschaft von leckeren Tapas bekamen.

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In den Supermärkten bin ich nicht so ganz fündig geworden – vielleicht habe ich einfach nicht den Richtigen gefunden. Zumindest bekam man Maiswaffeln – aber die leckeren Croissants vom Frühstücksbuffet habe ich nirgends gefunden.

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Auf dem Markt von Bolhão habe ich eher durch Zufall ein kleines Reformhaus gefunden. Von außen äußerst unscheinbar gab es ein kleines Regal mit glutenfreien Plätzchen. Wenn einem mal seine Vorräte ausgehen, kann man hier also Nachschub besorgen.  An den anderen Ständen wurden auch viele Nüsse, Trockenobst, Goji Beeren, Obst, Gemüse und eingelegte Sachen wie Gurken oder Oliven angeboten. Auch beim Bäcker sind die Allergene bei den meisten Sachen ausgezeichnet – leider gibt es aber meist keine glutenfreien Leckereien. Zur Erklärung kommt man hier sehr gut mit der „Bitte an den Koch“ auf Portugiesisch weiter. Jeder hatte sofort Verständnis und versuchte gar nicht, einem weiter seine Sachen schmackhaft zu machen. Auch die Dame an dem kleinen Geschäftchen mit Backwaren war es eher peinlich, dass sie mir das alles andrehen wollte. Als ich betonte, dass es für meine Eltern sein soll, packte sie es natürlich gerne ein, gab mir aber durch Fingerzeichen zu verstehen, dass das auf keinen Fall etwas für mich ist.

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Auf dem Weg durch die Stadt habe ich links der Clérigos Kathedrale ein kleines Lokal gefunden, das auch mit glutenfreien Sachen wirbt. Bei meinem ersten Besuch hatte es noch geschlossen, so dass ich am nächsten Tag noch einmal vorbei gelaufen bin. Es gibt Salate und (auch) glutenfreie Crêpes. Aber die Bedienung warnte auch von sich aus vor, dass es eher schlecht für Menschen mit Zöliakie ist, da die glutenfreien Crêpes auf der gleichen Platte wie die glutenhaltigen gebacken werden. Sie suchen momentan aber wohl ein Restaurant und wollen dort dann nur glutenfreie Sachen anbieten. Nicht der einzige Grund noch einmal nach Porto zu kommen!

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Und ohne Portwein probiert zu haben, ist man auch nicht in Porto gewesen. Zwar wird der süße Wein nicht in Porto, sondern auf der anderen Seite des Flusses in Gaia produziert, aber da man bequem zu Fuß über die Brücke laufen kann, kommt es einem so vor, als wenn man noch in Porto wäre. Die zahlreichen Produzenten bieten kleine Touren durch ihre Weinlager an und im Anschluss kann man mit einem bezaubernden Blick über die Stadt mit ihren roten Dächern den ein oder anderen Wein probieren.

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Warst du schon einmal in Porto und hast dich genauso in die Stadt verliebt wie ich? Berichte mir gerne in den Kommentaren davon!


ABOUT THE AUTHOR

Anna

    COMMENTS (2)

  1. Silvan

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    Hi Anna

    Ach ja. Porto ist eine meiner absoluten Lieblingsstadt!!!
    Ich war da bevor ich wusste, dass ich Zöliakie habe. Aber so wie du schreibst ist das eigentlich sogar ein Grund mehr wieder nach Porto zurück zu gehen.

    Tolle Stadt

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    • Anna

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      Oh, dann wäre das bestimmt spannend, die Stadt jetzt noch einmal mit Zöliakie zu besuchen! Aber das ist nicht der einzige Grund, um dort noch einmal hinzufahren. Es ist sooo wunderschön!! Vielen lieben Dank für deine liebe Nachricht! Anna

      Antworten

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