Glutenfrei auf Reisen

Wie verhalte ich mich unterwegs?

 

Es ist eigentlich wie immer im Leben. Mit einer guten Vorbereitung hat man die Aussicht, dass alles problemlos verläuft – ohne Vorbereitung kann es auch schon mal abenteuerlich werden. Aber irgendwie kommt man doch immer durch!

In meinen Tipps für eine glutenfreie Reisevorbereitung habe ich schon in kleinen Schritten beschrieben, wie ich mich vorbereite, wenn es mich mal wieder in die Welt hinaus zieht. Sei es für einen Kurztrip oder eine längere Reise. Mit diesem Hintergrundwissen kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Aber wie verhält man sich dann unterwegs? Wie reagiert man, wenn man nicht ganz sicher ist?

I. In Hotels

  1. Fragen lohnt sich.

Besonders bei Ketten oder größeren Hotels gibt es oft spezielle glutenfreie Sachen – sei es Müsli, eingefrorenes Brot oder Brötchen. Obwohl es nirgendwo steht oder damit geworben wird, horten manche Hotels immer etwas für ihre Allergiker-Gäste.

Interalpenhotel_Tirol

Ich muss zugeben, dass ich in letzter Zeit öfter faul werde, was das Vorbestellen von glutenfreiem Frühstück betrifft. Besonders bei kurzen Städtetrips ist für mich entspannter, wenn ich ein Brot in den Koffer packe und das zum Frühstück einplane. Aber selbst hier gibt es diese „Oh wie toll!“-Momente, selbst wenn man nichts vorbestellt hat und somit auch mit nichts rechnen kann. Wenn man beim Einchecken an der Rezeption erklärt, dass man kein Frühstück aufgrund seiner Krankheit braucht und sie wie selbstverständlich sagen, dass sie immer etwas für Allergiker da haben. In solchen Momenten fühlt man sich verstanden und gut aufgehoben – als wenn man gerade einen Verbündeten gefunden hat, der sich mit seinen  Problemchen auskennt. Besonders süß ist es, wenn von Morgen zu Morgen mehr glutenfreie Brötchen, Croissants oder Kekse den Weg zum Frühstückstisch finden, weil das Hotelpersonal einem eine Freude machen möchte, so wie im vergangenen Monat in Porto.

Ein anderes Erlebnis ist mir auch heute nach 6 Jahren immer noch im Kopf. In Mexico City hatte ich ein tolles Hostel erwischt. Morgens wurde der Tisch liebevoll für jeden Gast gedeckt – es gab Brötchen und ganz schön viel andere Auswahl. Für mich blieb irgendwie nur Rührei übrig, das ich essen konnte, was in meinen Augen völlig ok war, da ich mich da eigentlich schon dran gewöhnt hatte und meine Brotvorräte aufgebraucht waren. Da hatte ich aber nicht mit der lieben Küchenfee gerechnet. Als sie hörte, was ich alles nicht essen durfte verschwand sie für 10 Minuten und kam mit noch warmen Tortillas und einem Glas Marmelade wieder – so konnte ich dann auch richtig frühstücken. Was soll ich sagen – in solchen Momenten könnte ich die Welt umarmen und ab und zu kullert mir da sogar ein Tränchen die Wange herunter.

Auch bei manchen Fluggesellschaften lohnt es sich auch auf Kurzstrecken, nach einem glutenfreien Snack zu fragen. Manche Stewardessen gucken einen oft noch fragend an, aber bei der Swissair könnt ihr Glück haben und noch einen glutenfreien Qunioa-Salat ergattern. Auch Ryanair hat mich in der Beziehung überrascht. Im Boardheft ist jedes Lebensmittel mit seinen Allergenen ausgezeichnet. Für uns bleibt zwar nicht viel übrig – aber zumindest wurde sich hier die Mühe gemacht, alles zu deklarieren.

Boardheft_Ryanair

  1. Sprecht mit dem Koch.Sollte das Servicepersonal unsicher wirken, dann fragt einfach, ob es möglich ist, kurz mit dem Koch zu sprechen. Oft wissen sie schon, was Gluten überhaupt ist und welche Gerichte ihr problemlos essen könnt. Wer soll sonst besser wissen, was im Essen enthalten ist, als der, der es zubereitet? Oft ist es auch möglich, dass euch Gemüse oder ein Stück Fleisch nur mit Salz und etwas Pfeffer in einer sauberen Pfanne gemacht wird, damit man nicht besorgt etwas vom Buffet essen muss, bei dem man sich nicht ganz sicher ist. Gerne geht der Koch auch mir euch das Buffet ab und kann Hinweise zu jedem Gericht geben.
  2. Vertraut nicht blind.Dass glutenfreie Dinge vorhanden sind, bedeutet noch nicht automatisch, dass diese ohne Kontamination auf eurem Teller oder in eurem Bauch ankommen. Versichert euch, wie das Brötchen oder der Toast aufgebacken werden. Es bringt nicht viel, wenn ein eigentlich glutenfreies Brötchen in den Krümeln von glutenhaltigen Backwaren oder im gleichen Toaster aufgebacken wird. Auch, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr dem Personal tierisch auf den Nerv mit eurem Nachfragen geht – fragt weiter. Ihr seid diejenigen, die später flach liegen und den Tag nicht genießen werden.

Hilfreich kann es hier auch sein, Toastbags oder ein paar Stücke Backpapier bei zu haben.

Besonders glücklich bin ich immer, wenn es Brötchen gibt, die in ihrer eingeschweißten Plastikverpackung aufgebacken werden können und diese dann auch noch verschlossen zum Tisch gebracht werden.

Bei Brotscheiben frage ich immer ganz explizit danach, ob sie vielleicht in einer sauberen Pfanne angeröstet werden können, damit keine Toasterkrümel oder sonst etwas daran kommen.

Gebt auch am Buffet Acht. War der Löffel für die glutenfreien Sachen vielleicht gerade schon einmal in den Nudeln nebenan? Oder hat der Gast vor euch mit seinen Brötchen eine Krümelspur auf dem Buffet hinterlassen? Wurde der Löffel für die Croutons auch schon für andere Salatzutaten benutzt? Haltet einfach die Augen offen, wie auch andere Gäste mit den Lebensmitteln und Bestecken am Buffet umgehen.

Fruehstueck_Riga

  1. Seid nachsichtig.Ich weiss, wie schwierig es manchmal ist, geduldig zu bleiben. Das ein oder andere Mal wäre ich selbst gerne schon durch die Decke gegangen. Man fühlt sich so unverstanden und machtlos. Aber wenn jemand noch nie etwas von unseren Leiden gehört hat, ist es wahrscheinlich ganz normal, dass komisch reagiert wird. Für uns ist essentiell, dass auf jedes kleine Detail geachtet wird. Für andere gelten wir schnell als pingelig, nörgelnd und anstrengend. Meist erwähne ich schon gar nicht mehr, dass ich zusätzlich zu meiner Zöliakie auch noch eine Laktoseintoleranz habe und auch auf Soja verzichten sollte.

Versucht einfach die Rollen in Gedanken zu tauschen – wie würdet ihr reagieren, wenn ihr noch nie etwas von Zöliakie gehört hättet? Würdet ihr euch nicht auch wünschen, eine Chance zu bekommen, dass euch die betroffene Person erklärt, warum sie all diese essenstechnischen Verhaltensregeln runterrattert? Setzt auf Verständnis – wenn ihr entspannt und lieb fragt, ist es wahrscheinlicher, dass man eure (notwendigen) Wünsche gerne erfüllt oder sich zumindest mehr bemüht. Manchmal hilft es auch, die drastischen Auswirkungen aufzuzählen, die uns drohen, wenn wir das Falsche essen –  erwähnt ruhig, dass die falsche Ernährung für uns nicht „nur“ einen Tag Bauchschmerzen bedeutet, sondern, dass man auf lange Sicht auch mit Krebs rechnen muss. Da werden viele schon nachsichtiger und vorsichtiger.

glutenfreie_Waffeln_Berlin

II. Märkte/Restaurants

  1. Auswahl checken.

Es lohnt sich immer, vorher einen groben Eindruck zu verschaffen, was überhaupt angeboten wird. So kann man schnell eingrenzen, ob es sich lohnt, an einem Stand länger zu verweilen und das Angebot unter die Lupe zu nehmen.

Auch wenn es rein theoretisch glutenfreie Dinge an einem Stand gibt, müssen wir erst einmal rausfinden, ob noch andere Sachen z.B. im selben Wok gegart oder auf demselben Grillrost gegrillt und diese danach nicht unbedingt blitzeblank geschrubbt werden. So ist es für mich auch wichtig, auf einen gewissen Hygienestandart zu achten. Wenn es völlig schmuddelig ist, würde mir auch als Normalessender der Hunger vergehen. So musste ich manchmal auch gar nicht mehr fragen und herausfinden, ob das Essen glutenfrei gewesen wäre.

Restaurant_Gambia-2

Aber sicher ist auch, dass wenn ich mich erst einmal entschieden habe, einem Stand zu vertrauen und später keine Magenkrämpfe haben, dass ich für die Dauer meines Aufenthaltes immer wieder kommen werde. Stammkundin auf Zeit quasi.

  1. Habt keine Scheu zu fragen. Ihr seid euch nicht ganz sicher, ob es wirklich glutenfrei ist? Habt keine Angst zu fragen. Meist dürft ihr auch gerne die Etiketten der Zutaten durchgucken – manchmal wird man auch überrascht. Positiv oder negativ.

Auf Mauritius konnte ich der Köchin an einem Strandkiosk die ganze Zeit über die Schulter gucken, während sie die Garnelen zubereitet hat. Zusammengequetscht auf 1,5×1,5 Metern war das eine ganz schön kuschelige Angelegenheit. Zur Sicherheit wurden die Pfannen und Utensilien vorher noch einmal richtig geschrubbt und beim Kochen wurde bei jeder Zutat erst einmal gefragt, ob ich es essen dürfte, bevor es im Topf gelandet ist.

In Restaurants könnt ihr auch euer Glück versuchen und nach speziellen Allergikerkarten fragen. Hier wurde ich auch bei meinem letzten Kurztrip nach Porto überrascht. In der Annahme, dass ich wahrscheinlich eh nichts außer Salat essen dürfte, bestellte ich nur etwas zu trinken und sagte dem Kellner eher beiläufig,  dass ich allergisch sei. Und zack,  hatte ich eine Karte vor mir liegen, in der per Hand liebevoll die glutenfreien Gerichte markiert waren.

Es lohnt sich also auf jeden Fall zu fragen und über die Krankheit zu sprechen – nur so bekommen wir auch einen Teil von den ganzen Leckereien ab!

Garnelen_Mauritius

glutenfreie_Pizzakarte_Aachen

  1. Bitte an den Koch zur Sicherheit nochmal rauskramen und fragen.

Auch wenn explizit mit glutenfreien Sachen geworben wird, fragt am besten zusätzlich noch einmal nach. Vom Grundgedanken her ist es ja toll, wenn z.B. in einem Deli glutenfreie Crêpes angeboten werden – aber wenn sie auf der gleichen Platte gemacht werden, wie die aus Weizenmehl, hat sich das für uns auch schon wieder erledigt. Ich habe die Erfahrung gemacht,  dass Restaurants oder Cafés, die mit „glutenfrei‘“ werben sich mit der Thematik schon etwas auseinandergesetzt haben und ihnen auch das Wort Kontamination nicht fremd ist. Manchmal muss man aber auch feststellen, dass das Werben mit glutenfreien Leckereien eher ein Modebegriff ist und die Anbieter nicht ganz genau durchblicken. Hier müssen wir noch einmal deutlich machen, dass für uns wirklich kein Spürchen Gluten enthalten sein darf.

Zur Sicherheit kann da die Bitte an den Koch auf der jeweiligen Landessprache weiterhelfen!

glutenfreie_Pommes_Bruessel

  1. Am Ende gilt aber immer noch: Bei Unsicherheit lieber verzichten.

Wenn ihr schon ein unsicheres Gefühl habt und meint, dass der Koch euch gerade nur erzählt, dass das Essen glutenfrei ist, damit er seinen Umsatz steigert, dann lasst bitte die Finger davon! Das fällt manchmal sehr, sehr schwer. In vielen Ländern besteht einfach noch kein Bewusstsein für unsere Krankheit. Da gibt es dann oft enttäuschte Gesichter, wenn man auf das Essen verzichtet. Ich versuche in solchen Situationen immer so gut es geht zu erklären, damit man niemanden verletzt. Ein trauriger Blick und der Hinweis, dass man eine Allergie hat, werden meist verstanden. Oder wie soll man mit Händen und Füßen die Anzeichen und Folgen von Zöliakie z.B. an einer Garküche erklären?

Waffel_Bruessel

  1. Gut vorbereitet sein.

    Wenn ihr trotz aller Anstrengung noch nichts gefunden habt, habt ihr als gut vorbereitete Reisende bestimmt morgens daran gedacht, einen kleinen Hamstervorrat in eure Tasche zu packen.

 

Ich gebe zu, dass das alles für manch einen paranoid oder wie ein Drehbuch für eine Folge „Monk“ klingt. Ich kann es verstehen. Wäre ich selbst nicht betroffen, würde sich das in meinen Ohren auch alles krankhaft anhören. Aber das ist es ja eben auch: Eine Krankheit. Eine, die von jedem Betroffenen viel Disziplin, Ausdauer und öfter auch Verzicht fordert.

Was sind eure Tipps für unterwegs? Ich bin gespannt! Schreibt mir gerne in den Kommentaren davon!


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Anna

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  1. Pingback: Mit Bloggerin Anna Greta Glutenfrei um die Welt - Bloxbook

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