Mittsommer in Kopenhagen, Dänemark

Von Stoffhexen auf Scheiterhaufen, Lagerfeuern und großartigen Erinnerungen

Die Sonne blinzelt durch die Wolken, fast türkis strahlt an einigen Stellen der Himmel durch die Wolkendecke. Riesige Fährschiffe sehen so aus, als wenn sie ruhig unter mir im Wasser liegen. Die weißen Streifen hinter ihnen verraten, dass sie doch mit ganz schön viel Dampf unterwegs sein müssen. Das Meer scheint wie ein Motivteppich mit den gleichmäßigen Wellen. Ich bin im Landeanflug auf Kopenhagen und kann meinen Blick gar nicht vom Fenster lösen. Das Flugzeug macht eine Schleife und da taucht auch die Öresund-Brücke in der Ferne auf. Wie eine dünne Schnur zieht sie sich durch das Meer. Die Ärmchen der vorgelagerten Schäreninseln ragen ins Wasser. Wenige Minuten später setzt das Flugzeug schon auf – Willkommen in Kopenhagen!

Durch einen schwedischen Möbelanbieter meint man immer, dass nur die Schweden das Mittsommerfest Mitte Juni feiern und blonde Mädels mit wunderschönen Blumenkränzen um den Mittsommerbaum tanzen, der mit bunten, flatternden Bändern geschmückt ist. Genau das habe ich bis vor einem Jahr auch gedacht, bis ich Mittsommer in Dänemark erlebt habe. Am Vorabend des Johannistags wird in Dänemarkt das Sankt-Hans-Fest gefeiert, das hier eigentlich gar nicht Missommer, sondern „Sankt Hans Aften“ heißt. Blumenkränze trägt hier niemand. Und auch Mittsommerbäume sieht man keine.

Dafür werden den Tag über Feuerstellen und Scheiterhaufen aufgetürmt, um die Mittsommerfeuer am Abend zu entzünden. Auch wenn die Zeit der Hexenverbrennung lange zurück liegt, werden am Sankt Hans Abend smybolisch die Hexen mit ihrem Besen nach Blocksberg geschickt und somit die bösen Kräfte verscheucht.

Besonders in Wassernähe werden viele Feuer angezündet – so zieht es uns zum Meer. Für mich ist es immer etwas Besonderes, wenn es heißt: „Es geht zum Meer“. Diese innere Vorfreude, wenn man aus der Bahn oder dem Auto aussteigt, die Seeluft schon in der Nase hat, das Rauschen immer lauter wird, aber man das Wasser noch nicht sieht.

Wir sehen aus, als wenn wir eine Großfamilie zu versorgen hätten, als wir mit unseren vollgepackten Tüten aus dem dritten abgeklapperten Supermarkt treten. Mit frischem (glutenfreiem) Brot, Erdbeeren, Lachs, Gemüsechips, Oliven, Olivenhumus und dem obligatorischen dänischen Bier, bzw. Cider geht es in Richtung Metrostation. Wir sind nicht die Einzigen, die sich auf den Weg zum Strand an diesem Tag machen. Pärchen, Cliquen und Familien ziehen mit ihren Picknickdecken, Grills und Essensvorräten in Richtung Amager Strand um den Sankt Hans Nachmittag- und Abend mit Blick aufs Meer zu genießen. In den Dünen mit Schilf im Rücken sucht sich jeder sein lauschiges Plätzchen und macht es sich bequem. Aus der Ferne hört man Musik – je nach Windrichtung mal leiser oder lauter. Der Amager Strand liegt einen Katzensprung von Kopenhagens Innenstadt entfernt und kann super bequem mit der Metro erreicht werden.

So verbringt man gemütlich das ein oder andere Stündchen, quatscht über Gott und die Welt und sieht den Wellen zu, die auf den Strand rollen. Natürlich bekommen wir nicht alles aufgegessen – so werden wir morgen noch einmal davon satt. Wie auf einer Pilgerung schließen wir und dem Menschenstrom an, der durch die Dünen zieht, um ab 21 Uhr das große Feuer am Strand zu bestaunen. Nach wenigen Metern kommen uns aber immer mehr Menschen wieder entgegen. Als wir gerade angekommen sind, verstehen wir auch warum. Fiese dicke fette Regenwolken ziehen auf – in Null komma nichts ist es düster wie tief in der Nacht. Von wegen es bleibt an Mittsommer länger hell! Schnell stellen wir uns noch unter, bis der Regen dann auch direkt ein Gewitter im Schlepptau hat.

So fällt an diesem Sankt Hans Fest das Feuer im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Aus unserem Unterstand sehen wir in Form von Rauchschwaden nur den kläglichen Versuch trotz des Wetters das Feuer anzubekommen. Aus der Vorfreude für das Lagerfeuer wird immer mehr die Hoffnung, dass das Gewitter endlich weiter zieht und die Blitze nicht gerade in der näheren Umgebung einschlagen. So bleibt wohl an diesem Sank Hans-Fest die ein oder andere Stoffhexe verschont und wird vielleicht erst im kommenden Jahr nach Blocksberg geschickt.

 

Wart ihr schon einmal zu Mittsommer in Kopenhagen oder Skandinavien und seid in Schweden um den Midsommarbaum getanzt? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

 

Hier könnt iht von meinen glutenfreien Erlebnissen in Kopenhagen und auf der Papierinsel lesen – über die Suchfunktion findet ihr auch noch andere Artikel über Kopenhagen.

 


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Anna

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