Wow-Momente, für die sich das Reisen mit Zöliakie lohnt

Wenn ich über meine Reisen mit Zöliakie nachdenke, denke ich im Nachhinein Gott sei Dank vor allen Dingen immer an die positiven und tollen Momente, die ich gerade wegen der Erkrankung erleben durfte. Wie ihr spätestens seit dem Blogartikel in der vorletzten Woche wisst, kann mit der glutenfreien Ernährung unterwegs auch manchmal so einiges schiefgehen. Aber wie es so oft im Leben ist, bleiben einem besonders die schönen Momente im Gedächtnis, an die man auch gerne noch Jahre später zurückdenkt. Diese Momente, die einem automatisch ein Lächeln ins Gesicht zaubern und sofort einen Platz im Herzen gefunden haben! Meist sind sie so besonders, weil man niemals mit ihnen gerechnet hätte. Und erwartet hätte man sie schon gar nicht!

Mit der Zeit bin ich recht genügsam geworden, was das Essen unterwegs angeht. Klar werde ich manchmal unausstehlich, wenn ich hungrig bin und ja, irgendwann hängt mir Reis auch mal zu den Ohren raus, wenn er wochenlang das Einzige ist, was man problem- und sorgenlos essen kann. Aber ich weiß auch genau, dass es irgendwann wieder etwas Tolles gibt – und wenn es ein riesiger Stand mit leckerem Obst ist!

Meine Wow-Momente habe ich immer dann erlebt, wenn ich nicht damit gerechnet  oder mich schon genau auf das Gegenteil eingestellt habe. Oder mich innerlich schon längst mit der Situation angefreundet hatte, dass es für mich nichts geben wird. Dann sind es die Menschen, die mit ihrer Reaktion ein dauerhaftes Strahlen in mein Gesicht zaubern können. Oftmals haben sie noch nie zuvor etwas von Gluten oder gar Zöliakie gehört. Sie schenken einem aber ihre Zeit und hören genau zu, was man essen darf und was eben nicht. Und das, was die daraus machen, wird ganz oft zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Ich habe euch meine vier Highlights zusammengestellt, an die ich teilweise nach ganz schön langer Zeit immer noch gerne zurückdenke!

1. Hostelfrühstück, Mexico City

Meine erste tolle Erfahrung, an die ich immer noch gerne zurückdenke, habe ich damals in einem kleinen Hostel in Mexico City gemacht. Über Silvester habe ich eine Freundin besucht, die ihr Auslandsjahr in Mexico verbracht hat. Sieben Jahre ist das nun bald schon her! Zusammen haben wir Yucatan und Chiapas erkundet, sind auf Mayaruinen geklettert und haben die Füße in den weißen Puderzuckerstrand der Karibik gebuddelt. Vor meinem Rückflug nach Deutschland habe ich mich noch knapp eine Woche lang durch Mexico City treiben lassen. Hach, was war ich verliebt in diese Stadt! Und wenn ich so darüber nachdenke, ist dieses Gefühl nie verflogen! Für die Zeit habe ich in einem kleinen Hostel in Coyoacan gewohnt – quasi in Frida Kahlos Nachbarschaft.

Nachdem ich auch am zweiten Morgen nur etwas Rührei genommen habe, wurde die Haushälterin stutzig, die sich so viel Mühe bei der Zubereitung des Frühstücks gegeben hat. Warum esse ich nur so wenig? Schmeckt es mir nicht? Nachdem ich ihr erklärt hatte, was eigentlich mein Problem ist, verschwand sie kurz und kam mit einem breiten Grinsen und einem kleinen Paketchen in der Hand zurück. Schnell ist sie zur Tortilleria gelaufen und hat mir frische Maistortillas besorgt. Und was soll ich sagen: Tortillas mit Marmelade zum Frühstück sind der Wahnsinn!

2. School for Life, Chiang Mai, Thailand

2015 ging es für einen Monat nach Thailand. Hier habe ich drei Wochen lang der Zeit in der School For Life in der Nähe Chiang Mais verbracht. Hier leben ca. 120 Kinder aus teilweise ärmsten Verhältnissen in Familienverbünden zusammen und bekommen die Möglichkeit, die Schule zu besuchen und haben Menschen um sich herum, die sich um sie kümmern. Um uns herum gab es nur Regenwald und Reisfelder. Manchmal stand ich morgens vor meinem Badezimmerfenster und konnte kaum glauben, wie wahnsinnig grün es einfach ist!

Mein Gefühl war nicht das beste, als ich mit meiner Bitte an den Koch in Thai zur Schulküche ging, in der drei Mal täglich unser Essen zubereitet wurde. Ob sie wohl Verständnis für meine Sonderwünsche haben? Bin ich dann der verrückte Farang, der gerne eine Extrawurst hätte? Einerseits war mir etwas mulmig zumute, andererseits hatte ich aber auch einfach ein schlechtes Gewissen, dass ich nun auch noch mehr Arbeit machen würde. Als wenn es nicht schon genug Aufwand wäre, für 120 Kinder, Lehrer und andere Angestellte zu kochen! Ich hätte wirklich verstanden, wenn man da auf mich einfach keine Rücksicht hätte nehmen können – innerlich hatte ich mich schon auf drei Mal Reis am Tag eingestellt!

Während ich noch in der Küchentür stand, wurde mein kleiner Zettel mit der Bitte an den Koch an die Wand gepinnt und von da an immer eine Extraportion Glutenfreies gezaubert. Als wenn es selbstverständlich ist. Zwischendurch wurde immer mal wieder nachgefragt, ob ich dieses oder jenes essen kann. Klar gab es meist Reis. Und Ei. Viel Reis und Ei! Aber soweit es ging, wurde mal mit Reisnudeln, Obst und Gemüse Abwechslung auf den Teller gebracht. Während sonst eigentlich die Fisch- und oft auch Sojasoße zu jedem Gericht dazu gehört, wurde sie bei mir einfach weggelassen. Ok, die Chiliflocken Gott sei Dank auch!

Ich muss heute noch strahlen, wenn ich daran denke, wie zu jeder Mahlzeit mein eigener kleiner Teller fertiggemacht wurde, oder er schon auf meinem Platz stand, wenn ich ein bisschen zu spät zum Essen kam.

3. Gastfamilie in Kathmandu, Nepal

Ebenso gerne denke ich an meine Gastfamilie in Nepal. Bevor es 2016 zum ersten Mal nach Kathmandu ging, habe ich meiner Gastmama auch eine lange Mail geschrieben und erklärt, auf was ich alles verzichten muss und wie mein Essen zubereitet werden müsste. Die Mühe, alles im kleinsten Detail zu beschreien, hätte ich mir im Nachhinein wahrscheinlich gar nicht machen müssen. Die Antwort kam schnell: Ach Anna, keine Sorge, einer meiner Söhne ist Arzt und ich habe schon mit ihm gesprochen, wie wir dich satt bekommen!

Nach dieser Mail ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, aber trotzdem verlässt einen dieses misstrauische Gefühl ja meist nicht bis zu diesem Zeitpunkt, wenn man das erste Mal etwas (wirklich hoffentlich Glutenfreies) zu essen bekommt und sieht, wie alles zubereitet wird.Was soll ich sagen? So abwechslungsreich wie dort, esse ich wahrscheinlich noch nicht einmal zu Hause. So viele verschiedene Formen von Reis kannte ich vorher auch noch nicht! Beaten Rice, Puffed Rice! Süß oder herzhaft zubereitet. Tag für Tag kamen neue Sachen auf den Tisch, so dass ich schnell auch meine Lieblingsgerichte gefunden habe, die ich mir wieder gewünscht habe, als ich in diesem Jahr wieder zu Besuch war.

Meine Gastmutter hatte mich meist im Auge, wenn es Essen gab und kannte schon nach wenigen Tagen meinen kritischen „Ist das wirklich glutenfrei“-Blick. Ich werde nie ihr verschmitztes Lächeln vergessen, wenn sie mir zugenickt und zu verstehen gegeben hat, dass ich das wirklich essen kann und sie mich schon nicht vergiften wird.

Selbst hergestelltes Reisbier ist auch glutenfrei! Der Geschmack: Gewöhnungsbedürftig!

Während ich sonst ganz gerne meine Zöliakie auch mal als Ausrede nutze, um so manch fieses alkoholisches Getränk nicht trinken zu müssen, kannte sich meine Gastfamilie aber (leider) in der Hinsicht auch bestens aus! So wussten sie genau, was ich trinken kann und was nicht – da fiel es schnell auf, wenn ich mich vor einer Runde drücken wollte und geflunkert habe! Ich sehe heute noch meinen Gastbruder in den ersten Tagen mit einer Tüte voller grüner Somersby-Flaschen durch die Tür kommen. Mit einem breiten Strahlen „Anna, I know you can drink that!“ streckte er mir die Ciderflasche entgehen. Was soll ich sagen: Cider und ich werden nie die besten Freunde!

4. Glutenfreier Bäcker, Pokhara, Nepal

Ein Wochenende in Pohkara, ca. 200 km westlich von Kathmandu, stand an. In den Tagen vorher habe ich beiläufig durch einen Flyer geblättert. Hotels, alle mögliche Aktivitäten, Restaurants, Paragliding, Tagesausflüge und Treckingtouren im Annapurnagebirge reihten sich aneinander. Ein bisschen erinnert es mich an Daumenkino von früher, wie ich das Heftchen durchgeblättert habe. Kennt ihr das noch? Und zack – da war doch was mit „Glutenfree“! Ein paar Seiten zurück versteckte sich eine kleine Anzeige einer glutenfreien Bäckerei!

Das kleine Café liegt etwas versteckt zwischen Bambus und Bananenstauden am nördlichen Ende der Lakeside, ein bisschen fernab des ganzen Trubels, der besonders zur Hochsaison in Pokhara herrschen kann. Aber mit der Aussicht auf glutenfreie Sachen, legt man doch freiwillig einige Meter mehr zurück!

Mahdav, der Inhaber steht hinter der Theke. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Wo ich herkomme? Deutschland. Und zack, beginnt er auf Deutsch mit mir zu reden! Er hat damals seine Bäckerlehre in Deutschland gemacht und da sie Ideen für die glutenfreien Sachen bekommen. Ein wenig perplex stehe ich in einer kleinen nepalischen Bäckerei am Fuße des Annapurnagebirges und lasse mir auf Deutsch das glutenfreie Angebot an Muffins und Baguettes erklären. Verrückt oder? Ich werde den Moment nie vergessen, als Mahdav mit dem frisch belegten Baguette aus der Küche kommt und mir auch noch die Sorgen von den Augen abliest und sofort erwähnt, dass die Mayonnaise selbst gemacht und natürlich auch glutenfrei ist!

Ja, solche Erfahrungen machen für mich typische „Wow-Momente“ aus! Wenn man gar nicht mit ihnen rechnet und sie einen dementsprechend noch mehr überraschen, als wenn man es schon erwartet hätte. Wer rechnet schon mit einem glutenfreien Bäcker irgendwo im Nirgendwo, der einen versteht und wirklich schon einmal etwas von Zöliakie gehört hat?

 

Hattet ihr unterwegs auch schon mal so einen tollen „Wow-Moment“, an den ihr immer noch so gerne zurück denkt? Berichtet mir gerne in den Kommentaren davon!

Eure Anna

 


ABOUT THE AUTHOR

Anna

    COMMENTS (2)

    • Anna

      ()

      Liebe Sita,
      vielen, vielen herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar! Da habe ich mich wirklich sehr drüber gefreut!

      Ganz liebe Grüße
      Anna

      Antworten

Magst du mir einen Kommentar dalassen? Ich würde mich freuen!