Und dann war da noch die Bimmelbahn…

Mit der nostalgischen Linie 1 bis an den Strand von Foz do Douro

 

Bei einem Städtetrip denkt man selten an den Strand – hängt wahrscheinlich schon mit dem Namen zusammen. Aber in Porto ist das anders – die süße Stadt kann nämlich beides. Stadt und Strand.

Ich sitze vor einer Kathedrale (nicht so selten in Porto) und warte, dass sich die hölzerne Bahn krächzend um die Kurve schiebt. Mit einem Waggon ist sie recht überschaulich – und damit auch ihre Plätze. Die kleine Traube an Menschen wird nervös, als sich etwas auf den Schienen tut. Die kleine sandfarbene Bahn kommt den kleinen Hügel empor und spuckt zunächst die Fahrgäste aus, die sie mitgebracht hat. Der Fahrer steigt aus und an der anderen Seite wieder ein, damit wieder es in entgegengesetzter Richtung weiter gehen kann. Dass sich die Leute gegenseitig nicht weg schubsen, wundert mich dann doch irgendwann, so wuselig wird es, wenn es heißt „alle einsteigen“. Beim Fahrer wird gezahlt und wer Glück hat, bekommt noch einen Sitzplatz am Fenster in Flussrichtung. Kathedrale_Franziskus_Porto

Cognacfarbene Ledersitzbänke, dunkelbraune Holzvertäfelung an den Seiten und zierliche weiß lackierte Holzsparren an der Decke, die liebevoll in Schuss gehalten werden, Scheiben, die krächzend per Hand hochgeschoben werden können, damit etwas frische Luft bei all den Leuten hereinkommen kann. Eine Schnur ist von vorne bis hinten gespannt – wenn man zwischendrin aussteigen mag, könnte man daran ziehen. Macht aber keiner, weil wahrscheinlich alle das gleiche Ziel haben: Ab an den Strand.

Tram_Porto

Tram_Porto_Endhaltestelle

Hier und da hält das Bähnchen auf dem Weg entlang des Flusses Douro an, um noch ein paar Gäste aufzunehmen. Ruckartig geht es nach jedem Stopp weiter. Gelächter geht immer wieder durch die Bahn, weil sich wahrscheinlich jeder über sich selbst lustig macht, dass er bei jedem Anfahren fast aus dem Gleichgewicht gerät und auf die Nase fällt. Die Portweinkellereien in Gaia am gegenüberliegenden Ufer ziehen vorbei.

Das Wasser des Flusses wird unruhiger und bald sind die ersten Wellen zu sehen, die gegen die Wellenbrecher stoßen, die in der Flussmündung aufgebaut sind. Meterhoch spritzt das Wasser in den blauen Himmel. Die ersten Palmen tauchen auf und das bisherige Stadtpanorama weicht dem typischen Strandbild. Eine Allee mit Palmen zeigt den Weg zum kleinen Leuchtturm, den wahrscheinlich jeder als erstes besucht, der von Porto aus kurz an den Strand von Foz do Douro fährt. Männergrüppchen glucken zusammen und spielen im Schatten der kleinen Strandkioske Schach. Fischreusen liegen hier und da am Wegesrand und warten auf ihren nächsten Einsatz. Die Luft ist salzig und die Sonne scheint einem entgegen, so dass man blinzeln muss.

Meer_Porto_Foz_do_Douro_Leuchtturm

Und da steht er – der Leuchtturm. Bewacht von hohen Wellen auf einer kleinen aspahltierten Landzunge, die ins Meer reicht. Parallel dazu gibt es noch einen längeren Asphaltsteg, der ab und zu von der ein oder anderen Welle überflutet wird. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie Schnick Schnack Schnuck-Spielen mit dem Meer – werde ich nass, oder schaffe ich es vor der nächsten Welle? Hier und da hört man ein verzweifeltes Frauenkreischen, wenn das Wasser wieder mal schneller war, als gedacht. Zwei Altenpflegerinnen sitzen mit einem Grüppchen an der Promenade – mancher hat die Augen geschlossen und den Kopf in Richtung Sonne gerichtet und es scheint, als wenn er ein Nickerchen macht. Die anderen quatschen und lächeln um die Wette. So möchte ich auch meine Tage verbringen, wenn ich einmal alt bin. Mit lieben Menschen am Meer sitzen und die Sonne genießen.

Meer_Porto_Foz_do_Douro

Es gibt bestimmt idyllischere Orte am Atlantik, aber für ein paar Augenblicke ist es ganz angenehm, etwas die Wellen zu beobachten, die ihr Spiel mit den Besuchern spielen, die Stadt hinter sich zu lassen und den Leuchtturm zu sehen.

Leuchtturm_Porto_Foz_do_Douro

Einige 100 Meter geht es am Strand entlang. Der Sand ist grobkörnig bis steinig und scheint von einem satten Gelb bis Orange. Paare gehen mit ihren Hunden spazieren, ein Ehepaar sammelt besonders schöne und im Wasser glänzende Steine, um zu Hause Deko daraus zu basteln. Vitor ist mit seinen Freunden da. Braun gebrannt verbringen sie einen Großteil ihrer freien Zeit hier am Wasser und mit einem Spiel, das mich an Boule erinnert. Sie winken – anstatt das Meer zu fotografieren, soll ich doch Fotos von ihnen machen. Ein wirklich lustiges Ründchen.

Strand_Porto_Foz_do_Douro

Meer_Porto_Foz_do_Douro-2

An einer Felsformation kann man zur Ruhe kommen. Weit und breit keine Spaziergänger. Treibholz liegt herum – und damit natürlich auch Plastikmüll, der den Weg übers Meer zurück an Land gefunden hat. Trotzdem hat es etwas Friedvolles, wenn man ein wenig aufs Meer starren kann. Wolken ziehen vorüber und ich versuche Tiere und Figuren zu erkennen, wie in der Kindheit. Stundenlang könnte ich hier sitzen und vor mich hin träumen. Aber irgendwann geht es mit dem lokalen Doppeldeckerbus zurück in die Stadt  –  der Hunger siegt doch irgendwann immer. Was es an glutenfreien Sachen in Porto so alles gibt, habe ich in einem meiner letzten Artikel für dich aufgeschrieben.

Porto_Strand

Infos

  • Die Tram No 1 fährt ca. 30-40 Minuten bis an den Strand von Foz do Douro
  • Kosten: 2,50 € pro Fahrt
  • Abfahrt: Igreja de São Francisco am Fuße des Palácio da Bolsa

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Anna

    COMMENTS (2)

    • Anna

      ()

      Ohh, ich hoffe, ihr habt euch genauso in diese wundervolle Stadt verliebt, wie ich es getan habe? Habt ihr es zum Strand geschafft:-)?

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