Ein Tag in Ayutthaya – eine Reise in eine andere Zeit

Wir haben morgens früh. Ich trete vor die Tür. Wie eine Wand schlägt mir die schwüle Hitze entgegen – die Dusche hätte ich mir sparen können.

Per Skytrain geht es zum Demokratie-Denkmal in Bangkok. Es ist Rushour – so wie eigentlich den ganzen Tag und die ganze Nacht. Hupen, Bremslichter, TukTuks soweit das Auge reicht.

Von hier oben aus der Skytrain kann man es schön beobachten. Sie ruckelt laut Fahrplan pünktlich über die Gleise und verschwindet schnell hinter der Kurve, als wenn das ganze Verkehrschaos der Megacity gar nicht da wäre.

Trotz des ganzen Gewusels finde ich den Minivan, der nach Ayutthaya geht, recht schnell. Zum Glück ist er schon gut gefüllt, dass es bald losgehen kann. Im Bus herrscht Stille und die Klimaanlage lässt einen nach ein paar Minuten meinen, dass man doch auf einer Arktisexpedition ist. Ich nicke ein, während der Fahrer sich aus dem hupenden Ameisennest herauskämpft. Regen, der laut auf die Windschutzscheibe prasselt, weckt mich irgendwann. Eben noch versuchte sich die Sonne durch die Smogdecke zu kämpfen, nun schüttet der Regen hinab.

Nach fast 1,5 Stunden stehe ich mit einem Grüppchen an einer Kreuzung – planlos. Wie gut, dass in Thailand auf die TukTuk-Fahrer immer Verlass ist und sie auch da sind, wenn man sie wirklich einmal braucht. Auch mit einer schlechten Verhandlungslage wird über den Preis gefeilscht. Wie gut, dass unser potentieller Fahrer nicht weiss, dass ich nicht der passionierteste Radfahrer bin und nicht auf zwei Rädern die Tempelanlagen erkunden werde, wie es viele machen und somit auf jeden Fall auf seine Fahrkünste angewiesen bin.

Eine Mischung aus TukTuk und Pick-Up.

Eine Mischung aus TukTuk und Pick-Up.

Los geht es – aber nach drei Minuten ist die Fahrt auch schon wieder vorbei – alle aussteigen. Wahrscheinlich ist auch für den Fahrer unsere Verwirrtheit nicht zu übersehen. Keine Sorge! Wir sind 6 Personen und brauchen mehr Platz. Sein Freund hat ein größeres Gefährt! Knatternd brettern wir ein paar Augenblicke weiter über Ayutthayas Straßen. Im Fußraum des Beifahrerplatzes steht eine riesige Propangasflasche. Ich muss zugeben, dass mich das noch nicht mal mehr wundert. Willkommen in Thailand!

Die Stadt ist irgendwie karg und etwas ruhig – vielleicht liegt es am Regen, dass es mir so grau wie bisher keine thailändische Stadt vorkommt. Oder es liegt daran, dass ich die vergangenen drei  Wochen in Chiang Mai und ein paar Tage in Bangkok und auf Koh Samet verbracht habe und da immer etwas los war.

Der erste Stopp – es schüttet wie aus Eimern. Auf Postkarten zeigt uns der Fahrer voller Stolz, wo wir gerade sind. Während sich ein Teil auf die Regenschirme an den Souvenirständen stürzt, wate ich durch die ersten Pfützen mit meinem Regenmantel zum Tickethäuschen. Da erinnere ich mich wieder  daran, dass ich es so fies finde, mit Flip Flops durch den Regen zu laufen. Wenige Augenblicke und Pfützen weiter, stapfe ich schon die Stufen zum Allerheiligsten des Chedis herauf. Eine Schulklasse stürmt mir auf den riesigen und steilen Treppenstufen entgegen. Wie gut, dass die Stufen so hoch sind, dass man sich ab und zu wie an einer Leitersprosse daran festhalten kann.

Reihe_mit_Buddhas_Ayutthaya

Buddha_Ayutthaya

Von oben sieht man die Reihe mit Buddhas, die einem auf vielen Postkarten entgegenstrahlen. In Reihe und Glied stehen sie dort unten und sehen von hier unten aus wie kleine Miniaturfigürchen. Die gelben Schärpen strahlen mit ihrem goldenen Muster trotz des Regens. Behutsam ruht die linke Hand im Schoß und die rechte auf dem Knie. Zum Meditieren sind seine Augen geschlossen, ein Lächeln liegt auf den Lippen. Ich würde wahrscheinlich nicht mehr so entspannt gucken, wenn ich hier im Regen sitzen müsste.

Buddha2_Ayutthaya

Das Wetter lädt nicht gerade dazu ein, lange zu verweilen.  So tuckern wir von Tempelanlage zu Tempelanlage. Von Stopp zu Stopp bekomme ich eine immer bessere Vorstellung, wie es damals ausgesehen haben muss. Nun sind es zwei Welten. Die Moderne und zugegebenermaßen nicht gerade hübsche und die alte Welt, bei deren Bau- und Kunstwerken mir oft die Sprache fehlt.

Auf einmal stehe ich vor ihm. So lange wollte ich es sehen und nun ist er da. Der Buddhakopf, der in einen Bodhibaum eingewachsen ist. Eine ganz schön breite Nase hat er. Eine Luftwurzel wächst weit in sein Gesicht und versperrt ihm ein bisschen den Blick. Das rechte Auge scheint geöffnet, als wenn er blinzeln würde. Vielleicht blinzelt er vor den ganzen Fotos, die Tag für Tag von ihm gemacht werden.

Buddhakopf_Ayutthaya

So sehen wir an diesem Tag viele Buddhas – liegend, sitzend, groß, klein, lächelnd, blinzelnd. Gut und weniger gut erhaltene Chedis, um  deren dicken Bäuche meterlange, gelbe Gebetstücher gebunden sind. Anhand kleiner Miniatur-Rekonstruktionen kann man einen Eindruck bekommen, wie es einmal ausgesehen haben muss. Hinweisschilder verbieten das Klettern auf die alten Chedis und Buddhafiguren – wie traurig, dass offensichtlich noch viele Besucher darauf hingewiesen werden müssen.

Arme Elefanten stapfen über die Straßen. Festlich geschmückt müssen sie faule Touristen von Tempel zu Tempel schleppen. Ich kann kaum hingucken, so leid tun die armen Tiere mir.

Auch die Sonne lässt sich irgendwann mal wieder blicken. Aber natürlich erst dann, wenn wir am vorletzten Tempel sind und unser Fahrer uns bald wieder an der Busstation nach Bangkok hinaus lässt.

Lohnt sich ein Ausflug in die alte Königsstadt?

Ich finde es immer schwierig, jemandem von einem Ausflug zu- oder abzuraten.

Wer an kulturellen Stätten interessiert und von Ayutthaya keinen „Wow-Effekt“ erwartet, der ist hier gut aufgehoben. Wer hier eine Tempelanlage à la Angkor Wat in Kambodscha erwartet, wird hier enttäuscht sein. Um aber eine Vorstellung von Thailands Geschichte zu bekommen, lohnt sich dieser Tagesausflug von Bangkok aus auf jeden Fall – aber in meinen Augen reicht ein Tag auch aus, um die alte Königsstadt zu erkunden. Für mich war es absolut beeindruckend, die alten Tempel (auch wenn sie teilweise nur noch in Fragmenten erhalten waren) bestaunen zu dürfen. Ich sehe heute noch den Stolz in den Augen unseres Fahrers, wenn er einen weiteren Tempel von seiner Postkartengallerie vorstellen konnte.

Für den Markt würde ich hier nicht noch einmal hinfahren – bei meinem Besuch haben sich in den hinteren Gässchen die Ratten die Klinke in die Hand gegeben und Wettrennen gespielt. Und wenn ich einmal dabei bin: Der Floating Market war leider auch ein Griff daneben. Mit dem typischen Floating Market, den man sich vorstellt und wünscht, hat das wenig zu tun. Ein künstlich, für Touristen angelegtes Areal, mit kleinen Verkaufsbüdchen, die auf einem Steg liegen. Die typischen Bötchen sind nur als Dekoration ins Wasser gesetzt worden. Auf Dauerschleife läuft ein kitschiges „Ayutthaya“-Lied, dessen Melodie ich heute noch im Ohr habe. Gegenüber kann man Elefantenreiten, was einem recht penetrant angeboten wird. Eine freundliche Ablehnung stößt auf völliges Unverständnis. Ne, hier kam ich mir fehl am Platze vor – ich bin froh, dass unser TukTuk-Fahrer gewartet hat und uns wieder zurück in die Stadt gefahren hat. Irgendwie schien er nicht überrascht, als wir über eine Stunde früher, als vereinbart wieder zurück wollten.

schwimmender_Markt_Ayutthaya

Wie gut, dass man auf dem Bild nicht die Musik in Dauerschleife hört!

Wart ihr schon einmal in Thailands alter Königsstadt? Wart ihr beeindruckt, oder hat euch der Ausflug nicht aus den Socken gehauen? Berichtet mir gerne in den Kommentaren davon!


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Anna

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