Zero Waste auf Reisen

Tipps für deinen Alltag & nächsten (glutenfreien) Urlaub

Vor ein paar Jahren habe ich einmal eine Doku über Bea Johnson in Kanada gesehen, die den kompletten Müll, den sie in einem Jahr produziert hat, locker in ein Einmachglas stopfen konnte. In der letzten Zeit ist das Thema immer aktueller geworden und auch ich mache mir nicht selten beim Einkaufen und im Alltag Gedanken darum, wie ich zumindest ein bisschen Plastikmüll vermeiden kann.

Natürlich kann man nicht vom einen auf den anderen Tag komplett müllfrei leben – wie man Zero Waste für sich definiert, ist immer noch ein ganz persönliches Ding. Mir ist bewusst, dass ich alleine durch die Nutzung spezieller glutenfreier Produkte niemals komplett auf Plastikmüll verzichten kann – aber ich habe mir nach und nach angewöhnt im Alltag und natürlich auf Reisen kleine Tipps zu berücksichtigen und bewusster mit dem Thema umzugehen.

Während es hier zu Hause ein super funktionierendes Abfallsystem gibt und der Müll für uns so quasi mit Abholung der Mülltonnen unsichtbar wird, wird einem auf Reisen immer wieder vor Augen geführt, wie die Realität eigentlich aussieht. Angeschwemmter Plastikmüll an Stränden und in Flüssen, kleine Müllhäufchen am Straßenrand, die einfach Abend für Abend auf offener Straße verbrannt werden.

Müllentsorgung im Fluss, Gambia, 2014

Prägend war für mich im vorletzten Jahr eine Fahrt abseits der Hauptstraßen in Kathmandu. Um den ganzen Stau zu meiden, sind wir für ein Stück direkt entlang des Bagmatiflusses gefahren – das Flussbett bestand auf beiden Seiten fast nur aus aufgeschüttetem und befestigtem Müll, der sich mit der Zeit mit Erde vermischt hat. Einige Familien haben sich hier Bretterbuden gebaut. Die Kinder spielen direkt daneben. Vögel versuchten noch etwas Essbares zu finden und kreisten Runde für Runde über dieser trostlosen Gegend. Das ist mancherorts nicht selten die Realität, die uns in unserem Alltag oft verborgen bleibt.

Mein prägendstes „Müll-Erlebnis“ der letzten Reisen, Kathmandu, Nepal 2016

Am vorletzten Wochenende habe ich einen Workshop zum Thema Zero Waste besucht. Laura schreibt auf Zero Waste Your Life über ihren Weg in ein Leben ohne unnötigen Plastikmüll und gibt auf ihrem Blog, Instagram und Facebook ihre Tipps an ihre Leser weiter. Durch ihre Beiträge möchte Laura vor allen Dingen das Bewusstsein schärfen und zeigen, wie wir mit einfachen Umstellungen in unserem Alltag schon viel erreichen können.

Während des Workshops hat Laura uns die Aufgabe gestellt, einmal aufzuschreiben, wo wir in unserem Alltag überall Plastikmüll produzieren oder tagtäglich typische Wegwerfartikel nutzen. Mir fällt da besonders mein riesiger Berg an Plastikverpackungen spezieller gluten- und laktosefreier Produkte auf.

Wenn ich nicht auf die speziellen Diät-Produkte verzichten möchte, wird es ganz schön schwierig, diese Mengen an Plastikverpackungen zu vermeiden. Laktosefreie Milch habe ich bisher leider noch nicht in Glasflaschen gefunden und auch bei laktosefreiem Joghurt war ich bei der Suche nach Gläsern bisher erfolglos. Glutenfreies Brot und andere Backwaren müssen ja alleine aus Gründen der möglichen Kontamination gut verpackt sein – da sammelt sich am Ende der Woche schon ein ganz schöner Berg an Verpackungsmüll, den man so generell nicht vermeiden kann, außer komplett auf die speziellen Produkte zu verzichten.

Wenn es außer des Verzichts auf die Produkte hier erst einmal kaum einen Ausweg gibt, den Müll zu vermeiden, gibt es aber trotzdem einige Tricks und Tipps, wodurch man zu Hause in seinem Alltag, aber auch unterwegs auf Reisen zusätzlichen Plastikmüll vermeiden kann, der sonst quasi noch on top käme.

Laura hat mir einige Tipps verraten, die man auch mit Zöliakie oder Unverträglichkeiten auf Reisen problemlos umsetzen kann – da merke ich erst einmal, dass ich auch unterbewusst schon viel mehr Gewohnheiten in meinen (Reise-)Alltag eingebaut habe, als ich gedacht hätte. So habe ich z.B. immer einen Jutebeutel für meine Einkäufe und eine Snackbox oder ein Twistglas für den Reiseproviant dabei, um so unterwegs für Einkäufe und Snacks auf neue kleine Plastiktüten oder Alufolie verzichten zu können.

Zero Waste-Packliste

  1. Jutebeutel

Der Jutebeutel gehört schon seit längerer Zeit auch bei mir zu einem obligatorischen Reisebegleiter: Hier kann man schon bequem für den Flug oder die Reise seine Snacks verstauen, damit sie nicht vereinzelt durchs Handgepäck fliegen. Unterwegs kann man ihn dann immer wieder mit zum Einkaufen nehmen und so auf zusätzliche Plastiktüten verzichten.

  1. Wasserflasche & Coffee-to-go-Becher

Praktisch ist auch eine wiederbefüllbare Wasserflasche – so kann man auf Reisen, wenn man länger an einem Ort bleibt, größere Wasserkanister kaufen und damit seine eigene Flasche immer neu befüllen. Meist ist die Variante zum einen günstiger, als jeden Tag neue Wasserflaschen zu kaufen und man spart ganz schön viel an unnötigem Plastikmüll. Sonst kann man die Flaschen auch oft kostenlos im Hotel oder sehr günstig unterwegs an Kiosken neu befüllen.

Für den Alltag eines Kaffeeliebhabers lohnt sich natürlich auch auf jeden Fall ein wiederverwendbarer Coffee-to-go-Becher – der natürlich auch mit Tee befüllt werden kann😊!

  1. Eigene Brot-/Snackdose

Hier können zum einen schon für die Anreise die Snacks sicher verstaut werden und unterwegs auf Reisen kann man ihn für Tagesausflüge immer wieder neu mit geschnittenem Obst, Gemüse oder gemachten Broten befüllen.

  1. Multibesteck oder Besteck-Etui (Kategorie Profi)

Lauras Besteck-Etui gehört wahrscheinlich schon in die Kategorie Zero Waste-Profi. So hat sie immer wiederverwendbare Strohhalme, ein Besteckset (Achtung, nicht ins Handgepäck!), Stäbchen, Servierte, Minijutebeutel für Backwaren, eine Brotdose in ihrem zusammenrollbaren Etui dabei, so dass sie seitdem unterwegs auf Plastikbesteck verzichten kann.

Die Einsteiger-Variante ist da wohl eher mein 3-in-1-Multibesteck, das praktisch aus einer Gabel, einem Messer und Löffel in Einem besteht.

Lauras Besteck-Etui gehört schon in die Kategorie Zero Waste Profi!

  1. Festes Shampoo/Seife mitnehmen

Zu Lauras Reise-Essentials gehört auch immer ein kleines Blechdöschen mit einem Seifenstück – das spart an Gewicht und macht weniger Probleme, wenn man nur mit Handgepäck reist. UND drei Mal dürft ihr raten: Genau, natürlich spart man sich so wieder die Plastikverpackung des Duschgels.

Tipps für Nachhaltigkeit unterwegs

  1. „Go local“

Laura rät dazu, lieber bei kleinen Händlern zu kaufen, als große Ketten zu unterstützen. Sie hat hier meist die Erfahrung gemacht, dass diese offener dafür sind, ihre verkauften Lebensmittel in mitgebrachte Dosen oder Beutel zu packen, anstatt sie dick in dünne Plastiktüten zu wickeln.

  1. Strohhalme ablehnen

  2. Souvenirs mit Bedacht kaufen

Muss ich für jeden etwas kaufen, nur um etwas mitzubringen, das hinterher nur sinnlos in der Ecke vertaubt oder in den Müll wandert? Hier ist es ratsamer, wenn man lieber etwas Typisches vom Markt wie z.B. Gewürze oder handwerkliches mitbringt.

Tipps fürs Flugzeug

  1. E-Ticket nicht mehr drucken, sondern direkt digital nutzen

Wie heißt es so schön? Kleinvieh macht auch Mist! Bei den meisten Fluggesellschaften nutze ich auch seit längerer Zeit schon die angebotenen Apps, um Tickets bequem aufs Handy zu laden. So muss nichts mehr zusätzlich ausgedruckt werden – super praktisch.

  1. Verschwendet keine Lebensmittel – auch nicht im Flugzeug

Kennt ihr dieses Phänomen, wenn man hungrig einkaufen geht und man später zu Hause Lebensmittel aus seinem Einkaufskorb räumt, als wenn man mehrere Wochen lang eine Großfamilie zu ernähren hätte? Ein ganzer Teil der Sachen landet mit Sicherheit in der Tonne – so ähnlich sieht es auch bei der Kalkulation von Flugzeugessen aus. Pro Fluggast, der vor der Reise kein Special Meal bestellt hat, wird statistisch mehr als ein Menü eingepackt (Quelle: Shia Su von Wastelandrebel hatte das recherchiert und vor Kurzem in ihren Instastories gepostet). Was mit dem Rest, der nicht gegessen wird, passiert, könnt ihr euch sicherlich denken! Sobald wir hier vor dem Flug ein Special Meal bestellen, wird auch nur dieses eine Menü geordert und an Board gebracht. Mit Zöliakie oder anderen Unverträglichkeiten, bzw. Autoimmunerkrankungen machen wir das ja quasi schon automatisch!

 

Vielen lieben Dank an Laura, dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir über dein Herzensthema zu sprechen!

 

Wie sieht es mit euch aus? Was denkt ihr zu dem Thema Zero Waste? Habt ihr euch schon einmal Gedanken dazu gemacht, wie ihr selbst vielleicht (zumindest ein bisschen) weniger Müll produzieren könnt und wendet vielleicht auch schon längst einige von Lauras Tipps an? Habt ihr selbst vielleicht noch zusätzliche Tipps? Berichtet mir gerne in den Kommentaren davon!

 

Eure Anna ♥

 


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Anna

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