Durchatmen im Bayerischen Wald

Eine kleine Auszeit im Lamer Winkel

 

Wenn ich an die Tage im Bayerischen Wald denke, möchte ich am liebsten auf der Stelle zurück. Ich muss zugeben, dass mir nicht unbedingt der Bayerische Wald in den Sinn gekommen ist, wenn ich an ein entspanntes Wochenende fernab des Alltagsstresses gedacht habe. Aber nach einem Wochenende vollgepackt mit großartigen Aktivitäten, unvergesslichen Wanderungen, Radtouren, entspannten Stunden am Pool und in süßen Cafés muss ich sagen, dass ich den Lamer Winkel wirklich in mein Herz geschlossen habe. Und ja, es schaffen nicht viele Orte, einen Platz auf meiner „Da muss ich noch einmal hin“-Liste zu ergattern: Lam hat es auf jeden Fall geschafft! Besonders im Winter stelle ich mir die Landschaft hier wunderschön vor – wie ein gemütliches Winterwonderland.

Ich bin schon auf der Hinfahrt verzaubert, als ich an weiten Wiesen vorbei, durch kleine Orte mit Kirchen mit Zwiebeldächern fahre. Teilweise führt mich die Strecke durch Teile des Bayerischen Waldes, über kleine Bäche und kleine Flüsschen. Aus den Kaminen der Häuser steigt der Rauch wie Zuckerwattewolken auf.

 

Ausflüge und Aktivitäten, die ihr auf keinen Fall im Lamer Winkel verpassen dürft

E-Bike Tour zum kleinen Arbersee mit Stopp an der Hindenburgkanzel

Am Samstagnachmittag bin ich um 16 Uhr mit dem Guide Andreas zur E-Bike Tour verabredet. Unser Ziel: Der Kleine Arbersee. Auf dem Rad geht es ortsauswärts aus Lam in Richtung Lohberg ca. 10 km zum See.

Um die Uhrzeit haben wir Glück – die vorletzte kleine Bimmelbahn, die die Tagesbesucher wieder zurückbringt, kommt uns schon unterwegs entgegen. Ich bin froh, als wir kurz halten, um Platz zu machen – einige Augenblicke Zeit, um durchzuatmen. Puh, um ehrlich zu sein, hätte ich mir das Ganze nicht so sportlich vorgestellt. Zwischendurch fühle ich mich so, als ob ich gleich einfach vom Rad kippe: Mein Herz pocht schon ganz schön! Bergauf, bergab – meine liebsten Teilstrecken sind natürlich die zweiten. Aber ich habe das Gefühl, als wenn es teilweise fast nur bergauf geht. „Gleich haben wir es geschafft. Nur noch einmal geht es bergauf.“ Mir hätte es bewusst sein müssen, dass das geflunkert war. Wie früher auf Autofahrten, wenn man seine Eltern gefragt hat, wann man da ist und immer die gleiche Antwort bekommen hat: In 20 Minuten.

Foto: Andreas Stocker

Und dann kommt dieser Moment, in dem alle möglichen Flüche, Schweißperlen, Muskelschmerzen und jegliche Anstrengung auf Anhieb verflogen sind: Der Kleine Arbersee liegt vor uns. Es kommt mir so vor, als wenn wir eine kleine Märchenwelt betreten. Vereinzelt kommen uns noch Spaziergänger entgegen. Ansonsten ist es hier einfach still. Das Wasser scheint wie ein Spiegel inmitten der Waldlandschaft zu liegen. Auf dem See befinden sich einige schwimmende Inseln, die nach der Zeit entstanden sind, als der See noch gestaut wurde, um gefälltes Holz abzutransportieren. Dabei haben sich Moordecken vom jetztigen Seeboden abgelöst, die die schwimmenden Inseln gebildet haben. Wir sitzen etwas am Seeufer und gucken einfach nur aufs Wasser. Es ist einfach beruhigend hier zu sein. So still und friedlich.

Langsam wird es aber Zeit weiterzufahren – vom Kleinen Arbersee geht es über Stock und Stein (natürlich etwas bergauf) an Wiesen vorbei über die Brennesstraße bis zur Hindenburgkanzel. Von hier aus hat man einen unglaublichen Blick über den Lamer Winkel und den Osser – stundenlang könnte ich hier stehen und einfach nur in die Weite schauen!

Waldbaden mit Jutta Koch

Habt ihr schon einmal etwas von Waldbaden gehört? Was in Japan schon Jahrzehnte lang angesagt und Teil eines guten und gesunden Lebensstils ist, wird auch in deutschen Wäldern in den letzten Jahren immer beliebter. Heute treffe ich mich mit Jutta Koch im Lambacher Forst. Wer denkt, dass wir beide in Badekleidung durch den Wald stapfen, um einen hübschen Waldsee zu suchen, liegt mit seiner Vermutung nicht ganz richtig. Beim Waldbaden geht es darum, den Wald und vor allen Dingen dadurch auch sich selbst wahrzunehmen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume in die Luft abgeben, unser Immunsystem gestärkt wird. Durch Zeit, die man hier im Wald verbringt, können Angstzustände, Stress und Depressionen abgebaut werden. Quasi ein Rundum-Wohlfühl-Paket.

Ich muss eins vorwegnehmen: Man muss sich darauf einlassen. Wir halten an einer kleinen Wassermühle und schließen die Augen. Die erste Atem-Übung. Während ich sonst meist immer sehr oberflächlich atme, konzentriere ich mich hier viel mehr darauf. Wir schließen die Augen, und ich nehme das Plätschern des Wassers immer stärker wahr. Und den Geruch des Waldes.

Es geht über einen Waldweg ein wenig bergauf. Jutta erzählt mir über den Wald. Die Bäume. Wie ein lebendiges Lexikon. Wir schlendern vor uns hin und stoppen immer wieder und machen Achtsamkeitsübungen. Waldbaden muss nicht mit Anstrengung verbunden sein. Es reicht schon aus, einfach Zeit hier zu verbringen. Den Wald wahrnehmen. Riechen, hören, fühlen.

Wir biegen auf einen unbefestigten Weg und auf einmal stehen wir an einem kleinen Bachlauf, der mitten durch den Wald fließt. Obwohl es nur wenige Meter weiter sind, ist die Atmosphäre hier ganz anders. Während man auf dem Wanderweg vor allen Dingen das Vogelgezwitscher wahrgenommen hat, wird es hier vom Plätschern des Wassers abgelöst. Mal leiser, mal lauter.

Wir wandern entlang des Wassers und halten auf einer kleinen Lichtung. Ich merke selber, dass ich immer langsamer werde, weil es so viel zu entdecken gibt. Die Farben der Blätter, Moose und Farne.

Auch wenn jetzt der ein oder andere schmunzeln wird: Aber habt ihr schon einmal einen Baum umarmt? Am Anfang muss ich schon etwas in mich hinein grinsen, aber lasse mich einfach mal darauf ein. „Beißen wird er schon nicht“, denke ich mir. Und da stehe ich quasi Arm in Arm mit einer wunderschönen Buche. Aber Spaß beiseite – irgendwie war es schon besonders. So ruhig und erhaben. Jutta macht eine kleine Traumreise mit mir und was soll ich sagen? Ich könnte ewig hier mit meinem starken Buchenfreund stehen, der einem Ruhe und Gelassenheit schenkt.

Ruhe auf den Einödhöfen

Nach einigen Minuten Fahrt ist man vom Stadtkern Lams hier draußen in der Natur. Ich bin heute einfach zu faul hier hoch zu wandern oder mit dem Fahrrad zu fahren, so dass ich mich doch ins Auto setze. Eingerahmt von Wiesen und Wäldern liegen die Einödhöfe hier idyllisch mit einem tollen Ausblick auf den Bayerischen Wald.

Leider stehe ich vor verschlossenen Türen, so dass es nichts mit meinem Kaffee auf dem Vorödhof wird – trotzdem setze ich mich kurz hier an den Rand der Wiese und genieße den Ausblick und Ruhe. Wie wäre es mit einer Wanderung von Hof zu Hof? Das steht bei mir auf jeden Fall auf meiner Liste für den nächsten Besuch!

Sonnenaufgang auf dem kleinen Osser

Den Sonnenaufgang auf dem Kleinen Osser werde ich so schnell nicht vergessen. Mein Wecker klingelt am Montagmorgen um 5.30 Uhr. Ich muss zugeben, dass ich kein früher Vogel bin und insgeheim noch hoffe, dass sich der Wecker vertan hat. Nach zwei Versuchen noch ein bisschen Schlaf durch die Snooze-Taste zu bekommen, gebe ich mich geschlagen und stehe auf.

Noch völlig müde packe ich mich dick ein und mache mich auf den Weg zum Wanderparkplatz Sattel. Fast niemand ist um diese Uhrzeit unterwegs. Als ich in das Waldstück zum Wanderparkplatz einbiege ist es schon ein merkwürdiges Gefühl. Hier ist einfach nichts und niemand. Und schon gar nicht um diese Uhrzeit.

Um kurz nach 6 Uhr parke ich das Auto und stelle den Motor ab. Und da wird mir erst einmal wirklich bewusst, wie verlassen es hier gerade wirklich ist. Soll ich wirklich aussteigen? Fast planlos, ohne Taschenlampe und ohne wirklich Ahnung, wo es eigentlich lang geht. Und das noch im Stockdunkeln? Ich habe einfach Schiss und stelle noch einmal meinen Wecker, um  noch 20 Minuten die Augen zu schließen. Vergeblich natürlich! Ok, nun heißt es allen Mut zusammennehmen, aussteigen, Auto abschließen, Schlüssel gut verstauen und einfach loslaufen.

Die ersten Meter sind alles andere als angenehm. Immer wieder frage ich mich selbst, was ich hier gerade mache. Bist du bescheuert? Keiner weiß, dass du hier bist! Und dann knackt einige Meter im Wald wieder ein Ast. In dem Moment kommen einem die verrücktesten Gedanken. Der Weg ist ganz schön matschig. Die ersten 100 Meter sind geschafft – so langsam fange ich an zu schnaufen. Ich merke, dass ich viel zu schnell gehe.

Also wird es Zeit, langsamer und bewusster zu gehen. Die verrückten Gedanken vom Anfang des Weges lösen sich langsam in Luft auf. Ich nehme immer mehr den Wald wahr und denke an das, was mit Jutta gestern beim Waldbaden alles erzählt hat. Ich nehme die kleinen Einzelheiten wahr. Den Geruch, das kleine Rinnsal mit frischem Bergwasser, zwitschernde Vögel, Moos und die frische Luft. Was vorher einfach nur beklemmend war, entwickelt sich auf einmal zu Freiheit. Mein Herz rast immer noch wie verrück.

So geht es Schritt für Schritt dem Gipfel entgegen – meine erste kleine Pause mache ich auf der Osserwiese. Die Farbe des Himmels verändert sich langsam in einen wunderschönen hellblau-lila-rosa Ton – wie eine bunte gemischte Tüte! Ich kann mich gar nicht sattsehen. Nach unzähligen Fotos und Momenten der Ruhe geht es weiter. Der Wanderweg ist gut ausgezeichnet – verlaufen kann man sich (mit etwas  Tageslicht) eigentlich gar nicht mehr. Nach dem Weg über die Wiese geht es wieder ein Stückchen durch bewaldetes Gebiet. Es wird immer steiler, bis es irgendwann ein wenig ans Klettern geht. Ich gucke nach oben, wie weit es wohl noch sein wird – da strahlt das Gipfelkreuz auch schon.

Absolutes Glücksgefühl. Gänsehautmoment.

Ich kann es kaum in Worte fassen, wie glücklich ich in diesem Moment bin. Glücklich in aller Herrgottsfrühe aufgestanden zu sein. Meine Angst überwunden zu haben und einfach losgelaufen zu sein.

Besuch des Großen Arbersees

Ich kann den Bayerischen Wald nicht verlassen, ohne noch den Großen Arbersee zu besuchen. Auch der Große Arbersee ist noch ein Überbleibsel der Eiszeit und ist rundum von dichtem Wald eingeschlossen. Einige hundert Meter nach der Seilbahn zum Arber liegt der See und ist ein absoluter Touristenmagnet. Am Arberseehaus tummeln sich auch am heutigen Montagnachmittag die Besucher. Ich bin froh, dass sich das alles nach den ersten Minuten verläuft und man hier und da auch niemanden sieht und seine absolute Ruhe hat.

Ähnlich wie beim Kleinen Arbersee gibt es auch hier große Flächen an Schwingrasen. Hier sind diese Flächen mit dem Ufer, aber eben auch nicht mit dem Grund des Sees verbunden. Ein Rundweg führt einmal um den See herum – teilweise geht es hier über Stege, teilweise über gut befestigte Wege.

Es wird Zeit Abschied zu nehmen. Abschied vom Großen Arbersee und vom Bayerischen Wald. Es war eine großartige Auszeit hier. Voller Überraschungen, Gänsehautmomenten und Momenten der Ruhe!

Wart ihr schon einmal im Bayerischen Wald oder plant bald eine Reise dorthin? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

Eure Anna ♥

 

 

Offenlegung: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Presseeinladung vom Landidyll Hotel „Das Bayerwald“ und der Tourist-Information Lam entstanden. Vielen herzlichen Dank für die Einladung!

 


ABOUT THE AUTHOR

Anna

    COMMENTS (2)

  1. Andreas Stocker

    ()

    Es freut mich wirklich sehr, dass es dir so sehr in unserer schönen Heimat gefallen hat.
    Ich würde mich freuen Dich wieder in unserer Winterwunderlandschaft begrüssen zu dürfen. Toller Bericht. DANKE

    Antworten

    • Anna

      ()

      Lieber Andreas,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dafür, dass du mir so wundervolle Ecken in deiner Heimat gezeigt hast! Es war wirklich großartig! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt!

      Vielen lieben Dank und liebe Grüße

      Anna

      Antworten

Ich freue mich über deinen Kommentar!

No Thumbnail

There is not any newer post !