Welche Verpackungen sind nachhaltiger?

In der vergangenen Woche stand ich im Supermarkt und hatte die Möglichkeit, mich zwischen einer Papier- und einer Plastikverpackung bei Mehl zu entscheiden – das ist ja schon ein Highlight bei glutenfreien Produkten! 🙂 „Plastik ist schlecht für die Umwelt und nicht unbedingt nachhaltig!“ und „Für die Produktion der Papiertüte geht bestimmt einiges an Wasser drauf!“ ging es mir durch den Kopf.

Generell werden ja immer mehr Einweg-Plastikverpackungen durch Verpackungen aus Papier, Karton oder Pappe ersetzt. Da, wo früher Verpackungen und Tüten aus Plastik eingesetzt wurden, gibt es nun immer mehr Schälchen und Tüten aus Papier. Einerseits ist es ja super, dass die Plastikverpackungen und somit auch der Plastikmüll immer weniger werden, oder? Aber ist die Rechnung wirklich so simpel, oder müssen wir bei den Papierverpackungen und Kartons auch noch einiges beachten?

Natürlich ist nach wie vor jede Verpackung, die nicht anfällt, das Beste für die Ökobilanz – aber welche ist denn die „bessere“ Lösung, wenn sich eine Verpackung grundsätzlich nicht vermeiden lässt? Die herkömmliche Plastikverpackung, oder doch die Papiertüte? Insbesondere im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit spielen Verpackungen eine große Rolle.

Auch wenn mir Plastiktüten und überflüssige Kunststoffverpackungen ein Graus sind, kann ich bei dieser Thematik vorwegnehmen, dass es nicht wirklich Schwarz und Weiß gibt. Die Lösung hängt von so vielen Faktoren ab, die man als Verbraucher oftmals bei einem einfachen Einkauf gar nicht überblicken kann. Genauso umfangreich ist das Thema an sich – der Beitrag hier kann nur als kleiner Einblick dienen und zum ersten Verständnis beitragen. Wer sich tiefergehend mit der Thematik beschäftigen möchte, findet am Ende des Textes noch interessante Quellen zu Papier vs. Plastik!

Papier vs. Plastik

Fest steht, dass wir nicht nur das Verpackungs-Produkt an sich sehen dürfen, wie es uns im Supermarktregal gegenübersteht, sondern wir wirklich alle Faktoren und Ressourcen berücksichtigen müssen. Dazu zählen u.a. Faktoren wie:

  • Herstellung (Wasser- und Chemikalienverbrauch, Einsatz von Farbstoffen, Weichmachern oder Stabilisatoren,…)
  • Transport
  • Gewicht
  • Recycling (Recyclingfähigkeit und tatsächliche Recyclingquote)

Papier

Fangen wir erst einmal mit den schlechten Nachrichten an: Einer der Nachteile von reinen Papierverpackungen ist, dass diese nicht unbedingt auslaufsicher sind und die Lebensmittel nicht so gut vor dem Verderben schützen. Anstatt der reinen Papierverpackungen werden also oft Verbundstoffe (z.B. aus Kunststoff und Papier oder Karton) genutzt, um die Lebensmittel besser zu schützen. Ihr ahnt es schon: Diese Verbundstoffe sind jedoch nicht mehr so gut und einfach recycelbar wie Verpackungen, die nur aus einem einzelnen Material bestehen – hier steigt der Energieaufwand und somit auch der ökologische Fußabdruck! Man denke an die bekannten Getränkekartons, die aus mehreren Schichten bestehen – die wirft man ja schließlich auch nicht in den Papiermüll!

Beachtet werden sollte auch, dass Papierverpackungen im Vergleich zu Kunststoffalternativen bei gleicher Reißfestigkeit bis zu doppelt so schwer sind und einen geringeren Produktschutz bieten. Dazu ist die Herstellung von Zellulose äußerst energie- und wasseraufwendig.

Auch wenn das alles erst einmal ernüchternd klingen mag, hat Papier aber den Vorteil, dass es aus nachwachsendem Holz besteht und im Gegensatz zu Kunststoff nicht aus endlichem Erdöl produziert wird. Insofern Papier sortenrein getrennt wird (und getrennt werden kann), lässt es sich durchaus gut recyceln und wird eher recycelt als Plastikverpackungen. Dazu kommt natürlich auch der Pluspunkt, dass Papier, das zufällig in die Natur gerät, leichter verrottet als Plastikverpackungen.

So sieht ein Getränkekarton von innen aus.
Verbundmaterialien sind umständlicher zu recyclen.

Kunststoff

Auch wenn sich die Recyclingtechnik für Kunststoffe weiterentwickelt und das Angebot an recycelten Kunststoffen wächst, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Recycling von Verpackungen aus Plastik durchaus seine Tücken hat. Während man als Verbraucher meinen mag, dass alles, was man in den gelben Sack schmeißt auch weiterverarbeitet wird, sehen die Statistiken dazu jedoch anders aus. Zahlen der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) zufolge lag die werkstoffliche Verwertungsquote von Kunststoff 2020 bei circa 60,6 %.

Das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass entsprechend viel Müll aus unserem gelben Sack aufbereitet wird und neuen Kunststoff ersetzt. Dieser Anteil ist in Wirklichkeit viel kleiner. Laut Experten liegt das daran, dass Kunststoff, der aus recyceltem Abfall hergestellt wird, teurer ist als neuer Kunststoff – insbesondere dann, wenn dieser eine hohe Qualität haben soll.

Eine weitere Herausforderung dabei: Ob ein Kunststoff recycelt werden kann, hängt davon ab, um welche Art von Kunststoff es sich handelt und ob er zum Beispiel gefärbt ist – dunkle Verpackungen können meist gar nicht mehr aufgehellt werden und fallen somit aus dem Recyclingkreislauf heraus. Manche Kunststoffe sind dafür einfach besser, andere schlechter geeignet. Mischungen aus verschiedenen Kunststoffen können oftmals gar nicht mehr getrennt werden bzw. ist der Aufwand dafür zu hoch oder die zuständige Abfallwirtschaft verfügt nicht über die technischen Voraussetzungen.

Recyclingfähig bedeutet also nicht automatisch, dass die entsprechenden Verpackungen auch recyelt werden. Das gilt für Papier genauso wie für Plastik.

Alte Plastiktüten eignen sich als Müllbeutel

Was bedeutet das für uns?

Ihr merkt – das Thema ist unglaublich komplex und man kann einfach nicht pauschal sagen, dass entweder Papier oder Plastik die bessere oder schlechtere Alternative ist. Bei beiden Varianten steckt der Teufel im Detail! Als Verbraucher steht man da oft wie der Ochs vorm Berge – auch ich bin da oftmals ratlos! Klasse finde ich, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die sich durchaus Gedanken um die Optimierung ihrer Verpackungsmaterialien machen und dort immer offen für positive Veränderungen sind. Viele kommunizieren ihren aktuellen Stand und ihre Pläne hinsichtlich der Verpackungsoptimierung auch ganz offen auf ihren Websites – wer sich dafür interessiert, kann sich da ja einmal munter durch die Seiten klicken!

Bei unseren Einkäufen können wir zumindest auf kleine Merkmale achten:

  • Wenn es geht auf Verpackung verzichten
  • Stammt das Holz meiner Papierverpackung aus nachhaltiger Forstwirtschaft? Das kann man anhand entsprechender Siegel feststellen (Nachteil: deren Aussagegehalt ist aber teilweise leider umstritten).
  • Handelt es sich um Verbundstoffe oder sind es reine Materialien, bzw. kann ich die einzelnen Materialien getrennt voneinander entsorgen?
  • Helle statt dunkle Plastikverpackungen wählen (z.B. bei Flüssigwaschmittel, Duschgels & Co.)
  • Gibt es auf der Verpackung einen Hinweis für den Anteil der verwendeten recycelten Materialien?
  • Ist die Papierverpackung aus Frischfasern oder Altpapier hergestellt?
  • Macht der Hersteller nähere Angaben zur Nachhaltigkeit seiner Verpackung?

Wie steht ihr zu dem Thema? Achtet ihr bei euren Einkäufen auf nachhaltige Verpackungen oder seid ihr teilweise auch einfach überfordert? Berichtet mir gerne in den Kommentaren davon! Wenn euch das Thema interessiert, ist vielleicht auch der Beitrag über Nachhaltigkeit beim Einkaufen etwas für euch!

Folgt ihr mir eigentlich schon auf Instagram und Facebook? Ich freue mich, wenn wir uns auch da vernetzen!

Eure Anna ♥


Quellen

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