Highlights auf der Garden Route, Südafrika

Meine 10 Lieblingsorte und Herzensmomente

 

Die Garden Route ist direkt präsent, wenn man an Südafrika denkt. Es kommt einem vor, als wenn es nur A oder B gibt – Kapstadt mit Garden Route oder Johannesburg mit Krüger Nationalpark. Da gehöre ich zu Team A und muss schmunzeln, dass ich es während meiner Zeit am Kap nicht weiter als bis nach Port Elizabeth, bzw. zum Addo Elephant Park geschafft habe.

Wirklich darüber nachgedacht habe ich nie, ob ich die so bekannte Route entlangfahre – das stand obligatorisch in dem Moment fest als ich wusste, dass es nach Südafrika geht. Während meiner sieben Wochen in Südafrika habe ich mich gleich zwei Mal auf den Weg gemacht – von Kapstadt aus in Richtung Addo Elephant Park. Um ehrlich zu sein, war die Garden Route dabei nebenbei auch Mittel zum Zweck – die 817 km fährt man nicht „mal eben“ an einem Tag. Und so kann man auch noch die schönsten Fleckchen unterwegs entdecken.

Besonders bei diesen Roadtrips ist mir immer wieder bewusst geworden, dass eine Reise immer das ausmacht, was man aus ihr macht und wie man Orte selbst wahrnimmt, was man an ihnen erlebt und wie man sich auf sie einlässt. Es ist immer ein großer Teil eigenes Empfinden, ob man einen Ort mag und diesen genauso in sein Herz schließt, wie es andere Menschen schon zuvor getan haben, die in Reiseführern oder anderen Reiseberichten davon schwärmen. Wenn jemand völlig verliebt in einen bestimmten Ort ist, muss das nicht automatisch heißen, dass man selbst sein Herz daran verschenkt. So ging es mir unterwegs hier und da, bis ich dann auf der Suche nach meinen eigenen Lieblingsorten weitergezogen bin.

So stelle ich euch hier meine persönlichen Lieblingsorte und Herzensmomente vor, die ich unterwegs entdeckt und erlebt habe. Erlebnisse, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass ich mich wirklich dazu überwinden kann. Momente, die immer in meinem Herzen bleiben werden. Orte und Plätze, die man niemals erwartet hätte und die einen direkt begeistern und noch lange im Kopf bleiben. Orte, für die man von seiner geplanten Route abweicht und sie durch Zufall entdeckt oder einfach den Finger auf der Landkarte, bzw. Google Maps entscheiden lässt.

# 1 Pinguinstrand Betty’s Bay, Stoney Point

Es geht von Kapstadt aus an der Küste entlang über Gordon’s Bay in Richtung Hermanus. Wie aus dem Nichts taucht das Hinweisschild mit Penguin Beach ganz unscheinbar am Straßenrand auf und führt einen zu der kleinen Pinguinkolonie. Anders als am bekannten Boulders Beach geht es bei den süßen Watschelvögeln hier etwas ruhiger zu. Während der bekannte Strand bei Kapstadt meist recht überlaufen ist und sich die Kameraobjektive  aneinanderreihen, hat man in Betty’s Bay noch etwas mehr Platz für seine eigene kleine Pinguin-Auszeit.

#2 Hermanus

Irgendwie ist es schon fast obligatorisch, dass man dem kleinen Städtchen einen Besuch abstattet – wenn nicht zur Übernachtung zumindest für einen kleinen Zwischenstopp, um von der Promenade aus die Wellen und vor allen Dingen die Wale zu beobachten! Auch wenn die Garden Route eigentlich erst offiziell in Mossel Bay beginnt, ist Hermanus wie das inoffizielle Eingangstor zur Garden Route. Wenn man nicht unterwegs ab Gordon Bay schon überall (z.B. in Betty’s Bay) gestoppt hat, um die wundervollen Aussichten zu genießen, ist Hermanus meist der erste Halt auf dem Roadtrip.

Ja, Hermanus ist touristisch, aber trotzdem hat es seinen ganz eignen Charme. Die kleine Innenstadt hat alles, was man braucht – tolle Restaurants, Supermärkte, kleine Souvenirlädchen, die von den obligatorischen geschnitzten Holzfiguren auch außergewöhnliche Mitbringsel für zu Hause anbieten. Ich tue mich schwer an den kleinen Holzlöffelchen und Schneidebrettern vorbeizugehen, die sich bestimmt auch noch gut auf den Fotos für geplante Rezepte zu Hause machen würden, aber es ist ja nicht so, als wenn jetzt schon der Koffer aus allen Nähten platzt! 

Ich liebe den kleinen Wanderweg entlang der Küste, von wo man einen einzigartigen Blick über das Meer hat, die Gischt herüberweht und die Wellen gegen die Felsen und Mauer des natürlichen Pools platschen. Fernab des Trubels kann man vor der Weiterfahrt noch einmal durchatmen und vielleicht sogar den ein oder anderen Wal entdecken.

# 3 Wilderness – Paragleiten, Kanufahren und Wandern

Wer mich kennt weiß, dass ich bei Action-Sachen anderen gerne den Vortritt lasse. Ich bin nicht so ganz für diesen Nervenkitzel gemacht. Und schon gar nicht, wenn es hoch hinaus gehen soll! Und da stehe ich in Wilderness an den Klippen mit meinem überdemensional großen Gleitschirm-Rucksack auf dem Rücken. „Erst musst du mit vorlaufen, dann werden wir etwas nach hinten gezogen und dann rennen wir, ok?!“ „Ok!“ Und schon baumeln meine Füße in der Höhe über den Klippen in Wilderness.

Das Wetter ist etwas grau – aber dafür ist genug Wind da, dass wir Runde um Runde an der Küste entlang gleiten und fast die Baumspitzen berühren können. Die Höhe nehme ich gar nicht wahr – und so viel Bammel, wie ich am Anfang hatte, möchte ich nun, dass der Flug gar nicht mehr aufhört. Einer meiner absoluten Herzensmomente während meiner Zeit am Kap!

P.S.: Aber Wilderness kann nicht nur das! Ich lege euch neben unendlichen Strandspaziergängen eine Kanutour mit Wanderung ans Herz! Stundenlang könnt ihr so die Flüsse entlangpaddeln und die einzigartige Natur ganz anders wahrnehmen!

# 4 Hiken in Stroms River, Tsitsikamma

Seit meinen Reisen nach Nepal bin ich völlig von Hängebrücken begeistert. Und drei Mal dürft ihr raten, wo es im Tsitsikamma Nationalpark hingehen muss: Natürlich zur Suspension Bridge! Die einzigartigen Ausblicke von den Wanderwegen und Klippen lassen einen manchmal die Zeit vergessen, wenn man dasteht und den Blick genießt. Hier und da liegt ein fettes Dassie auf den Steinen, mümmelt an einem grünen Zweig und scheint schräg in die Kamera zu grinsen.

Das erste Stück des Wanderweges ist noch super einfach wie ein kleiner Spaziergang zu bewältigen – nach der Suspension Bridge geht es dann etwas steiler und unbefestigter bergauf. Aber ihr könnt beruhigt sein – obwohl meine Kondition momentan zu wünschen übrig lässt, schaffe auch ich es mit kleineren Päuschen dazwischen. Der Ausblick entschädigt auf jeden Fall! Hier und da blühen noch einige Proteen und der Blick über das Meer ist grenzenlos.

# 5 Robberg Nature Reserve, Plettenberg

Das Robberg Nature Reserve macht es mir nicht gerade leicht – zwei Mal innerhalb von drei Tagen wollen wir den Nationalpark besuchen. Beim ersten Versuch liegt die ganze Anfahrtsstraße im Nebel und man hat das Gefühl, dass man in einer gespenstischen Fabelwelt gelandet ist und gleich einfach das Ende der Welt erreicht hat. Beim nächsten Besuch hat sich der Nebel etwas verzogen, dafür machen sich jedoch dicke graue Regenwolken breit. Es soll wohl einfach nicht sein. Aber auch trotz der dicken Wolken kann man hier und da erahnen, welch wundervolle Ausblicke bei Sonnenschein auf einen gewartet hätten. Robberg – beim nächsten Mal komme ich wieder! 🙂

# 6 Zwischenstopp an der Bloukrans-Brücke

Ein bisschen Adrenalin gefällig? Auch wenn du dich nicht waghalsig von der welthöchsten Bungee-Brücke stürzen möchtest, wird dir alleine vom Zusehen schon etwas mulmig. Als ich das erste Mal über die Brücke von Plettenberg aus kommend fahre, ahne ich noch nicht, dass es sich dabei um DIE Brücke handelt.

Zwischen Bewunderung und ungläubigem Kopfschütteln stehe ich gespannt auf der Aussichtsterrasse und sehe zu, wie sich Abenteuerjunkies nacheinander von der Brücke stürzen – einige Sekunden später baumeln sie am Seil und werden nach oben gezogen. Nene, das ist nichts für mich. Mein Abenteuerprogramm für diese Reise habe ich mit meinem Paragliding schon abgehakt!

Von der Bloukrans Brücke geht es für ganz Mutige 216 m in die Tiefe!

#7 St. Francis

Es ist (mal wieder) grau heute – eigentlich das Perfekte Wetter, um faul auf der Couch zu liegen und bei einem Tee die Wolken zu beobachten, die an der Terassentüre vorbeiziehen. Aber dennoch zieht es uns raus – der Finger auf der Landkarte hat entschieden! Es geht nach St. Francis! Und was soll ich sagen – ich bin im Nachhinein froh, dass wir uns nicht vom Wetter haben abhalten lassen die Gegend zu erkunden.

Was Kampen auf Sylt ist, ist St. Francis auf der Garden Route. Nur irgendwie noch schöner, wie ich finde! Aber vielleicht auch deswegen, weil man es nicht erwartet oder es sich zumindest nicht so schön vorgestellt hat. 🙂 Automatisch fange ich an zu träumen, während wir die Straßen mit den weißen Häusern und Villen mit Reetdächern, Bootsanlegern im Garten und bunt blühenden Blumen und Bäumen im Vorbeet entlangfahren! St. Francis, darf ich bleiben?

# 8 Paradise Beach

Strand so weit das Auge reicht! Paradise Beach zwischen Jeffrey’s Bay und St. Francis ist ein ganz besonderer Ort. Es fühlt sich fast schon etwas unwirklich an, wenn man bei Ebbe durch die Dünen stapft und das Gefühl hat, dass der Strand nie aufhört. Auf der einen Seite liegt ein Naturschutzgebiet und auf der anderen Seite die Wellen, die angerollt kommen. In der Mitte liegt der unendlich breite Strand wie eine Lagune dazwischen.

# 9 Entspannen in Jeffrey’s Bay

Ach Jeffrey’s Bay, wie ich dich vermisse! Für mich hat dieser top Surf-Hotspots weltweit seinen ganz eignen Charme. Obwohl ich nicht die größte Wasserratte bin, hat J-Bay, wie es in Südafrika genannt wird, mich in Null komma nichts verzaubert. Ich erinnere mich heute noch an den Moment, in dem ich das erste Mal von unserer Terrasse auf die heanrauschenden Wellen geschaut habe und die untergehende Sonne den Himmel langsam in ein warmes Orange getüncht hat.  Ich hätte tagelang einfach nur dasitzen können, den Fischern beim Angeln zusehen oder unendlich lange am Strand entlangspazieren können.

Diese Zeit des Tages, wenn die untergehende Sonne den Strand in ein ganz besonderes Licht färbt und man ewig aufs Wasser gucken könnte.

# 10 Abstecher zum Addo Elephant Park

Eigentlich gehört der Addo Elephant Park gar nicht mehr offiziell zur Garden Route – aber ich will mal nicht so streng sein! Ich muss zugeben, dass es schwer fällt, mich nach einer Safari in der Masai Mara damals in Kenia mit Safaris vom Hocker zu hauen, aber der Addo Elephant Park hat schon etwas Besonderes. Ich muss gestehen, dass ich mich erst einmal daran gewöhnen muss, dass die meisten Straßen geteert sind – da dauert es etwas länger, bis das typische Safari-Gefühl aufkommen mag.

Aber die ersten Zebras, Elefanten und Warzenschweine lassen es schnell vergessen. Und Simni unser Guide, der nicht aufgibt einem Wörter in Xhosa beizubringen. Bei mir scheitert es anfangs schon daran, den Namen der Sprache richtig mit dem Klicklaut anstatt des „X“ richtig auszusprechen – wie soll ich dann auch noch Wörter wie Mistkäfer mit zwei Klicklauten auf die Reihe bekommen? Großes Gelächter macht sich im Auto breit – manchmal erwische ich mich immer noch dabei, wie ich kläglich versuche das ein oder andere Wort vor mich herzumurmeln. Erfolglos natürlich!

Wie angewurzelt sitze ich am Lenkrad, als auf einmal eine Elefanten-Großfamilie wenige Meter vor dem Auto über den Weg schlurft. Hier und da werden noch grüne Äste mit dem riesigen Rüssel abgezupft und geschickt ins Maul manövriert. „Was soll ich machen? Soll ich den Motor starten? Soll ich zurücksetzen?“. Ich muss zugeben, dass meine anfängliche Euphorie kurzzeitig in ein wenig Panik übergeht, als die Mutter mit ihrem Elefantenzwerg aus dem Dickicht tritt. „Einfach ruhig bleiben“ fällt da ehrlich gesagt doch ganz schön schwer!

Welche sind eure Lieblingsorte auf der Garden Route? Oder seid ihr eher Team B und habt den Krüger Nationalpark unsicher gemacht? Erzählt mir gerne in den Kommentaren von euren Erfahrungen und Herzensmomenten!

 

Eure Anna ♥

 


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