Kann man Hafer trotz Zöliakie verzehren?

Die Frage wird mir ganz schön oft gestellt. Einerseits von Freunden, die sich generell für die glutenfreie Ernährung interessieren, aber auch von anderen Betroffenen, die sich einfach unsicher sind. Und nach meiner Vorstellung des glutenfreien Haferdrinks in meinem letzten Beitrag kam die Frage natürlich wieder auf. Ja, aber wie sieht es denn jetzt aus? Ist Hafer denn nun glutenfrei oder nicht?

Es kommt darauf an“ ist wahrscheinlich die geschickteste Antwort auf diese Frage. Besonders bei Zöliakie steckt der Teufel ja wie so oft im Detail.

Ist Hafer glutenfrei?

Hafer an sich ist von Natur aus glutenfrei, da er nicht mit Weizen oder einem glutenhaltigen Getreide verwandt, sondern botanisch gesehen den Gräsern zuzuordnen ist. Jetzt kommt jedoch das große ABER. Für Zöliakie-Betroffene ist der handelsübliche Hafer jedoch trotzdem nicht geeignet, da es beim Anbau und der weiteren Verarbeitung zu Verunreinigungen mit glutenhaltigem Getreide wie Weizen, Gerste & Co. kommt. Für handelsüblichen Hafer werden die gleichen Felder genutzt, auf denen zuvor auch glutenhaltiges Getreide angebaut wurde und zur weiteren Verarbeitung die gleichen Geräte wie für glutenhaltiges Getreide eingesetzt – das Risiko für eine Kontamination ist dabei natürlich nicht auszuschließen und sehr hoch!

Nicht jeder Hafer ist für Zöliekie-Betroffene geeignet!
Nicht jeder Hafer ist für Zöliakie-Betroffene geeignet!

Bei Zöliakie nur als „glutenfrei“ gekennzeichneten Hafer verzehren!

Aus diesem Grund wird dringend dazu geraten, bei Zöliakie nur Hafer zu konsumieren, der explizit als glutenfrei gekennzeichnet ist. Das gilt natürlich auch für weitere Produkte, in denen Hafer verarbeitet wurde, wie z.B. Brote, Müslis oder eben auch Hafermilch. Hier kann man sich an dem Logo der durchgestrichenen Ähre oder der Bezeichnung „glutenfrei“ orientieren.

Spannend dazu ist auch eine Studie und das Statement der Kanadischen Zöliakie Gesellschaft, die die Thematik sehr übersichtlich darstellt.

Darf ich direkt nach meiner Zöliakie-Diagnose glutenfreien Hafer verzehren?

Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) rät dazu, dass glutenfreier Hafer erst 6 Monate nach der Diagnosefeststellung, bzw. dann, wenn sich die Antikörper im Blut wieder im Normbereich befinden, in den Speiseplan aufgenommen werden soll. Ebenso sollten keine Symptome der Zöliakie mehr vorliegen. Bei der Aufnahme des Hafers im Speiseplan rät die DZG ebenso dazu, sich von einem Arzt betreuen zu lassen.

Wie viel Hafer sollte ich am Anfang essen?

Es gibt keine reglementierte Obergrenze für den Verzehr von Hafer. Dennoch wird dazu geraten, mit geringen Mengen zu starten. Step by step quasi! Man sollte nicht außer Acht lassen, dass Hafer sehr ballaststoffreich ist. Manch einem Körper kann das zunächst zu schaffen machen kann, so dass es durchaus zu Beginn zu Bauchweh, einem Blähbauch oder andere Beschwerden kommen kann, wenn man (glutenfreien) Hafer in seinen Speiseplan aufnimmt. Dies bedeutet jedoch nicht grundsätzlich im Umkehrschluss, dass man Hafer per se nicht verträgt. Es kann nur sein, dass der Körper sich erst einmal daran gewöhnen muss.

Achtung: Hafermilch in Cafés

Hafermilch ist in den letzten Jahren genauso wie Sojamilch oder andere Milchalternativen der absolute Renner geworden. Hier muss jedoch auch zwischen „normaler“ und glutenfreier Hafermilch unterschieden werden – genauso wie bei den Haferflocken gibt es dabei speziell glutenfreie Sorten des Haferdrinks.

Darauf solltet ihr natürlich auch achten, wenn ihr im Café ein Getränk mit Hafermilch bestellt – in den meisten Fällen ist diese nicht speziell als glutenfrei deklariert. Also achtet auch bei der Wahl eurer Milchalternative auf eine mögliche glutenfreie Alternative. Und genauso wachsam solltet ihr sein und hinterfragen, wie die Kaffeemaschine, bzw. der Milchaufschäumer gereinigt werden? Bleiben Rückstände des glutenhaltigen Haferdrinks zurück? Fragen über Fragen, die man nicht außer Acht lassen sollte, falls man Zöliakie hat.

glutenfreie Hafermilch
Auch bei Milchalternativen muss man aufpassen!
Auch bei Hafermilch muss darauf geachtet werden, dass sie als „glutenfrei“ deklariert ist, falls man von Zöliakie betroffen ist.

Und was ist mit Hafergras?

Genauso oft wie die Frage, ob Hafer glutenfrei ist, bekomme ich die Frage gestellt, wie es sich mit Hafer-, Gersten- und Weizengras verhält. Ich muss zugeben, dass ich die Begriffe früher auch ganz schön verwirrend fand! Sobald in einem Wort nur „Weizen“ oder „Gerste“ vorkamen, gingen bei mir schon die Alarmglocken los. Aber ich kann euch beruhigen – das Klebereiweiß Gluten ist ja „nur“ im Getreidekorn enthalten, so dass das junge, frische Gras glutenfrei ist und auch mit Zöliakie verzehrt werden kann.

Wie sieht es bei euch aus? Vertragt ihr Hafer trotz eurer Zöliakie gut? Wie lange nach eurer Diagnose habt ihr ihn in euren Speiseplan aufgenommen? Berichtet mir gerne in den Kommentaren davon! Leckere Rezepte mit Hafer findet ihr natürlich auch bei mir – stöbert doch einfach mal durch den Blog. Vielleicht mögt ihr ja meine schwedischen Haferplätzchen oder die leckeren Müsliriegel?

Eure Anna ♥

2 Comments

  1. Dankeschön für die Zusammenfassung, den Beitrag muss ich mi gleich speichern, wenn mal wider jemand meint, als Mensch mit Zöliakie könne man Hafer essen.
    Ich bin relativ vorsichtig, auch mit dem glutenfreien Hafer. Der Grund, ich hab im Anschluss immer einen komischen Bauch. Nicht, so stark, wie wenn ich Gluten erwische, aber dennoch komisch.

    Das doof nur, ich mag Porridge.. Aber zwei Mal im Jahr Waage ich mich dann doch da dran 🙂

    • Anna Reply

      Lieber Martin,

      es freut mich so sehr, dass dir der Beitrag gefällt und auch hoffentlich in Zukunft helfen kann, wenn mal wieder eine Hafer-Diskussion geführt werden muss! 🙂 Vielleicht wissen auch viele nicht, wie sehr wir mit Zöliakie wirklich auch auf mögliche Spuren achten müssen.

      Hmm, manche Zöliakie-Betroffene reagieren wohl auch auf das Avenin im Hafer. Oder die Ballaststoffe überfordern deinen Körper, wenn du Hafer isst. Das sind natürlich nur Vermutungen! Die DZG (unsere deutsche Zöliakiegesellschaft) weist auch darauf hin, dass man zu Beginn glutenfreien Hafer mit ärztlicher Betreuung in seinen Speiseplan aufnehmen soll. Die IG Zöliakie vertritt da die gleiche Auffassung.

      Ich bereite seit einiger Zeit mein Porridge morgens aus Reisflocken zu (auch extra glutenfrei gekennzeichnet) – die vertrage ich manchmal auch besser, als eine große Portion Hafer. So müsstest du zumindest nicht auf dein geliebtes Porridge verzichten! 🙂 Du kannst ja für den Geschmack immer noch ein paar glutenfreie Haferflocken untermischen.

      Viele liebe Grüße
      Anna

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