Eine Beerenwanderung im Eichtalpark, Hamburg

[Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung für die Kräuterwanderungen einer Freundin.]

Etwas verschlafen liegt der Eichtalpark im Stadtteil Wandsbek heute Morgen da. Vereinzelt trifft man auf Jogger oder Hundebesitzer, die mit ihren Vierbeinern die Ruhe genießen. Nur die Vögel zwitschern wie verrückt um die Wette! Bevor die anderen Teilnehmenden dazustoßen, drehe ich mit Caro schon eine Runde und suche die besten Beeren- und Kräuterstellen. Ca. 7,5 Hektar ist der öffentliche Park groß – dazu kommen noch ca. 2,5 Hektar des Botanischen Sondergartens, dessen Besuch sich für eine Entdeckungstour genauso lohnt! Ganz schön malerisch fließt die Wandse durch die grüne Oase – hier und da gibt es Brücken, um ans andere Ufer zu kommen. Vorbei geht es an Weiden, Eiben, Mädesüß, Brennnesseln, Giersch und Spitzwegerich – ich bin völlig baff von dem geballten Pflanzenwissen, was aus Caro, der Pflanzenfrau, heraussprudelt. Um ehrlich zu sein, habe ich mir vorher noch nie Gedanken darüber gemacht, ob und wie man Vogelbeeren, Mehlbeeren, Kornel- und Taubenkirschen verzehren kann.

Wildbeeren und Kräuter erleben in der letzten Zeit ein richtiges Revival. Seitdem clean eating, grüne Smoothies und gesunde Ernährung wieder im Kommen sind, erleben auch Wildkräuter und Beeren wieder mehr Zuneigung. Und wisst ihr was? Hamburg ist wirklich essbar! 😊 Auf einmal ist das schnöde Grünzeug am Wegesrand viel mehr als das. Vitaminbomben mit den verschiedensten Superkräften warten quasi nur darauf gepflückt zu werden. Superfoods 4free soviel man mag!

Beeren im Eichtalpark, Hamburg

Während ich als Kind oft nur mit einem Ohr zugehört habe, als mir meine Mama auf Spaziergängen die verschiedensten Kräuter gezeigt hat, wünsche ich mir heute, dass ich damals doch etwas mehr bei der Sache gewesen wäre. Es ist jetzt nicht so, als wenn ich wie ein völliger Kräuter-Noob durch die Gegend laufe, aber hätte bestimmt noch mehr im Kopf behalten können – allerhöchste Eisenbahn, das eingestaubte Wissen wieder hervorzukramen! Da kommt die Beerenwanderung doch wie gerufen! 🙂

Ca. 1,5 Stunden geht es durch den Eichtalpark – geballtes Beeren- und Kräuterhexenwissen inklusive. Welche Blüten, Beeren und Kräuter kann ich essen und von welchen lasse ich besser die Finger? Welche sind süß, welche sind bitter? Was bewirken Bitterstoffe überhaupt im Körper? Was kann dieses oder jenes Pflänzchen und welche Vitamine sind enthalten? Fragen über Fragen, die Caro beantwortet und erklärt. Ich versuche möglichst schnell alles mitzuschreiben und mir im besten Fall auch noch die Pflanzen dazu zu merken – um ehrlich zu sein, ist mir wahrscheinlich nur ein Bruchteil im Kopf geblieben. Aber alleine das reicht aus, um auf meinen morgendlichen Spaziergängen das ein oder andere Kräutchen wiederzuerkennen!

Hopfen

Automatisch geht beim Wort Hopfen wahrscheinlich jedem Bierfreund das Herz auf! 😊 Ich musste dabei bisher immer an die weiten Hopfenplantagen in Bayern in der Hallertau denken. Rechts und links der Wege erstrecken sich die Plantagen soweit das Auge reicht! Aber habt ihr schon einmal wildwachsenden Hopfen gesehen? Meist wächst er an Waldrändern und Böschungen – leicht zu erkennen an den typischen zapfenförmigen Fruchtständen, die an kleine Lichterketten im Gebüsch erinnern. Wie ihr es schon ahnen könnt, kann die Pflanze jedoch noch viel mehr, als bei der Bierherstellung zu helfen. Die jungen, grünen Hopfentriebe sollen spinatartig schmecken – schonend in Salzwasser gegart gelten sie als Delikatesse.

Dazu wird Hopfen auch eine heilende Wirkung nachgesagt. Ein richtiges Allround-Talent, oder? Seine beruhigende Wirkung verdankt der Hopfen dem in den Hopfenzapfen enthaltenen Lupulin. Dafür werden die Zapfen getrocknet und im Ganzen z.B. als Tee verwendet. Aber Achtung: Nicht für jeden Geschmack ist der Hopfentee (im wahrsten Sinne des Wortes) etwas – die enthaltenen Bitterstoffe sind besonders zu Anfang schon gewöhnungsbedürftig! Neben der beruhigenden Wirkung soll der Hopfentee auch Magenkrämpfe und Menstruationsbeschwerden lindern – vielleicht sollte ich ihm doch noch einmal eine Chance geben.

getrocknete Hopfenblüten
Getrocknete Hopfenblüten können mit kochendem Wasser als Tee aufgegossen werden.

Eibe

Normalerweise schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn ich „Eibe“ höre. Das ist soweit auch richtig, aber wusstet ihr, dass man die roten Beerchen essen kann? Mich kostet es unheimlich Überwindung, aber sie sind echt super lecker und zuckersüß! Aber Achtung: So ganz abwegig ist das mit der Vorsicht nicht – nur das rote Fruchtfleisch ist genießbar. Weder den Kern noch andere Pflanzenteile sollte man essen und im besten Fall auch nicht auf den Kern beißen, da dann das giftige Taxin austritt! Also Fruchtfleisch abnagen und den Kern ausspucken!

Eibenbeeren

Weide

Während ich die Weide bisher eher als unscheinbaren und je nach Sorte recht hübsch anzusehenden Baum wahrgenommen habe, kann insbesondere die Rinde viel viel mehr als das! In ihr steckt nämlich Salicylsäure, die fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzstillend wirkt. Sollte euch also bei eurem nächsten Spaziergang ein fieser Kopfschmerz überkommen, könnt ihr es ja mal mit einem Ästchen Weide probieren! Möglicherweise ist die Wirkung nicht so stark, wie bei bekannten Schmerzmitteln, aber auf einen Versuch kommt es an, oder? Wie heißt es so schön – die Menge machts! 🙂

Weide im Eichtalpark, Hamburg

Brennnesselsamen

Wer hätte es gedacht? Während es sich ja schon langsam herumgesprochen hat, dass man die fies brennenden Brennnesselblätter nicht nur zu spinatartigem Gemüse, in Smoothies und frittiert als crunchigen Snack verputzen kann, habe ich die länglichen Samen bisher nie beachtet! Aber auch diese sind essbar und stecken dazu auch noch voller Vitamine! Mit ihrem leicht nussigen Aroma eignen sie sich nicht nur als Zutat für einen grünen Smoothie oder ein leckeres Pesto, sondern auch als Snack oder Salattopping!

Die Samen können auch super getrocknet werden – im leistungsfähigen Mixer zu Pulver verarbeitet, kann man dies so vielseitig einsetzen. Bei der Ernte sollte man darauf achten, vorzugs­weise die Früchte der weib­lichen Brenn­nesseln zu erwischen (Ja, auch hier gibt es Männlein und Weiblein! :-). Diese sollen nähr­stoff­reicher sein. Im Gegensatz zu den männlichen Samen hängen diese rispen­artig an den Brenn­nesseln herab.

Brennesselsamen

Zeder

Auch wenn Zedern nicht unbedingt in Deutschland heimisch sind, kann ein wunderhübsches Exemplar im Botanischen Sondergarten bestaunt werden! Wie Kerzen ragen die Zapfen empor, die Nadeln schimmern in einem hübschen Türkis! Wusstet ihr, dass man die Nüsse genauso wie Pinienkerne essen kann? Nein? Ich bisher auch nicht. 🙂

Und falls ihr euch wundern solltet – nein, wir haben natürlich nicht in die Zapfen gebissen. Super gut vorbereitet, hat Caro eine Tüte der kleinen Nüsse aus ihrer Tasche gezaubert. Sie sind eine gute Ballaststoffquelle, reich an ungesättigten Fettsäuren und eignen sich wunderbar für die Zubereitung von Pestos! Falls ihr sie mal testen und nicht unbedingt online bestellen möchtet, könnt ihr auch bei DM Glück haben – je nach Filiale findet ihr die Zedernnüsse auch dort!

Zapfen einer Zeder

Wie siehts aus? Habt ihr schon einmal an einer Kräuter- oder Beerenwanderung teilgenommen? Ich bin mir sicher, dass das nicht meine letzte Entdeckungstour dieser Art war – es gibt noch so viel zu entdecken und so viele Kräutchen kennenzulernen! Würde es euch interessieren, wenn ich hier in Zukunft immer mal wieder Kräuterhexenwissen mit euch teile und die ein oder andere Wildpflanze vorstelle und verrate, was man mit ihr auch kulinarisch anstellen kann? Erzählt es mir gerne in den Kommentaren!

In meinen kulinarischen Hamburg-Beiträgen nehme ich euch mit auf meine glutenfreie Entdeckungstour! Von Restaurants bis hin zu Cafés gibt es hier auch alles, was das glutenfreie Herz höherschlagen lässt!

Folgt ihr mir eigentlich schon auf Instagram und Facebook? Ich freue mich, wenn wir uns auch dort vernetzen!

Eure Anna ♥


Info:

Ich habe bereits im vergangenen Jahr im späten Sommer/ frühen Herbst an der Beerenwanderung teilgenommen. Mit dem darauffolgenden Lockdown waren natürlich auch die Beeren- und Kräuterwanderungen nicht möglich. Unter den aktuellen Voraussetzungen werden die Führungen jedoch wieder angeboten – je nach Saison lernt ihr innerhalb der Tour natürlich auch andere Kräuter und Beeren kennen. Während im Frühling vor allen Dingen die Kräuter im Vordergrund stehen, werden im Laufe des Jahres immer mehr Beerchen reif! Also lasst euch überraschen, welche Pflanzen es aktuell zu entdecken gibt!

Falls ihr Interesse an einer Wanderung mit Caro habt, stehen bereits am kommenden Wochenende wieder zwei Termine in Hamburg zur Auswahl. Caro freut sich, euch in die Welt der Wildpflanzen mitzunehmen und euch zu zeigen, dass Hamburg wirklich essbar ist! 😊  

Hier könnt ihr euch auf Caros Blog über die anstehenden Touren, Treffpunkte und Preise informieren!

2 Comments

    • Anna Reply

      Liebe Caro,

      sehr, sehr gerne! Ich wollte ihn so lange schon geschrieben haben, aber durch den Lockdown wäre es ja auch blöd gewesen. Da fand ich es so passend jetzt pünktlich zu den wieder stattfindenden Touren!

      Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht! Ich hoffe, dass wir bald mal wieder eine Tour gemeinsam machen!

      Viele liebe Grüße
      Anna <3

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