Praktische Tipps für deine erste Nepalreise

„Hätte ich das gewusst“

Während für viele der Nepal-Reisenden Trecking ganz oben auf der To-Do-Liste steht, bedeutet es für mich meist eher das Treiben lassen durch eine völlig andere Kultur, das Schlendern durch Kathmandus Straßen und Umrunden von Stupas, Drehen von Gebetsmühlen, Nachmittage mit gutem Kaffee und einem Blick auf den Phewa-See in Pokhara. Nepal kann dich jeden Tag aufs Neue überraschen, verzaubern aber auch ganz schön nachdenklich machen und überfordern. Alle Extreme liegen hier ganz nah beieinander – manchmal scheint das Sprichwort „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ wie für Nepal gemacht zu sein.

Seit Jahren hatte ich diesen wahnsinnigen Wunsch, nach Kathmandu zu reisen. Warum? Weiß ich nicht! Er war einfach da. Im vorletzten Jahr war es dann endlich soweit – Kathmandu und ich sollten uns endlich kennenlernen.

So viele Gedanken hatte ich im Kopf! Fragen, Vorfreude und Euphorie, aber auch Ungewissheit. Wie geht man richtig mit Gebetsmühlen um, ohne direkt in ein Fettnäpfchen zu springen? Wie sieht es nach dem Erdbeben aus? Sieht man noch viel davon? Fragen über Fragen, die auch vielleicht euch durch den Kopf geistern, wenn ihr an eure erste Reise nach Nepal denkt.

So verrate ich euch einige Tipps, die mir damals vor meiner ersten Begegnung mit Nepal weitergeholfen haben, oder die ich einfach schon gerne gewusst hätte.

  1. Impfungen

Ganz ehrlich? Bei Impfungen kann ich euch weder zu-, noch abraten. Hier orientiere ich mich immer selbst an den Empfehlungen des Centrums für Reisemedizin und bespreche das Thema persönlich mit meinem Hausarzt. Glücklicherweise habe ich früher schon vor anderen Reisen bei allen möglichen Impfungen laut „Hier!“ gerufen, so dass ich noch alle empfohlenen Impfungen hatte und mir keine zusätzlichen Sorgen machen musste.

  1. Einreise und Visum

Visa on arrival

Für die Einreise müsst ihr euch nicht unbedingt schon von zu Hause aus um euer Visum kümmern – das  Visa on arrival könnt ihr bequem nach eurer Landung in Kathmandu beantragen. Je nach Ansturm kann das mal schneller gehen – oder auch Ewigkeiten dauern.

Passfoto

Auf jeden Fall braucht ihr für die Beantragung des Visums ein (biometrisches) Passfoto und zwei ausgefüllte Formulare. Eins davon ist die Einreisekarte, die meist schon im Flugzeug verteilt wird, so dass ihr sie da schon ausfüllen könnt. Ein anderes Formular liegt in der Ankunftshalle bereit und muss dort noch nach der Ankunft ausgefüllt werden. Wenn man alles eingetragen hat, geht es zum ersten Schalter, an dem das Visum bezahlt wird. Die Gebühr kann in allen möglichen gängigen Währungen zum jeweiligen Tageskurs entrichtet werden – somit auch in Euro. Ich empfehle euch, ein bisschen Kleingeld dabei zu haben, sonst bekommt ihr das Wechselgeld wahrscheinlich in einzelnen Dollar wieder. Von hier aus geht es mit der Quittung in die nächste Schlange, wo ihr dann euer Visum bekommt.

Apropos Passfoto: Wenn ihr eh schon ein Passfoto dabei habt, kann ein zweites auch nicht schaden, wenn ihr euch im Laufe euerer Reise noch eine nepalesische Sim-Karte besorgen möchtet. Hierfür wird ein Passfoto und eine Kopie eures Reisepasses benötigt!

Gepäckabschnitt

Verwahrt den Gepäckabschnitt, den ihr beim Einchecken bekommt – wenn man den Flughafen in Kathmandu verlassen möchte, wird kontrolliert, ob das Gepäck, das man auf seinem Gepäckwagen hat auch wirklich zu dem jeweiligen Zettelchen passt.

  1. Hallo & Tschüss

Begrüßt wird sich mit zusammengelegten Händen vor der Brust und einem freundlichen Namasté. Nach einigen Tagen in Kathmandu habe ich zum ersten Mal dann auch Namaskar gehört – bevor ich jetzt mit Erklärungsversuchen der spirituellen Bedeutung der Unterschiede zwischen Namasté und Namaskar anfange, mache ich es in der Kurzform: Namaskar wird meist benutzt, wenn es etwas höflicher zugeht. Und ja, ich habe es meist nur Männer zueinander sagen hören. Ich bin die ganze Zeit gut damit gefahren, dass ich zur Begrüßung und auch zur Verabschiedung Namasté gesagt habe.

  1. Wie komme ich in die Stadt?

Die Frage hat sich so bei mir noch nie gestellt, da ich glücklicherweise immer von meiner Gastfamilie abgeholt wurde. Solltet ihr nun aber kein Shuttle vorher organisiert haben, ist es dennoch kein Grund zur Verzweiflung. Wenn man aus der Ankunftshalle rauskommt, stehen auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf dem Parkplatz genügend Taxen bereit, die euch in die Stadt bringen. Die Preise sind auf dem Parkplatz auf einer großen Tafel angeschrieben – natürlich probieren die Fahrer hier die ein oder anderen 100 Rupien mehr zu verlangen. Generell sollte man für die Strecke Flughafen – Thamel um die 500 Rupees bezahlen. Solltet ihr euch übers Ohr gehauen fühlen, könnt ihr auch noch ein Stückchen bis zur Straße gehen und da nach einem Taxi Ausschau halten.

Generell gilt hier aber auch wie sonst auf euren Reisen: Steigt nicht in ein Taxi ein, bevor ihr vor der Abfahrt nicht den Preis ausgehandelt habt!

  1. “It’s all about the money, money, money….”

Geld wechseln & abheben

Hierfür gibt es unzählige Wechselbüros und ATMs – der Tageskurs ist meist überall gleich. Auf dem Land wird es schon etwas schwieriger – vor einer Tour solltet ihr dann die Möglichkeiten in den größeren Städten wie Kathmandu und Pokhara nutzen, um an Rupien zu kommen. Während ich bei meinem ersten Besuch immer noch Geld mit der Kreditkarte abgehoben und fleißig Gebühren gezahlt habe, war ich nun bei den letzten beiden Reisen mutiger und hatte Bargeld bei, das ich je nach Bedarf umgetauscht habe. Mit den ATMs hatte ich nie schlechte Erfahrungen – Gott sei Dank wurde währenddessen weder der Strom abgedreht, noch waren die Automaten leer. You never know!

  1. Straßenverkehr

Vorsicht: Linksverkehr!

Wenn ihr das erste Mal wieder die Straßen im Linksverkehr überqueren wollt, achtet darauf, zur richtigen Seite zu gucken. Und ja, das Straße-Überqueren ist auch schon alleine ein Thema für sich. Hier gilt auch oft als Fußgänger die Devise „Wer bremst, hat Angst“. Natürlich sollte man nicht todesmutig vor jedes Auto springen, aber ein bisschen Entschlossenheit muss man schon mitbringen, wenn man nicht stundenlang am Straßenrand verharren möchte. Guckt euch die Tricks der Nepalis einfach ab und überquert die ersten Male doch gemeinsam die Straße. Ich verspreche euch: Das hat man schnell drauf!

Zebrastreifen gibt es zwar an manchen Stellen, jedoch sind das eher Empfehlungen, als Verkehrsregeln, die beachtet werden – nach kurzer Zeit erkennt man eh nur noch das Schild am Straßenrand, wenn die Staubschicht die Steifen auf dem Boden schon lange unsichtbar gemacht hat.

  1. Bus fahren

Zumindest ein Mal sollte man in Kathmandu mit dem öffentlichen Bus fahren: Es ist auf jeden Fall ein Highlight, das man so schnell nicht vergessen wird. Einen Fahrplan gibt es nicht wirklich – die Begleiter der einzelnen Busse hängen einfach recht (über)mutig aus der Schiebetür raus und schreien die jeweiligen Haltestellen des klappernden Gefährts in die Menschenmenge, die am Straßenrand steht. Ich muss zugeben, dass ich das erste Mal nicht ohne eine Begleitung eingestiegen wäre, die die Wortfetzen verstanden hat.

Und ja, der Bus ist niemals voll! Auch, wenn man meint, dass man keinen Platz mehr findet, sitzt man schneller auf dem Schoß eines anderen, als man gucken oder versuchen kann, irgendwie sein Gleichgewicht zu halten.

Für längere Strecken z.B. nach Pokhara empfehle ich euch auf jeden Fall, ein Ticket für einen Touristbus zu buchen. Bei manchen Unternehmen heißt das zwar noch nicht automatisch, dass die Windschutzscheibe nicht schon gerissen ist und auf dem Highway manch atemberaubendes Überholmanöver gestartet wird. Aber ja, man fühlt sich teilweise schon etwas sicherer!

  1. Erdbeben

Das Erdbeben von 2015 hat mich besonders vor meiner ersten Reise sehr beschäftigt. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf. Sieht man noch viel davon? Was mache ich, wenn die Welt noch einmal anfängt, sich zu schütteln? Kann man mit den Menschen darüber sprechen?

Ich habe es in kleinen Schritten versucht, mit meiner Gastfamilie über das Thema zu sprechen. Ich wollte keine Erinnerungen wachrütteln, die sie vielleicht aufs Neue verletzten würden. Aber meine Gastmutter hat damals sehr gefasst reagiert und mir den Tag des Erdbebens genau beschrieben. Ihnen ist hier in Kathmandu Gott sei Dank nicht viel passiert – in ihrem Dorf, aus dem sie kommen, sah es da teilweise schon ganz anders aus. Ich bewundere es, wie offen sie mit mir darüber sprechen konnte. Das heisst aber noch lange nicht, dass jeder das so kann. Seid bei dem Thema vielleicht etwas sensibler, als ihr es eh schon seid und fragt bei großem Interesse nach und nach, ob es überhaupt in Ordnung ist, über das Thema zu sprechen.

Hier und da werdet ihr auch bald drei Jahre danach immer noch Spuren sehen. Zwischen neu verputzten Häusern taucht hin und wieder ein komplett in sich zusammengefallenes Haus auf. Heute erinnere ich mich noch daran, wie geschockt ich war, als ich das erste Mal die Straße zur Stupa in Boudha entlanggefahren bin. So viel lag hier in Schutt und Asche. Aber nein, beruhigte mich meine Gastmutter – hier wurden die Spuren des Erdbebens schnell beseitigt. Die Leute müssen ihre Häuser zu einem Teil zurückbauen (auf gut Deutsch zu einem Teil abreißen), weil die Straße verbreitert werden soll. So weiß man manchmal gar nicht, ob es noch Spuren vom Erdbeben oder andere Baumaßnahmen sind, die man gerade links und rechts neben der schlaglochdurchzogenen Straße sieht.

  1. Gebetsmühlen und Prayers Flags

Hach, beides ist so typisch Nepal für mich! Mein Herz ist ein wenig gehüpft, als ich das erste Mal eine dicke Gebetsmühle gedreht und meine guten Wünsche in den Himmel geschickt habe! Gebetsmühlen werden immer im Uhrzeigersinn gedreht. Im Inneren befinden sich unzählige Papierseiten mit aufgedruckten Gebeten und Matras, die durch die Bewegung quasi freigesetzt werden.

In dieselbe Richtung, wie man die Gebetsmühlen dreht, läuft man auch um eine Stupa herum! Aber keine Angst: Bei eurem ersten Gang um die Stupa (besonders in Boudha) kann eigentlich nichts schief gehen – die Menschenströme werden euch schon die richtige Richtung von ganz allein zeigen!

  1. Handeln

Wenn man die fliegenden Tigerbalmhändler, Kettenverkäufer oder Geigenspieler, die einem ihre quietschenden Exemplare gerne direkt entgegenstrecken, ausblendet,  ist das Einkaufen in Nepal recht entspannt. Außer in Supermärkten, Fixed Price Shops, an Obst- und Gemüseständen und Apotheken habe ich glaube ich nie etwas gekauft, ohne zu handeln. Das Handeln gehört in Nepal einfach dazu!

Im Vergleich zu Basaren oder Märkten in anderen Ländern, kann man hier aber meist etwas entspannter an die Sache rangehen. So wirklich penetrant ist hier niemand, wenn man sich nicht offensichtliches Interesse für einen bestimmten Artikel anmerken lässt oder direkt mit dem Finger auf ein bestimmtes Teil zeigt. Während ich am Anfang immer Hemmungen hatte, in einem Shop nach dem Preis zu fragen, hat es mir bei den ersten Einkäufen geholfen, wenn ich meinen Gastbruder im Schlepptau hatte und wir so eher „Nepali-Preise“ bekommen haben. Solltet ihr die Möglichkeit haben, mit einem Nepali die erste Runde durch Thamel zu drehen, lege ich euch das sehr ans Herz! So bekommt man einen ersten Eindruck, was die Preise angeht und ist für seine ersten eigenen Verhandlungsversuche in den nächsten Tagen gewappnet.

Ich kann euch nur ein paar Tipps geben, die bei mir immer gut funktioniert haben:

  • Bringt Zeit mit und seid offen und freundlich! Mit einem Lächeln und freundlichen Augenzwinkern macht das Einkaufen um einiges mehr Spaß, als wenn ihr nur stur durch die kleinen Gassen lauft.
  • Kauft nicht direkt, sondern informiert euch erst einmal über die Preise.
  • Wenn ihr wisst, dass ihr in dem Laden eh was kaufen werdet, nehmt die Einladung zum Tee gerne an! Schwarzer Tee heisst “Kālō ciyā“ (gesprochen: Kalu tschia)! Bei einem Tee kommt man mit seinen Lieblingshändlern schnell ins Gespräch. Man quatscht über Gott und die Welt, über die Familie und zeigt sich gegenseitig Bilder von zu Hause. Und ja, so ganz nebenbei werden dann auch mal die Preise angesprochen – und natürlich verhandelt. Ein paar Brocken Nepali können dabei nie schaden! Selbst, wenn es nur „Danke“, „Einverstanden“, „Ja“ oder „Nein“ sind. Das bringt Sympathiepunkte!

  1. Die linke Hand ist unrein

Beim Essen wird Europäern meist automatisch Besteck zum Essen gebracht. Solltet ihr Dal Baht jedoch einmal wie ein Nepali essen wollen, gehört die linke Hand nicht ins Essen! Mit der rechten Hand werden kleine Häppchen aus Reis und Linsensoße mit verschiedenen Beilagen geformt, die dann bequem in den Mund befördert werden. Keine Angst, bei jedem geht bei den ersten Versuchen was daneben!

  1. Geduld

„There is no train in Nepal! Why to hurry? Der Satz meines Gastbruders beschreibt das Thema eigentlich ganz schön! Treffender könnte ich es nicht formulieren. Ich kann euch versprechen, dass eure Geduld auf der Reise das ein oder andere Mal bestimmt auf die Probe gestellt wird! Manchmal fängt es schon direkt bei der Einreise am Flughafen an, wenn man sich fragt, warum von unzähligen Schaltern bei der Passkontrolle und Ankunft eines riesigen Flugzeuges vielleicht nur fünf Beamte im Dienst sind. Oder wenn man stundenlang auf dem staubigen Highway an Kathmandus Stadtgrenze im Stau steht und sich die ganze Zeit fragt, ob man zu Fuß nicht schneller wäre.

Auch Susanne vom Blog Flügge hat sich nach ihrer Reise nach Nepal in ihrem aktuellsten Artikel „Lektionen in Geduld“ mit dem Thema auseinander gesetzt. Sie erzählt von Begegnungen in Bussen und mit Sadhus – und eben vom Warten und der Geduld.

 

Wart ihr auch schon einmal in Nepal und habt noch Tipps, was man bei der ersten Reise dorthin alles beachten sollte? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

Eure Anna ♥


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Anna

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