Glutenfrei auf… Kreta, Griechenland

Tipps für Chania & Umgebung

[Der Artikel enthält Werbung für Restaurants in Chania, die glutenfreie Gerichte anbieten.]

 

Lange hat mich ein Reiseziel bei der Planung nicht mehr so unsicher im Hinblick auf glutenfreies Essen gemacht, wie Kreta. Während die Google-Suche bei anderen Destinationen ellenlange Listen mit Restaurantempfehlungen ausspuckt, fällt das Suchergebnis im Hinblick auf die größte griechische Insel recht mau aus.

Auf der einen Seite könnte man meinen, dass sich Restaurants und Cafés entsprechend des Trends oder der Nachfrage orientieren und das Angebot auch für allergische Gäste gut ausgebaut ist. In Wirklichkeit stellt man aber fest, dass das Thema „glutenfrei“ auf Kreta bisher nicht so eine große Rolle spielt, wie man es von anderen Orten kennt.

Sobald man aber ein paar Tipps im Hinterkopf behält und mit offenen Augen über die Insel zieht, wird jeder schnell feststellen, dass man eigentlich gar nicht hungrig zu Bett gehen muss und man auch außerhalb der eigenen vier (Ferien-)Wände meist immer auch etwas Glutenfreies findet. Wie heißt das Sprichwort so schön? Wer lange sucht und geduldig ist, findet auch etwas? Naja, so oder so ähnlich muss es wohl sein. Zumindest trifft das auf Kreta zu.

Lokale Küche und Getränke

Natürlich findet man auf fast jeder Speisekarte alles, was das Meer und die griechische Küche an traditionellen Gerichten zu bieten hat. Für die fleischlose Variante steht der typische griechische Salat ganz hoch im Kurs – grüne Paprika, Gurke, Tomate, Oliven und Schafkäse. Manchmal sind ja auch die ganz einfachen Gerichte das Highlight des Tages. Aber Achtung: Besonders in den traditionellen Gerichten versteckt sich oft Gluten.

Moussaka und andere Aufläufe werden meist mit einer Béchamelsauce zubereitet und auch die kleinen „Reis“-Nudeln Kritharaki werden nicht aus Reis, sondern Hartweizen hergestellt. Hier muss also genau aufgepasst werden, was in die Töpfe und Pfannen wandert. Ich selbst hatte durch die Wärme tagsüber nicht den größten Hunger und war glücklich, wenn ich mit einem kühlen Frappe in der Hand an einen hübschen Hafen oder eine urige Gasse setzen konnte. Und wenn einen doch der kleine Hunger überkommt, kann man meist zumindest immer einen erfrischenden griechischen Salat essen – natürlich müsst ihr hier immer im Auge behalten, auf was für Brettchen er geschnitten wird und dass ihr bei zusätzlicher Laktoseintoleranz Laktase dabei habt, wenn ihr den Feta darin essen möchtet.

Ich denke immer noch so gerne an die kleine Mittagspause irgendwo im Nirgendwo in der Nähe von Kissamos. Schon auf dem Hinweg in Richtung Süden nach Elafonissi habe ich das kleine Dörfchen und die Taverne mit einem dicken Baum vor der Türe ins Herz geschlossen. Da war doch klar, dass hier auf dem Rückweg angehalten wird. Typischer kann ein kleiner Zwischenstopp wohl nicht sein – eine kleine Runde von Männern sitzt im Schatten der Bäume – in der Nachmittagshitze wirkt das Dörfchen wie ausgestorben. Ab und zu kommt ein Auto vorbei.

Ein uriger Familienbetrieb im typisch griechischen Stil. Das Mädchen des Hauses scheint gerade aus der Schule gekommen zu sein und bringt uns freudestrahlend die Karte – nach einem Hello war es das aber auch mit den Englischkenntnissen und die Verständigung klappt irgendwie trotzdem mit Händen und Füßen. Sonst wird halt einfach gelächelt und ich gehe mit rein um zu zeigen, was wir essen und trinken wollen (und ich nutze die Gelegenheit, um genau zu beäugen, wie die Sachen zubereitet werden😊).

Generell wird besonders in den typischen Tavernen ein Körbchen Brot zum Essen bereitgestellt – natürlich ist das nichts für Zöliakiebetroffene, aber hier muss zusätzlich noch Acht gegeben werden, da meist auch das Besteck hier herein gelegt wird. Also noch einmal sauber machen, bevor man davon isst, um keine Mehlspuren oder Krümel an Gabel und Messer zu haben.

Grundsätzlich gelten hier die gleichen Tipps, wie ich sie euch schon einmal in einem meiner vorherigen Artikel aufgeschrieben habe. Eine griechische Bitte an den Koch findet ihr bei Celiactravel – ich glaube, es kann nicht schaden, diese auszudrucken oder zumindest zur Sicherheit auf dem Handy zu speichern!

Supermärkte

Besonderen Respekt hatte ich vor dem Angebot an gluten- und laktosefreien Lebensmitteln im Supermarkt. Aber auch hier gilt das Gleiche wie schon oben erwähnt: Wenn man nicht viel erwartet, wird man nur positiv überrascht (oder zumindest nicht enttäuscht). Dennoch rate ich euch generell, genügend Vorräte von zu Hause mitzubringen – besonders leckeres glutenfreies Brot ist in meinen Augen Mangelware auf Kreta 🙂 .

Mein erster Supermarktbesuch hat mich in den kleinen ΣΥΝ.ΚΑ-Supermarkt in Kalyves geführt. Nach einem kleinen Dämpfer in der Obst- und Gemüseabteilung, in der man befürchtet hat, dass der Salat bald ein Eigenleben entwickelt, war ich von dem restlichen Angebot aber positiv überrascht. Von typischen griechischen Süßigkeiten wie Honig-Sesam-Riegel und karamellisierten Nüssen gab es auch ein separates Regal mit glutenfreien Produkten. Mit Keksen, Pasta, Reisbrot und ein paar anderen Produkten kann man hier zumindest seine Vorräte, die man von zu Hause mitgebracht hat, aufstocken.

Mein absolutes Highlight war aber vor allen Dingen der laktosefreie Feta und Kakaodrink im Kühlregal! Wer sich von euch also auch laktosefrei ernähren muss, sollte hier auf jeden Fall die Augen offenhalten. 😊 Viele der Nussriegel sind hier auch extra mit der durchgestrichenen Ähre auf der Verpackung gekennzeichnet – das ist besonders dann eine großartige Hilfe, wenn man die griechische Schrift nicht entziffern kann und auf der Packung keine englische Übersetzung steht.


ΣΥΝ.ΚΑ-Supermarkt: Palea EO Chanion Rethimnou 56, Kalives 730 03, Griechenland


Aber selbst die kleinen Tante Emma Supermärkte hatten immer zumindest das ein oder andere glutenfreie Produkt im Sortiment – manchmal waren es Reiswaffeln und glutenfreie Pasta, manchmal das eingeschweißte Reisbrot. Ich muss zugeben, dass die Produkte auch für mich kein kulinarischer Hochgenuss sind – aber zumindest sind die Sachen glutenfrei und helfen in der Not.

Bei unserem Besuch in Rethymno haben wir auch einen kleinen Stopp im Lidl gemacht – irgendwie hat es mich schon interessiert, wie sich das Angebot hier von unserer bekannten Produktpalette unterscheidet. Der Großteil des Angebots ist eigentlich gleich – zusätzlich gibt es natürlich noch lokale Produkte wie z.B. die Honig-Sesam-Riegel, in die ich mich so reinlegen könnte! Speziell glutenfreie Produkte gibt es hier weniger als bei uns, aber zumindest gab es auch die glutenfreien Nudeln. Lidl-Fazit: Für frische Lebensmittel, griechischen Mokka, Oliven und einige Süßigkeiten kann man hier schon einmal stoppen.

 

Meine absoluten Lieblings-Restaurants in Chania

Theodosi

Wenn ich an den Abend im Theodosi denke, muss ich neben einem grandiosen Essen an einen so verrückten Hinweg denken. Ich hatte die ganze Zeit im Kopf, dass das Restaurant in Chania liegt. „In Chania“ bedeutet für mich in der Innen- bzw. Altstadt. Also wurde der Wagen im (völlig überteuerten!!) Parkhaus geparkt und nichtsahnend Google Maps für den restlichen Weg zu Fuß angeschmissen. 20 Minuten sollten ja wohl reichen, um das Restaurant in der Innenstadt zu finden – Pustekuchen! In Wirklichkeit liegt das Restaurant am ruhigen Stadtrand, ca. 2,5 km vom Zentrum Chanias entfernt. Aber anstatt wieder in das Auto zu springen und das Stück zu fahren, haben wir uns völlig motiviert zu Fuß auf den Weg gemacht und sind munter dem Richtungspfeil gefolgt.

Zunehmend wurden die Schritte langsamer und zahlreiche Schweißperlen ließen einen aussehen, als wenn man gerade noch schnell unter die Dusche gehüpft wäre. Kaum zu glauben, aber fast eine halbe Stunde zu spät sind wir dann auch völlig verschwitzt von unserem kleinen Dauermarsch im Theodosi angekommen – vor der Türe wären zumindest unzählige kostenlose Parkplätze gewesen.

Dafür hat sich vom ersten Moment an die ganze Anstrengung gelohnt – der Ausblick von hier oben auf Chania und auf das Meer ist unglaublich schön. Und ja, besonders großartig ist die Stimmung hier zum Abend, wenn sich die Sonne langsam hinter den Hügeln verabschiedet und das Wasser glitzern lässt.

Die Karte ist super gekennzeichnet – kleine Symbole erleichtern es einem, vegetarische, vegane, glutenfreie und Bio-Gerichte einfach zu finden. Dazu unterstützt das Servicepersonal einen auch gerne bei der Auswahl und weist noch auf mehr Gerichte hin, die in der Karte zwar nicht als glutenfrei gekennzeichnet sind, aber entsprechend angepasst werden können. Von den Kartoffelchips, bzw. Pommes wird mir abgeraten, da diese in der Fritteuse mit anderen Sachen zubereitet werden und eine Kreuzkontamination so nicht ausgeschlossen werden kann. Es wird auch zwischen glutenfrei- und glutenarm unterschieden – für diejenigen unter euch, die sich aus Diätgründen beispielsweise „nur“ glutenarm ernähren, steht ein hausgemachtes Fladenbrot aus Emmer auf der Speisekarte. Generell gibt es alles, was das Herz höherschlagen lässt.

Von einer Auswahl an typischen griechischen Gerichten, fleischhaltigen Speisen und Salaten gibt es natürlich auch eine Auswahl an Fisch- und Seafood! Als Starter entscheide ich mich für die Zucchiniblüten, die mit wildem Reis und Kräutern gefüllt sind. Vorweg kommen aufgebackene glutenfreie Brötchen mit Quinoa mit Bruschetta und Oliven – die Brötchen werden praktisch in Folie aufgebacken, so dass eine Kontamination ausgeschlossen wird. Als Hauptspeise entscheide ich mich für den gegrillten Octopus. Bei dem Wort Grill werde ich natürlich hellhörig – auf der Grillplatte werden aber wohl nur Dinge zubereitet, an die kein Gluten kommt. Aber zur Sicherheit könnt ihr euch bei einem Besuch im Theodosi noch einmal versichern, ob ihr das so mit Zöliakie essen könnt.

Immer wieder schweift mein Blick ab und ich ertappe mich selbst dabei, wie ich verträumt aufs Meer schaue. Leichte Vorhänge und eine moderne Einrichtung schaffen so eine gemütliche Atmosphäre, so dass man am liebsten gar nicht mehr aufstehen mag. Schon in Gedanken auf dem Rückweg in die Stadt (natürlich zu Fuß!) werden wir dann noch von einem kleinen Nachtisch überrascht – wer kann bei Schokomousse schon nein sagen? Mit einem süßen Dessertweinchen dazu wirklich noch die Krönung des Abends!

Ich bin absolut begeistert von diesem wundervollen Abend und dem liebevollen Service! Hier ist glutenfrei kein Problem und keine Fremdsprache, wenn man danach fragt.


Theodosi Paparigopoulou, Chania 731 00, Griechenland


Mon.Es

Ich glaube, die ersten Momente habe ich mit offenem Mund einfach völlig verzaubert im Innenhof gestanden und habe das wunderschöne Bauwerk und das so super stylisch gestaltete Restaurant bewundert. Das Mon.Es befindet sich mitten in den kleinen Gassen der Altstadt von Chania und ist Teil des Monastery Estate Venetian Harbour-Hotels. Zufällig kommt hier wohl kaum jemand vorbei, so versteckt liegt das kleine Juwel hier hinter altem Gemäuer.

Das Haus an sich war im 16. Jahrhundert das Zuhause eines venezianischen Edelmanns und wurde in der Zeit der türkischen Besatzung von einem Feudalherrn mit seinem Harem genutzt. Heute bietet das alte Gebäude 11 unglaublich schöne Suiten für seine Besucher und lädt zum Entspannen nach einem Stadtbesuch oder einem Tag auf der Insel ein. Man spürt die Geschichte, wenn man durch das Haus spaziert. Alleine ein Blick in die Lobby und das Mon.Es bringen mich schon zum Strahlen und Träumen. Eine Mischung aus Tradition, modernem, zeitgenössischem Stil und einem Hauch Luxus. Das kleine Hammam wurde zu einem Spa-Bereich umgebaut, der zwei Leuten Platz bietet. 

Es klingt super verrückt, aber ihr müsst auf jeden Fall das WC oder zumindest die Lobby besuchen. Während der Umbauarbeiten wurden alte römische Mauern entdeckt, die ca. im 1 n.Chr. gebaut wurden. Riesige Glasplatten decken den Antiken Boden ab und ermöglichen einem einen Einblick in das alte Gemäuer – quasi wie ein Museums-Restaurant! 😊

Das Menü des Mon.Es verbindet die traditionelle kretische Küche mit modernen Einflüssen. An sich ist die Speisekarte sehr schlicht und ohne viel Schnickschnack gehalten – eine Allergenkennzeichnung gibt es nicht. Dafür steht euch aber jederzeit eine Servicekraft beiseite, die sich perfekt mit den Zutaten und Inhaltsstoffen auskennt und euch gerne berät. Hier wird auch explizit noch einmal danach gefragt, ob man aus medizinischen Gründen glutenfrei isst, bzw. essen muss, so dass in der Küche noch einmal zusätzlich Acht bei der Zubereitung gegeben wird. Auch das Wort Kreuzkontamination ist hier kein Fremdwort! Hach, wenn nur jeder Restaurantbesuch so starten könnte und man sich überall so verstanden und sicher fühlen könnte!

Als Starter wird ein glutenfreies Brot mit einer Frischkäsecreme und ein kleiner Tomatensalat gereicht – dazu gibt es ein erfrischendes Gazpacho aus Tomaten, Cranberries und einem Hauch Pfeffer. Beim Hauptgang entscheide ich mich für den Octopus mit Süßkartoffelpüree und schwarzen Linsen. Eigentlich steht er als Appetizer auf der Karte, aber je nach Wunsch wird als Hauptgang einfach eine größere Portion gezaubert. Jedes Gericht für sich ist ein kleines Kunstwerk – wir sitzen ja auch schließlich irgendwie in einem Museum, oder?

Nach einer kleinen Verschnaufpause kommt der Nachtisch – eine Schokomousse mit karamellisierten Nüssen und Beeren und ein perfekt darauf abgestimmter Dessertwein auf Eis. Hach, darf ich bitte jeden Tag hier essen oder einfach für immer hier einziehen? Am liebsten würde ich die ganze Nacht über hier sitzen bleiben und mit einem leckeren Frühstück in den kommenden Tag starten. Und wo wir gerade beim Thema sind: Es gibt auch gluten- und laktosefreies Frühstück!


Mon.Es40, 4th Kallinikou Sarpaki Due, Chania 721 32, Griechenland


The Garden Paradise Taverna

Das kleine Restaurant in den Gassen Chanias haben wir eher durch Zufall gefunden. Nach einem Spaziergang entlang des Hafens unter der brennenden Sonne kam die kleine Oase in der Altstadt wie gerufen.

Zur Erfrischung zwischendurch und als kleine Stärkung für den Rückflug sollte es eigentlich nur ein frischer gemischter Fruchtsaft sein. Aber irgendwie habe ich beim Durchblättern der Speisekarte doch ein wenig Hunger bekommen. Etwas speziell Glutenfreies gibt es hier zwar nicht – dafür aber eine kleine Auswahl an Gerichten, die von Natur aus glutenfrei sind. Und ich gebe zu, dass ich wahrscheinlich nichts bestellt hätte, wenn der Kellner nicht so gut Englisch gesprochen und direkt verstanden hätte, worum es ging! Wirklich ein kleiner Glücksgriff! Da stand meinem glutenfreien Essen quasi nichts mehr im Wege – zum Abschied von Kreta habe ich mich dann noch einmal für Meeresfrüchte entschieden, die nur in Wasser, Olivenöl (was auch sonst:-)) und Kräutern gekocht wurden. In der Küche wurde noch einmal extra Bescheid gegeben, damit bei der Zubereitung wirklich nichts schief geht – und ja, es hat super geklappt!


The Garden Paradise Taverna – Portou 10, Chania 731 31, Griechenland


 

Wie ihr seht, kann man auch mit Zöliakie wunderbare Orte und Restaurants auf Kreta finden, die auch glutenfreie Gerichte anbieten! Manchmal muss man einfach ein bisschen länger suchen, um solche Schätze zu finden! Habt ihr ein bestimmtes Lieblingsrestaurant auf Kreta? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

Eure Anna ♥

 

 

Offenlegung: Ich wurde von den Restaurants Theodosi und Mon.Es eingeladen, um die glutenfreien Gerichte zu probieren und euch davon berichten zu können.


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