Aus dem Leben mit Zöliakie

Es gibt diese ganz bestimmten Gedanken, Situationen und Schlagworte, die wahrscheinlich nur Menschen mit Zöliakie sofort verstehen. Dinge, bei denen Betroffene augenblicklich wissen, was gemeint ist, während sie für Außenstehende völlig banal, übertrieben oder manchmal sogar absurd klingen. Fast wie kleine Insider des Zöliakie-Alltags.

Brotscheiben auf einem Teller. Zwei Hände nehmen sich eine Scheibe weg.

Wahrscheinlich versteht kaum jemand ohne Zöliakie, warum mich ein Brotkorb auf dem Tisch nervös macht. Warum ich innerlich zusammenzucke, wenn neben mir jemand seine knusprige Pizza schneidet. Oder warum ich in einer komplett glutenfreien Bäckerei plötzlich jeglichen Bezug zu Geld verliere, weil dort einfach alles essbar ist.

Und genau in solchen Momenten merke ich immer wieder, dass der Alltag mit Zöliakie einfach anders aussieht. Dass wir anders beobachten, anders mitdenken und auf Dinge achten, die für andere Menschen völlig nebensächlich sind. Auf Krümel, gemeinsame Messer, Schneidebretter oder die Art, wie Essen serviert wird. Man macht sich Gedanken über Situationen, über die man ohne die Diagnose wahrscheinlich nie nachdenken würde — nicht, weil man besonders vorsichtig sein möchte, sondern weil es irgendwann selbstverständlich geworden ist, auf all diese Dinge zu achten. Schließlich hängt die eigene Gesundheit daran.

knusprige Brotwürfel

Für Menschen mit Zöliakie laufen diese Gedanken irgendwann ganz automatisch mit. Wie dauerhaft geöffnete Tabs im Hintergrund, die man nie ganz schließen kann. Und genau deshalb finde ich es immer wieder faszinierend, wie viele Betroffene dieselben Situationen sofort verstehen oder bestimmte Begriffe direkt mit ganz bestimmten Gefühlen und Herausforderungen verbinden.

Wenn ich zum Beispiel einfach nur das Wort „Schneidebrett“ in den Raum werfe, werden die meisten Menschen vermutlich erstmal an Kochen denken. Menschen mit Zöliakie dagegen haben wahrscheinlich sofort ein ganz anderes Kopfkino. Genau das meine ich mit dieser gemeinsamen „Geheimsprache“, die viele Betroffene intuitiv verstehen, ohne dass man lange erklären muss, worum es eigentlich geht.

Sauberkeit in der glutenfreien Küche

Für viele Menschen sind das winzige Alltagssituationen, die kaum der Rede wert erscheinen. Für Menschen mit Zöliakie steckt dahinter dagegen oft viel mehr: ständiges Mitdenken, Hinterfragen und Organisieren. Und ich glaube, genau deshalb verbindet Betroffene oft mehr als nur die Diagnose selbst. Es sind diese alltäglichen Erfahrungen, Gedanken und kleinen Situationen, die man kaum erklären muss, weil andere Menschen mit Zöliakie sie sofort nachvollziehen können.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele von euch diese Situationen kennen — oder bei manchen Stichworten direkt wissen, was gemeint ist, oder?

1. Wenn der Brotkorb über den Tisch gereicht wird!
Alle greifen ganz selbstverständlich zu – und ich sitze da und hoffe einfach, dass keine Krümel auf meinem Teller und dem übrigen Essen landen. Auch schön: Wenn am Tisch knuspriges Brot oder Pizza geschnitten wird. Dieses Sorge, dass überall kleine Krümel herumfliegen… und man innerlich direkt in Alarmbereitschaft ist.

2. Croûtons
Auf dem Salat und die Angst, wenn der Teller aus der Küche zurückkommt – wurden sie nur runtergenommen, oder ist es wirklich ein neuer Salat?

3. Gibt es eine separate Fritteuse?
Die Frage aller Fragen!

4. Schneidebrettchen
Die meisten Menschen denken ans Kochen, Zöliakiebetroffenen geht eine ganze Reihe an Fragen durch den Kopf! Ist es aus Holz? Ist es aus Plastik? Was wurde darauf geschnitten? Wie wird es gereinigt? Wie sieht es mit Krümeln und Spuren aus?

5. Toaster
Für die meisten Menschen nicht mehr als ein praktisches Küchengerät, für Betroffene mit das erste Gerät, das nach der Diagnose ausgetauscht wird!

6. Linsen aussortieren
Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen… Zum Thema Linsen bei Zöliakie habe ich hier schon einmal einen ausführlichen Beitrag geschrieben!

Rote Linsen in einer kleinen Schale

7. Zutatenlisten lesen – immer!
Selbst bei Produkten, die ich seit Jahren kaufe. Einfach, weil sich jederzeit etwas ändern kann.

8. Snacks dabeihaben ist Standard
Ohne etwas „Sicheres“ in der Tasche fühle ich mich ehrlich gesagt nicht wohl. Ganz nach dem Motto: Besser haben als brauchen!

9. Das mulmige Gefühl, wenn etwas zu gut schmeckt!
Dieser eine Moment, in dem man stutzt, weil etwas zu normal schmeckt – und man sofort misstrauisch wird.

10. In einer 100 % glutenfreien Bäckerei stehen…
… und plötzlich komplett den Bezug zum Geld verlieren, weil einfach alles sicher ist. 

Kennt ihr entsprechende Situationen, Schlagworte und die damit verbundenen Herausforderungen? Habt ihr noch weitere Begriffe, die man wahrscheinlich nur mit Zöliakie auf eine bestimmte Weise versteht oder direkt weiß, was damit gemeint ist? Schreibt sie gerne in die Kommentaren! Ich freue mich darüber!

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Eure Anna ♥

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