Tipps für das Leben mit Zöliakie
Eine Zöliakie-Diagnose kann das Leben ganz schön auf den Kopf stellen. Plötzlich ist alles anders. Während das Thema Essen vor der Diagnose ganz selbstverständlich und nicht der Rede wert war, scheint sich von jetzt auf gleich alles nur noch darum zu drehen. Auf einmal muss man sich intensiv mit Zutatenlisten, Lebensmittelkennzeichnungen und so Dingen wie (Kreuz-)Kontamination beschäftigen. So viele Fragen, die einem durch den Kopf schwirren: Was darf ich noch essen? Muss ich jetzt auf alles verzichten? Und wie mache ich das bei Restaurantbesuchen oder Einladungen?

Auch wenn sich im ersten Moment alles überwältigend anfühlt: Schritt für Schritt findet man sich in das neue Leben mit Zöliakie ein. Niemand kennt von Anfang an alle Regeln oder erkennt jede Glutenfalle sofort. Mit jedem Einkauf, jedem selbst gekochten Gericht und jeder neuen Erfahrung wächst das Wissen. Nach und nach wird das Lesen von Zutatenlisten zur Gewohnheit, man lernt, worauf es im Restaurant ankommt und entwickelt ein sicheres Gespür für den glutenfreien Alltag. Kleine Fehler können gerade am Anfang passieren – wichtig ist, daraus zu lernen und sich nicht entmutigen zu lassen. Was heute noch kompliziert erscheint, wird schon bald ganz selbstverständlich sein und ehe man sich versieht, ist man selbst zum echten Glutenfrei-Profi geworden.
1. Sich schon vor der Diagnose glutenfrei ernähren
Viele Menschen vermuten bereits vor der ärztlichen Abklärung, dass Gluten ihre Beschwerden verursacht und stellen ihre Ernährung vorsorglich um. Das kann jedoch problematisch sein. Für eine sichere Diagnose müssen Betroffene weiterhin Gluten essen, da sich Antikörper und Veränderungen der Dünndarmschleimhaut unter einer glutenfreien Ernährung zurückbilden können. Eine zuverlässige Diagnose ist dann oft nur noch nach einer erneuten Glutenbelastung möglich.
Einen ausführlichen Beitrag zum Thema Glutenbelastung habe ich hier schon einmal geschrieben.

2. Cheat Days einlegen
„Ein bisschen Gluten wird schon nicht schaden“ denken sich manche kurz nach der Diagnose. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Tatsächlich kann bei Zöliakie bereits eine sehr geringe Menge Gluten ausreichen, um eine Immunreaktion in Gang zu setzen und die Dünndarmschleimhaut zu schädigen – auch wenn keine Beschwerden auftreten. Cheat Days sind bei Zöliakie also tabu. Auch an Weihnachten, im Urlaub und an Geburtstagen. Die goldene Regel bei Zöliakie: Die glutenfreie Ernährung muss konsequent und dauerhaft eingehalten werden! Zum Thema Cheat Days bei Zöliakie gibt es hier einen ausführlichen Beitrag.
3. Kreuzkontamination unterschätzen
Ein häufiger Fehler nach der Diagnose ist es, eine mögliche Kreuzkontamination zu unterschätzen. Auch ich musste nach der Diagnose erst einmal lernen, wo sich Gluten überall verstecken kann. Gemeinsam genutzte Toaster, Schneidebretter, Holzlöffel, Fritteusen oder Mehlstaub können dazu führen, dass glutenfreie Lebensmittel mit Gluten verunreinigt werden – bei Zöliakie echt ein Thema!
4. Zutatenlisten nicht jedes Mal lesen
„Einmal glutenfrei, immer glutenfrei“ gibt es nicht. Auch wenn man ein Produkt schon mehrfach gekauft hat und es bislang immer glutenfrei war, sollte man trotzdem immer wieder einen Blick auf die Zutatenliste werfen! Auch wenn es absurd klingen mag, ändern Hersteller hin und wieder die Rezeptur eines Produktes, so dass ein bislang glutenfreies Produkt von jetzt auf gleich glutenhaltig sein kann! Das ist mir im vergangenen Jahr zur Spargelsaison beispielsweise bei einer Sauce Hollandaise passiert! Also Augen auf bei jedem Einkauf!

5. Die Nachsorge vergessen
Mit der Diagnose ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Die wichtigste Therapie bei Zöliakie ist zwar die lebenslange glutenfreie Ernährung, aber auch regelmäßige Verlaufskontrollen gehören dazu. Sie zeigen, ob sich der Körper erholt, die glutenfreie Ernährung erfolgreich umgesetzt wird und helfen dabei, mögliche Nährstoffmängel frühzeitig zu erkennen.
Die erste Kontrolle erfolgt in der Regel etwa 6 Monate nach Beginn der glutenfreien Ernährung. Dabei werden unter anderem die Zöliakie-Antikörper sowie andere wichtige Blutwerte überprüft. Oft sind das Werte wie bspw. Eisen, Vitamin B12, Folsäure und Vitamin D. Bis sich alles normalisiert hat, finden die Kontrollen meist in halbjährlichen Abständen statt. Anschließend werden regelmäßige jährliche Checks empfohlen, um den langfristigen Verlauf im Blick zu behalten. Im Erwachsenenalter kann es auch ausreichen, die Kontrollen auf jedes 2. Jahr zu verschieben, wenn man schon einige Jahre mit der glutenfreien Ernährung vertraut ist.
Ganz wichtig: Die Nachsorge soll dabei nicht verunsichern, sondern Sicherheit geben. Sie hilft dabei zu sehen, dass sich der Körper erholt und man mit seiner glutenfreien Ernährung auf dem richtigen Weg ist.
Einen informativen Artikel findet ihr zu dem Thema auch auf der Seite der DZG!
6. Sich entmutigen lassen
Gerade am Anfang kann der Alltag mit Zöliakie überwältigend sein. Plötzlich müssen Dinge erklärt werden, die früher keine Rolle gespielt haben. Und ja, vielleicht entsteht manchmal das Gefühl, eine Belastung zu sein oder „zu viel“ zu verlangen. Doch genau das seid ihr nicht. Eure Bedürfnisse sind wichtig und ihr dürft zu eurer Diagnose stehen. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Man sollte sich nie dafür entschuldigen müssen, dass man auf seine Gesundheit achtet.
Lasst euch nicht entmutigen und schon gar nicht einreden, dass ihr übertreibt oder „eine Ausnahme machen“ könntet. Zöliakie ist kein Trend und keine persönliche Entscheidung, sondern eine Autoimmunerkrankung, bei der eine konsequente glutenfreie Ernährung notwendig ist. Sprecht offen darüber – mit Freunden, Familie oder im Restaurant. Je besser euer Umfeld versteht, warum bestimmte Dinge für euch wichtig sind, desto leichter wird der Alltag.
Und auch wenn es am Anfang vielleicht nicht danach aussieht: Mit der Zeit wird vieles einfacher. Einkaufen, Kochen, Reisen und Restaurantbesuche werden zur Routine, ihr gewinnt Sicherheit und werdet merken, wie viel ihr eigentlich schon gelernt habt. Seid geduldig mit euch, holt euch Unterstützung, wenn ihr sie braucht, und vertraut darauf, dass ihr euren eigenen Weg finden werdet. Ich spreche da aus eigener Erfahrung: Es braucht Zeit, aber irgendwann werdet ihr merken, wie viel Stärke ihr entwickelt habt.

Fallen euch noch weitere „Fehler“ ein, die ihr direkt nach eurer Diagnose gemacht habt? Schreibt sie gerne in die Kommentare! Ich freue mich über den Austausch mit euch!
Folgt ihr mir eigentlich schon auf Instagram und Facebook? Ich freue mich, wenn wir uns auch da vernetzen!
Eure Anna ♥
