• NRW, Deutschland.

Ein Wintertag in Tirol, Österreich

Vom Plansee bis zur highline 179

Der Wecker klingelt in aller Herrgottsfrühe. 4.15 Uhr. In meiner Zeitrechnung mitten in der Nacht! Noch völlig zerknautscht geht es um 5 Uhr von München aus in Richtung Österreich. Ich bin froh, dass ich auf der Rückbank noch etwas schlummern kann. Erst nach 1,5 Stunden werde ich durch einige Serpentinen langsam bei Ettal wachgeschaukelt. Ich sitze dick eingemummelt in meinen Mantel auf der Rückbank und strahle zufrieden vor mich hin – warum kann ich nicht immer in den Bergen vor solch einer Kulisse wach werden, frage ich mich? In der Dämmerung sieht alles noch etwas verschlafen aus. Die Sonne erwacht ganz langsam hinter den Bergen und wirft ein wenig Licht auf die glitzernden und von Raureif bedeckte Landschaft und Straßen. Der erste Schnee liegt auf den Gipfeln!

Der Plansee

Die Straße schlängelt sich auf und ab durch die Berge, bis der Plansee vor uns liegt. Heute Morgen ist er an vielen Stellen von einer dicken Nebelschicht überzogen. Langsam bricht der Tag an – die aufgehende Sonne bringt eine unglaublich schöne Atmosphäre mit sich. Mit all dem Nebel hat das Ganze etwas Mystisches und Unwirkliches an sich.

So stehen wir hier am Seeufer und blicken auf die stille Wasseroberfläche. Wäre es nicht so bitterkalt, könnte ich ewig hier hocken und auf den See starren, der noch ganz verlassen und still heute Morgen daliegt. Es scheint, als wenn wir die Einzigen wären, die sich so früh aus den Federn gequält haben. Und ja, alleine für diesen Moment hat es sich schon allemal gelohnt!

Highline 179

Wieder zurück im warmen Auto dauert die Fahrt vom Plansee bis zur highline 179 bei Reutte nur wenige Minuten. Als es uns gerade muckelig warm ist, heißt es schon wieder aussteigen!

Portrait: Phessale Tchedre

Der Besucherparkplatz ist noch menschenseelenleer, als wir ankommen. Nachdem die Taschen gepackt sind, geht es über den Wanderweg in Richtung highline 179. Handschuhe und dicke Socken wären heute wahrscheinlich eine gute Idee gewesen! Oder zumindest eine längere Hose, die auch die Knöchel bedeckt?!

Vom Parkplatz aus kann man nur erahnen, was einen nach dem kleinen Spaziergang erwartet. Der Slogan „Blick mit Kick“ passt hier wie die Faust aufs Auge! Bis sich die Tore zur Brücke um 8.00 Uhr öffnen, bleibt uns noch genügend Zeit, die Ruine Ehrenberg zu erkunden.

Die Hängebrücke verbindet die Überreste der alten Burg mit denen von Fort Claudia auf der gegenüberliegenden Seite des Tals. Bei dem pfeifenden und biestigen Wind heute Morgen, hat man zumindest einen kleinen Eindruck davon, wie man hier früher wohl mit den Zähnen im Winter geklappert haben muss! Über Stock und Stein klettern wir so über die alte Burganlage – die Ausblicke zwischendurch auf die Berge und das Tal sind wunderschön.Um 8 Uhr öffnen sich die Tore – auf geht es auf die 406 m lange Brücke. Um ehrlich zu sein bin ich froh, dass ich vor meinem Besuch noch gar nicht so viel über die highline 179 gelesen habe. Wie manche vielleicht schon aus vergangenen Blogbeiträgen wissen: Ich habe schreckliche Höhenangst!

Und da stehe ich auf dem Gitterrost und gehe meine ersten Schritte in windiger Höhe! Um genau zu sein, schwebt das 70 Tonnen schwere Gebilde in 114 m über dem Tal. Die ersten Schritte sind auf jeden Fall machbar. Ich bin gut abgelenkt – natürlich müssen wir ausnutzen, dass noch niemand hier ist und machen ein Foto nach dem anderen.

Foto: Phessale Tchedre

Schritt für Schritt geht es weiter – bis auf einmal meine Knie anfangen zu schlottern. Zwei andere Besucher haben sich dazugesellt und überqueren die Brücke im Laufschritt. Wie soll es bei einer freischwebenden Brücke schon sein? Natürlich schwankt es ein wenig von links nach rechts.

Mir wird es zu bunt. Ich gehe zurück. Aber mein Dickkopf gibt noch nicht ganz auf. Also der nächste Versuch – ich kralle mich an meiner Freundin fest! Schritt für Schritt geht es nun wieder in Richtung Brückenmitte. Den Blick stur geradeaus auf den Rucksack unseres Freundes gerichtet, wage ich es nicht einmal nach rechts oder links zu gucken. Einfach einen Schritt vor den anderen setzen. Einfach weitergehen. Das Umfeld scheint völlig zu verschwimmen. Ich sehe nur noch den blauen Himmel und den grauen Rucksack vor meinen Augen, auf den ich mich fixiert habe. Und ja, obwohl sich die Strecke ganz schön zieht, haben wir es irgendwann geschafft! Ich kann es kaum glauben! Über den Rückweg mache ich mir da noch keine Gedanken! ?

Der Ausblick von beiden Enden der Brücke auf die umliegende Landschaft ist wirklich malerisch. Ich bin froh, dass ich die Zähne zusammengebissen und allen Mut zusammengenommen habe! Und ich muss zugeben, dass ich diese Schritte niemals ohne meine beiden großartigen Wegbegleiter gemacht hätte! Danke Helena, Danke Phessale!


highline 179: Anfahrt über die B179, Abfahrt Burgenwelt Ehrenberg, Klause 1, 6600 Reutte/Österreich


Heiterwanger See

Gut gestärkt mit einem rieeeesigen glutenfreien Burger von McDonald’s (in Reutte gibt es eine Filiale) und unzähligen Eindrücken, wunderschönen Bildern und Erinnerungen im Gepäck geht es wieder in Richtung München. Aber so ganz können wir uns noch nicht von Tirol und der unglaublich schönen Landschaft trennen, so dass wir noch einen letzten Stopp am Heiterwanger See einlegen. Der See geht direkt in den Plansee über, an dem wir morgens schon gehalten haben.

Jetzt, wo die Sonne aufgegangen ist, ist das ganze Bild noch einmal völlig anders als am Morgen. Die Bergkulisse spiegelt sich komplett in der glatten Seeoberfläche. Wir sind zwar nicht mehr alleine hier, aber die Ruhe ist dennoch wundervoll.

Wir parken das Auto und spazieren etwas am Seeufer entlang – ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wie schön kann die Natur denn sein? Hach Tirol, auch du hast dir ein großes Stückchen in meinem Herzen ergattert!

Wart ihr auch schon einmal auf der highline 179 oder an den Bergseen in der Umgebung? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

Eure Anna ♥

P.S.: Wenn ihr noch mehr Eindrücke von unserem Tag in Tirol sehen möchtet, könnt ihr hier auf YouTube das Video von meinem lieben Phessale sehen.


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Anna

    COMMENTS (2)

    • Anna

      ()

      Liebe Sita,

      das habe ich mich in den Bergen auch gefragt. Aber keine Sorge, sobald ich das Meer und Wasser sehe, bin ich immer noch so glücklich wie früher. Vielleicht habe ich nur gemerkt, dass es in den Bergen auch wunderschön sein kann:-)!

      Viele liebe Grüße
      Anna

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