It’s wine o’clock: Eine Weinreise durchs Rheingau

Meine liebsten Weingüter um Eltville – mit glutenfreien Restauranttipps

 

Auf der Schnellstraße von Wiesbaden in Richtung Rüdesheim ziehen immer wieder Weinfelder vorbei – auf einer Seite reihen sich die Rebstökcke schnurgerade aneinander und auf der anderen Seite glitzert der Rhein um die Wette. Die Abendstimmung ist malerisch, während sich die Sonne langsam verabschiedet und das Licht in ein kitschiges Orange-Pink färbt. Ja, wahrscheinlich ist es die schönste Zeit des Tages.

Das Rheingau ist Weingebiet – die Hochburg für Riesling. Mit einer Rebfläche von 3.000 ha ist der Rheingau eines der bedeutendsten Weinanbaugebiete in Deutschland. Besonders im Sommer locken zahlreiche Weinfeste, Burgen, Schlösser und Klöster seine Besucher an.

Neben dem Rhein ziehen mich an diesem Wochenende vor allen Dingen die zahlreichen Weingüter an – eins schöner als das andere und jedes hat irgendwie seinen ganz eigenen Charme. Von super modern bis verwunschen-romantisch findet hier bestimmt jeder seinen persönlichen Lieblingsort– und natürlich auch Wein.

Auf der Suche nach dem schönsten Weingut

Ich glaube man kann gar nicht sagen, dieses oder jenes Weingut ist das Schönste. Wenn man hier 10 Leute fragen würde, bekäme man wahrscheinlich 11 verschiedene Antworten. Jedes einzelne hat seinen ganz persönlichen Charme und verzaubert einen auf eine andere Weise. Sei es eine Verköstigung in den Tiefen des Weinkellers auf Schloss Johannisberg bei Kerzenschein, der Schlender-Weinwanderung durch Kloster Eberbach oder ein großartiges Mittagessen im verträumten Garten der Familie Kögler.

 

Weingüter

Schloss Johannisberg

Rechts und links der Straße säumen Weinberge die Landschaft, während es immer weiter die Straße aufwärts zu Schloss Johannisberg geht. Das Schloss thront auf dem Johannisberg mit einem einzigartigen Blick über die Weinberge, die einem wie ein Teppich zu Füßen liegen.

Willkommen auf dem ersten Riesling-Weingut der Welt! Während Johannisberg wahrscheinlich nur den Wenigsten ein Begriff ist, hat wahrscheinlich jeder bei Fürst von Metternich eine genauere Vorstellung, wo wir hier zu Hause sind.

Das Schloss wurde ca. 1100 als Benediktinerkloster gegründet und ging 1816 in die Hände der Metternich Familie über, um Fürst von Metternich für seine Verdienste im Wiener Kongress zu belohnen. Im zweiten Weltkrieg völlig von Bomben zerstört, wurde das Schloss wieder vollständig durch die Familie von Metternich aufgebaut und strahlt heute in einem makellosen Glanz.

Außen wundervoll renoviert, wird es besonders interessant, wenn man das Herzstück des Schlosses betritt. Über eine Steintreppe geht es in den unterirdischen Weinkeller mit seiner Bibliotheca subterranea, der berühmten Schatzkammer des Schlosses. Hier lagern gut verschlossen kostbare Wein-Raritäten aus mehreren Jahrhunderten. Wie eine kleine Geheimwelt, die sich hinter dem schweren Holztor verbirgt.

Wusstet ihr, dass auch die Spätlese hier auf dem Johannisberg quasi „erfunden“ wurde? Bevor damals die Trauben geerntet werden konnten, wurde ein Kurier per Pferd zu dem zuständigen Fürst-Bischof in Fulda gesandt, um die Erlaubnis einzuholen, die Ernte beginnen zu dürfen.

Leider kam dieser erst zurück, als die Trauben schon an ihren Rebstöcken anfingen zu faulen. Anstatt die Trauben jedoch weiter verderben zu lassen, hat der Kellermeister sie dennoch ernten lassen und einen vorzüglichen Wein als Lohn für seinen Mut bekommen – die Geburtsstunde der Spätlese.


Schloss Johannisberg: Schloss Johannisberg – 65366 Geisenheim-Johannisberg


Allendorf

Wir stehen im Laden der Familie Allendorf und verkosten schon den ersten Wein, der von der Familie auf ca. 70 ha rund um Oestrich-Winkel, Assmanshausen und Rüdesheim angebaut wird, als Ulrich Allendorf zu uns stößt. „Entschuldigung, dass ich mich ein wenig verspätet habe – ich musste noch für den Flug nach New York einchecken. Morgen geht es in Familienurlaub.“ Wäre es im Rheingau nicht so wunderschön, würde ich am liebsten am nächsten Morgen mit in die Maschine zurück nach NY steigen!

Das Weingut Allendorf ist ein wahrer Familienbetrieb. Hier packen alle mit an – und das seit Generationen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Betrieb hier inmitten der Weinberge auch den Namen Georgshof trägt – benannt nach dem Großvater Georg, der 1963 von einem viel zu kleinen Weingut im Ortskern von Oestrich-Winkel hierherzog und quasi den Grundstein für das jetzige Familienunternehmen legte.

Foto: Frank Maier – www.littlediscoveries.net

Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob es wohl Auswirkungen auf den Geschmack eures Weins hat, wenn sich die Farbe des Lichts ändert, währenddessen ihr den Wein trinkt? Wir stehen in einem an sich schlichten Raum – an einer Wand eine Lichtinstallation und auf der anderen Seite ein riesiger Spiegel.

Jeder mit einem Glas Weißwein ausgerüstet, gibt Uli Allendorf das Kommando einen Schluck Wein zu nehmen, während sich die Farbe des Lichts verändert. Was gerade noch beerig-süßlich war, wird auf einmal säuerlich oder verliert sogar etwas an Geschmack und neutralisiert sich fast schon. Hier wird die sonst übliche Weinprobe wirklich zu einem Erlebnis!

Mein Tipp: Wahrscheinlich rollt nun jeder Weinliebhaber- und Kenner mit den Augen, aber bei Allendorf gibt es den ersten alkoholfreien Riesling! Wer hier einen süßen Traubensaft erwartet liegt hier absolut daneben – ganz nach dem Motto „Safe Water, drink Riesling“ kommt die alkoholfreie Variante schon recht nah an sein Riesling-Vorbild heran. Und so kann man auch den Besuch in der Weinerlebniswelt auf den Morgen legen, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon angeschwippst in den weiteren Tag startet.


Weingut Fritz Allendorf: Georgshof, Kirchstrasse 69, 65375 Oestrich-Winkel


Kloster Eberbach

Während viele das Kloster Eberbach aus dem Film „Der Name der Rose“ kennen, kann man es auch bei einer Schlender-Weinprobe kennenlernen und entdeckt vielleicht den ein oder anderen Drehort wieder. Unterwegs werden sechs Stationen eingelegt: So lernt ihr beispielsweise das ehemalige Hospital, den historischen Cabinet-Keller, das Dormitorium mit seiner wunderschönen Kreuzgewölbedecke und die romanische Klosterkirche kennen – an jedem der Stopps gibt es einen Wein zu probieren. In ca. 1,5 Stunden lernt man so die Ecken des ehemaligen Zisterzienserklosters kennen und erfährt vieles über das Leben der Mönche.

Foto: Frank Maier – www.littlediscoveries.net


Kloster Eberbach: Kloster Eberbach – 65346 Eltville am Rhein


Domäne Steinberg I Hessische Staatsweingüter

Wer nach den vorherigen Weingut-Besuchen einen uralten und mystischen Weinkeller erwartet, wird in der Domäne Steinberg lange suchen müssen. Einen Steinwurf, bzw. einen kurzen Spaziergang von Kloster Eberbach entfernt liegt mit der Domäne Steinberg seit 2008 einer der modernsten Weinkeller Europas. Eine perfekte Harmonie zwischen dem alten Fachwerkhaus, der knapp 3 km langen Steinbergmauer und dem puristischen Neubau – für mich ein Ort, an dem ich mich direkt wohlfühle.

Auf der großen Terrasse könnte ich stundenlang unter dem Sonnenschirm stehen und bei einem Gläschen Weißwein den Ausblick auf die Landschaft und unendlich scheinenden Weinberge genießen. Ich liebe die riesigen Fensterfronten und klaren Strukturen des Steinbergkellers.

Auf drei Etagen werden hier die Trauben von ca. 34 ha verarbeitet – und das bei Tageslicht! Auf allen Etagen dienen verglaste Sichtachsen für Tageslicht in der Produktionsstätte, so dass auch zu Erntezeiten die Arbeiter zumindest wissen, welche Tageszeit draußen ist, während sie für neuen Wein-Nachschub sorgen.


Domäne Steinberg: : Kloster-Eberbach-Straße – 65346 Eltville am Rhein


Wo kann ich sorgenfrei essen?

Eins kann ich vorwegnehmen: Obwohl das Rheingau schon auf Besucher eingestellt ist und ein Magnet für Touristen ist, habe ich in Eltville, Assmanshausen, Rüdesheim und Oestrich kein komplett glutenfreies Restaurant oder Café gefunden. Wie auch sonst, kann man hier bei der Wahl seines Restaurants Glück, aber auch Pech haben, was das Angebot und vor allen Dingen das Wissen um glutenfreies Essen angeht.

Während ich am Sonntagnachmittag in Assmanshausen nur einen kleinen Salat gefunden habe (hier muss ich zugeben, dass ich wahnsinnigen Hunger und kein großes Interesse hatte zu suchen), gibt es aber in Eltville und Oestrich-Winkel zwei Restaurants, in denen ich mich gut aufgehoben gefühlt habe.

Koegler – Eltville

Ein Besuch in Eltville darf generell nicht fehlen, wenn man ein paar Tage im schönen Rheingau verbringt. Und wenn ihr schon einmal hier seid, gehört ein Besuch im Weingut Koegler auf jeden Fall auf eure Todo-Liste! Hach, ich würde am liebsten auf der Stelle zurück. Ich erinnere mich noch an den Samstagmittag – nach einer kleinen Stadtführung und einem kleinen Spaziergang entlang des Rheins war das Mittagessen hier mein absolutes Highlight.

Der Innenhof hat eine ganz tolle Atmosphäre – eine Mischung aus super modern und gleichzeitig verwunschen. Weiße Sonnenschirme, Lampions und türkisfarbene Kissen laden einen ein, seinen Nachmittag hier zu genießen. Wir werden von Kseniya Koegler unglaublich herzlich empfangen – nicht nur eine wunderbare Gastgeberin, sondern auch gelernte Sommelière. Bei den Gerichten auf der Karte hat sie ihre russischen Wurzeln einfließen lassen.

Eine gut gekennzeichnete Allergenkarte ist hier verfügbar. Hier kennen sich Frau Koegler und ihre Servicekräfte jedoch auch so gut aus, dass ich mich lieber persönlich beraten lasse, was es an glutenfreien Speisen gibt. Wie wäre es mit frischem Rindertartar, einem Linsen-Lauchsalat mit frischem Ziegenkäse?

Ich entscheide mich für Fisch mit Scampis und einem frischen Salat als Vorspeise! Vieles auf der Karte ist von Natur aus glutenfrei – zur Sicherheit könnt ihr euch hier aber auch immer noch zusätzlich nachfragen.


Weingut J. Koegler: Kirchgasse 5 – 65343 Eltville am Rhein


Kleines Gasthaus

Das kleine Gasthaus liegt inmitten des Ortskerns von Oestrich-Winkel – je nach Wetterlage kann man hier gemütlich im kleinen Garten unter den Bäumen vor dem Restaurant sitzen und sich stärken oder sich im hübschen Gastraum ein Plätzchen suchen. Auf der Karte sind die Allergene ausgezeichnet – auf den ersten Blick scheint es so, als wenn nur die wenigsten Gerichte glutenfrei sind. Jedoch kann auf Bestellung hier auch vieles angepasst werden.

Das Service- und Küchenpersonal kennt sich super aus, wenn es um die verwendeten Zutaten und Inhaltsstoffe geht. So wird bei dem Schnitzel die Panade weggelassen und das Fleisch natürlich auch separat angebraten. Ich habe mehrmals nachgefragt, was die Zutaten betrifft, aber habe immer direkt eine Antwort bekommen, wie beispielsweile das Grillgemüse für den Salat zubereitet wurde, was alles in dem Dressing enthalten ist oder was für Zutaten im Hauptgang verarbeitet wurden.

In dem schnuckeligen Gasthaus findet ihr auf jeden Fall etwas!


Kleines Gasthaus: Rheingaustraße 18 – 65375 Oestrich-Winkel


 

Wart ihr schon einmal im Rheingau und habt das ein oder andere Weingut oder die wunderschöne Natur und Landschaft rund um den Rhein kennengelernt? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

Eure Anna ♥

 

 

Offenlegung:

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden, zu der die Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH eingeladen hat. Vielen herzlichen Dank für die Einladung!

 


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Anna

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