Blogger verraten ihre glutenfreien „Negativ-Highlights“

In den vergangenen Jahren habe ich auf meinen Reisen mit Zöliakie ganz schön viel erlebt. Vor allen Dingen waren es positive Erlebnisse, von denen ich euch so gerne hier berichte. Aber ich möchte auch gar nicht verschweigen, dass auch mal etwas schieflaufen kann. Auch wenn ich euch durch meine Geschichten und Erfahrungen mit glutenfreier Ernährung in der ganzen Welt vor allen Dingen Mut geben möchte, trotz der Zöliakie die Welt zu bereisen, liegt es mir aber auch am Herzen, ganz ehrlich zu zeigen, dass auch bei mir und auch meinen „glutenfreien“ BloggerkollegInnen nicht immer alles wie am Schnürchen klappt.

Neben vielen wundervollen Erlebnissen erlebt man auch ab und zu ganz schön verrückte Dinge! Diese negativen Erfahrungen sind einerseits zwar traurig, aber auch manchmal schon fast filmreif. Im Nachhinein bringen sie mich zum Schmunzeln, auch wenn sie mir in der jeweiligen Situation am liebsten die Tränen in die Augen getrieben hätten. „Nein, in der Küche wurde lange nicht mehr gearbeitet, da ist kein Gluten mehr“ (Nepal), „Nein, das wurde gekocht, da ist kein Gluten mehr drin“ (Deutschland), „Glutamat verwenden wir nicht“ (Deutschland), „Schon wieder so eine, die auf den glutenfreien Trend aufgesprungen ist“ (Deutschland) – ja, die Liste könnte ich ganz schön lange so fortsetzen! Vielleicht merkt ihr schon, dass Deutschland bei den blödesten Sprüchen die Nase ganz schön weit vorne hat!

Vor einiger Zeit habe ich einige andere „glutenfreie“ Blogger nach ihren Lieblingsreisezielen gefragt. Amsterdam, Italien, Dubai und andere tolle Plätze waren dabei! Nun habe ich mich mal umgehört und berichte euch, was meine BloggerkollegInnen schon unterwegs an „negativen Highlights“ erlebt haben und was alles so schiefgelaufen ist.

 

Fabienne von Freiknuspern

Meine liebe Anna hat mich nach einer negativen Erfahrung mit Allergien unterwegs oder auf Reisen gefragt. Ich muss sagen, toi toi toi, auf Reisen ist mir bisher noch nichts erwähnenswert Schlechtes passiert, was das Thema angeht. Ich hatte sogar bisher immer das Gefühl, dass es auf Reisen deutlich besser läuft als bei uns in Deutschland. Gut, nun muss man auch dazu sagen, dass ich, was das angeht, ein sehr vorsichtiges Persönchen bin und auf Reisen gerne Unterkünfte mit Selbstverpflegung buche. Einfach, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Dafür kann ich euch aber etwas aus meinem allergiefreien Alltag in Deutschland erzählen. Bei mir ist es gar nicht mal so schwierig, etwas Glutenfreies zu finden – da werden die Optionen immer besser und zur Not ist meist auch ein Salat glutenfrei. Vielmehr ist es mit Sesam und Sellerie eine ziemlich große Herausforderung für mich. Denn gerade beim Sellerie scheint vielen Küchenchefs oder auch Kellnern nicht klar zu sein, worin dieses Allergen tatsächlich überall enthalten ist. Wie oft habe ich den Satz gehört, dass kein Sellerie im Essen enthalten ist. Ja, das Gemüse Sellerie ist dann auch tatsächlich nicht enthalten. Aber auf die verwendete Gemüsebrühe oder sonstige Gewürzmischungen hat man dann in dem Fall nicht geachtet.

Ich habe mir außerdem angewöhnt, dazu zu sagen, dass ich hochallergisch auf das Lebensmittel bin. Denn mir ist es auch schon oft passiert, dass der Kellner dachte ich esse Sellerie einfach nicht gerne und frage deshalb nach ob er enthalten ist oder nicht. Auch ein schönes Beispiel war in einer Salatbar, in der ich ausdrücklich einen Salat ohne Paprika bestellt habe. Damals habe ich frische Paprika nämlich ganz schlecht vertragen. Als der Salat dann kam und übersät mit diversen Paprika-Stücken war, bekam ich die Aufforderung mir die Paprikastücke einfach herauszusuchen und „drumherum“ zu essen. Was natürlich absolut nicht allergiefreundlich war und aufgrund meiner sehr empfindlichen Reaktion auf Paprika auch nicht möglich.

Kleiner Tipp zum Abschluss: Geht mit einer positiven Einstellung und guter Vorbereitung an das Thema Reisen / Unterwegs mit Allergien oder Zöliakie! 🙂


Fabienne ist 25 Jahre alt und bloggt auf Freiknuspern. Dort dreht sich alles um leckere Rezepte und hilfreiche Tipps bei Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien. Sie möchte mit ihren Rezepten zeigen, dass man auch mit Unverträglichkeiten lecker schlemmen kann und nicht zwangsläufig auf liebgewonnene Rezepte verzichten muss!


 

Kerstin von Landherzen

Mein letztes Negativ-Highlight liegt schon ein paar Jährchen zurück. Wir haben unseren Urlaub in Südtirol verbracht (in den Bergen) und die Unterkunft nur mit Frühstück gebucht, was auch wunderbar klappte.

Zu Abend haben wir auswärts gegessen, was in Bozen kein Problem ist. Eines Abends hatten wir aber keine Lust mehr, mit der Seilbahn nach Bozen zu fahren und so sind wir einfach in das nächst liegende Restaurant und haben beim Bestellen gefragt, ob ein glutenfreies Abendessen für mich möglich ist. Tja, und da hat man schon gemerkt, dass die Bedienung leider keine Ahnung von „Glutenfrei“ hatte und sich in der Küche danach erkundigen wollte. Man versicherte mir dann, dass ich ein Fischfilet (unbemehlt) mit Gemüse essen könnte. Obwohl ich ein komisches und unsicheres Gefühl hatte, habe ich mich darauf eingelassen und das Essen war auch vorzüglich.

Leider habe ich schon beim Nachhauseweg – etwa 20 Minuten nach dem Verzehr – die ersten Bauchkrämpfe bekommen und wir haben es gerade noch in unser Hotelzimmer geschafft. Ich erspare Euch die Einzelheiten, aber ich habe die halbe Nacht auf der Toilette verbracht und erst als mein Magen/Darm komplett entleert war, konnte ich total erschöpft ins Bett kriechen. Am nächsten Tag war ich natürlich total schlapp und wir mussten erst mal in der Apotheke Elektrolytpulver besorgen. Ich weiß bis heute nicht, was in diesem Abendessen Glutenhaltiges enthalten war. Entweder wurde die Pfanne nicht getauscht, so dass sich noch Mehlreste darin befunden haben oder das Gemüse war mit Mehl gebunden. Wir haben uns im Restaurant nicht beschwert, hätte ja eh nichts mehr geändert. Ich habe aber daraus gelernt:

  1. Wenn sich das Küchenpersonal nicht mit „Glutenfrei“ auskennt: Finger weg! Entweder nur Salat essen oder das Lokal wechseln.
  2. Immer Elekrolytpulver auf Reisen mitnehmen.


Kerstin schreibt auf ihrem glutenfreien Blog Landherzen. Auch sie hat Zöliakie (Diagnose 2007) und möchte euch auf ihrem Blog zeigen, dass man auch glutenfrei wunderbar schlemmen und reisen kann. Man muss nur wissen, wie und dabei hilft sie euch gerne!


 

Sarah von Die Zottenretter

Mittlerweile kann ich auf viele positive Erlebnisse seit meiner Zöliakie-Diagnose zurückblicken. Viele Restaurants gehen sehr offen mit dem Thema um und bieten uns Zöliakie-Betroffenen eine tolle Auswahl an Speisen, sodass wir uneingeschränkt auswärts essen können. Viele Köche sind sehr gut ausgebildet und man freut sich über das Fachwissen, das sie einem entgegenbringen. Das gibt mir ein großes Gefühl von Sicherheit, die ich gerade beim Essen gehen brauche.

Zwei meiner negativen Erlebnisse möchte ich aber euch nicht vorenthalten: Kurz nach meiner Zöliakie- Diagnose habe ich ein neueröffnetes Restaurant mit glutenfreier Speisekarte besucht. Mir wurde absolute Kontaminationsfreiheit zugesichert. Leider vergriff sich der Kellner und ich bekam ein glutenhaltiges Lammsbräu Bier auf den Tisch gestellt. Der Unterschied ist meiner Meinung nach auch wirklich schlecht anhand der Flasche zu erkennen. Leider bemerkte ich den Fehler erst später. Seitdem kontrolliere ich Bierflaschen mehrmals, um sicherzugehen.

Eine weitere lustige, aber eigentlich traurige Geschichte ist folgende: 2013 war ich zum ersten Mal in Hamburg. Ich hatte mir einige Restaurants herausgesucht, die ich gerne ausprobieren wollte. Ich war bei einer großen Restaurantkette mit ebenfalls glutenfreier Speisekarte. Nachdem das Essen da war, erkundigte ich mich erneut nach den Pommes Frites, ob diese auch wirklich ohne sonstige glutenhaltige Lebensmittel frittiert werden. „Selbstverständlich frittieren wir alle panierten Lebensmittel, sowie die glutenhaltigen in einer Fritteuse.“ Stille. „Sie wissen aber schon…..?“ Die Kellnerin erzählte mir daraufhin, dass laut einer Studie Gluten bei großer Hitze, z. B. in einer Fritteuse, zerstört wird und man sich über Kontamination daher keine Gedanken machen muss. Seitdem bin ich wieder ein bisschen schlauer und vorsichtiger. Aber lasst euch trotz so kleiner Tiefschläge nicht entmutigen, es gibt auch viele Köche, die es können. 😉


Sarah bekam ihre Zöliakiediagnose 2010 und schreibt nun seit 2014 auf ihrem Blog Zottenretter über Reise- und Einkaufstipps, Produkttests und viele andere Dinge rund um das Thema Zöliakie.


 

Silvan von glutenfreiewelt.ch

Kochen in einer lebenden Küche – Nein Danke!

Es war nach einem langen Tag mit einem dreistündigen Inlands-Flug von Cairns im Norden Australiens nach Sydney. Endlich im Hostel eingecheckt und da knurrt auch schon der Magen. Da wir ein bisschen auf unser Budget schauen mussten, versuchten wir so oft es ging, selbst zu kochen.

Da unser Zimmer für ein Hostel wirklich toll war, dachten wir, dass die Küche bestimmt auch so aussehen wird. Leider war dem nicht so. Zum guten Glück waren wir vor dem Einkaufen noch kurz die Küche besichtigen: Im zweiten Untergeschoss, in einem Keller ohne Fenster. Kurz umgeschaut. Keine Tücher, insgesamt 4 Gabeln (für über 50 Leute oder so) und dann war da noch so was, das sich bewegte. Kakerlaken. Und meine Lieben, in Australien sind die Dinger noch etwas grösser als hier.

Da möchte man echt nicht kochen – auch nicht glutenfrei. Zum Glück ist Australien echt ein super Land. Wir haben dann so eingekauft, dass wir nichts aus der Küche brauchten ausser der Mikrowelle. Fertigreis mit einer leckeren Pesto-Tomatensauce und Salat. Am Tag darauf gab es Hühnchen direkt vom Supermarkt und am letzten Tag gönnten wir uns einen Salat to go beim Healthy-Restaurant nebenan. Eine wirklich nicht so angenehme Erfahrung, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Zum Glück gibt es da unten so viele glutenfreie Produkte im Supermarkt.


Silvan schreibt auf glutenfreiewelt.ch über alles, was dich zum smarten Zöli macht. Reiseberichte, Alltagtipps und natürlich jede Menge leckere, glutenfreie Rezepte. Als Ernährungscoach ist ihm auch den gesunden Aspekt sehr wichtig.


Nora von BeGluno

Dieser Moment, wenn der Kellner mit deinem Essen ankommt und du einfach nur noch den Kopf schütteln kannst. Ich fühle mich dann wie ein Wackeldackel, weil ich damit nicht mehr aufhören will.

Aber fangen wir ganz von vorne an. Wir sind zu Besuch bei der Familie. Natürlich haben wir unser Essen komplett durchgeplant. Auch der Besuch im Restaurant ist vorbereitet. Unsere Lösung: Wir bringen unser Essen einfach selbst mit. Wichtig ist dabei, dass es so hochwertig wie das Restaurant ist aber nicht in Konkurrenz mit deren Speisen steht.

Ralf hat Lust auf Risotto mit grünem Spargel und Pilzen. Perfekt, denn wir gehen mit der Familie zu Weihnachten in ein deutsches Restaurant. Ich verstehe die verdutzten Gesichter als ich mich zur Chefküche mit meinem mintgrünen Topf kämpfe. Der Topf ist ja auch wirklich wunderschön.

Ich spreche mit dem Koch: „Wir sind sehr dankbar, dass wir unser Essen selbst mitbringen können. Bitte achten Sie unbedingt darauf kein anderes Kochbesteck oder ähnliches zu nutzen. Das Gericht muss so bleiben. Ein Teller von Ihnen ist vollkommen okay.“ Wir sitzen und alles ist für uns geregelt. Die Kellner kommen und servieren uns das Essen. Und da liegt sie und grinst uns an, dieses kleine rote Ding. Eine geschmorte Tomate thront auf dem Risotto, wie ein Leuchtturm. Die hatte ich eigentlich nicht mitgebracht. Wackeldackel… Seitdem lege ich immer noch einen Zettel zum Kochtopf dazu. Der Koch ist ein Perfektionist in seiner Küche, also lobe ihn! Dann kommt er auch nicht auf die Idee dein Essen anpassen zu müssen.

Letztendlich hilft es sehr mit den Menschen über deine Unverträglichkeit zu sprechen. Sie müssen ein Verständnis dafür entwickeln. Auch wenn das heißt, dass ich mit meinem mintgrünem Topf durch ein Sternerestaurant laufe.


Nora lebt und liebt glutenfrei, weil ihr Freund Ralf eine Glutenunverträglichkeit hat. Darum hat Nora ihren Blog BeGluno gegründet, in dem sie gemeinsam anderen Betroffenen helfen den glutenfreien Alltag zu meistern. Sie geben wertvolle Tipps beim glutenfreien Backen und Kochen.


 

Erinnerst du dich auch noch an eins deiner negativen Erlebnisse auf Reisen, oder auch im Restaurant um die Ecke?  Gab es ein Land oder einen Ort, an dem es wirklich NICHTS Glutenfreies gab? Geistert dir eine Geschichte oder ein Erlebnis noch immer im Kopf herum? Erzähle gerne in den Kommentaren davon!

 


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Anna

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